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Sahara Geiseln wurden aus Wiener Spital entlassen

Salzburg, Wien – Die befreiten Sahara-Geiseln sind heute, Montag, Mittag aus dem Wiener Heeresspital entlassen worden. Die Halleiner Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner befinden sich derzeit auf dem Heimweg nach Salzburg.

Ein Privat-Pkw und eine Zivilstreife der Polizei begleite die beiden im Februar in der Sahara entführten Touristen. Zuvor seien Kloiber und Ebner einem umfassenden Gesundheits-Check unterzogen worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Sie befänden sich in einem “sehr guten” Gesundheitszustand, gegen ihre Entlassung bestehe keinerlei medizinische Bedenken. Die Bundesregierung dementierte unterdessen entschieden, dass für die Freilassung der beiden über acht Monate festgehaltenen Österreicher Lösegeld bezahlt worden sei. Außenministerin Ursula Plassnik (V), Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) und Innenministerin Maria Fekter (V) sprachen in einer gemeinsamen Pressekonferenz von einem Erfolg beharrlicher Diplomatie. “Wir haben unsere Linie entwickelt und wir haben sie konsequent eingehalten: gewaltfreie Lösung, kein Lösegeld zahlen, uns nicht erpressen lassen, Terrorismus nicht zu finanzieren”, betonte Plassnik. Plassnik wies mediale Spekulationen über Lösegeldzahlungen zurück. Sie appellierte nachdrücklich an die Medien: “Schaffen Sie keine Scheinrealitäten zum Thema Lösegeld! Sie arbeiten damit den Terroristen direkt in die Hände!” Die Außenministerin zeigte sich zugleich verärgert über “selbst ernannte Experten”, “Besserwisser und Wichtigtuer”. Die algerische Zeitung “Liberté” hatte berichtet, dass der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi an Lösegeldzahlungen von drei und fünf Millionen Euro beteiligt gewesen sei. Gaddafi habe “auf eine Bitte” Jörg Haiders reagiert. Der wenig später bei einem Autounfall ums Leben gekommene BZÖ-Chef habe Gaddafis Sohn Saif al-Islam um Hilfe bei der Befreiung der Geiseln ersucht. Der österreichische “Standard” berichtete, das Geld sei über Stiftungen aufgebracht worden und über Umwege nach Mali geflossen. So könne sich Österreich darauf berufen, kein Lösegeld gezahlt zu haben. FPÖ und BZÖ kündigten eine parlamentarische Anfrage an die Außenministerin an. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky will von Plassnik wissen, ob die Summe von fünf Millionen für die Freilassung stimme und wer wie viel an wen bezahlt habe. Unter anderem will die FPÖ auch Auskunft darüber, ob es Zahlungen an die Gaddafi-Stiftung gegeben habe und wie hoch die Kosten für gecharterte Flugzeuge und für den Aufenthalt des Sonderbotschafters Anton Prohaska in Mali gewesen seien. BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz warf die Frage auf, ob österreichische Steuergelder an die Al-Kaida geflossen seien. Plassnik solle endlich aufhören, “die Bevölkerung anzuschwindeln”. Plassnik verwies in der Pressekonferenz in Wien auf die grundsätzliche Verpflichtung des Staates, in Notfällen zu helfen. Auch Darabos sagte, jeder Staatsbürger habe ein Recht auf Hilfe seitens der Bundesregierung. Die Frage, ob sich die beiden Toristen leichtsinnig verhalten hätten, ist laut Plassnik noch nicht zu beantworten. Gesetzlich sei bei “grobem Verschulden” eine Kostenbeteiligung vorgesehen, die auf 20.000 Euro begrenzt sei. “Wir werden dem jedenfalls nachgehen”, sagte Plassnik. Eine Bilanz der Gesamtkosten des Konsularfalles werde aber aufgrund des großen Aufwands nicht erstellt. Darabos lobte die professionelle Zusammenarbeit in schwierigen Zeiten. Im Krisenstab hätten unter Federführung des Außenministeriums Bundeskanzleramt, Verteidigungsministerium und Innenministerium zusammengearbeitet, auch das Heeresnachrichtenamt habe professionelle Arbeit geleistet. Plassnik hob besondere die Rolle des malischen Präsidenten, Amadou Toumani Toure, hervor. Toumani Toure sei in der afrikanischen Politik eine “positive Ausnahmeerscheinung” und werde Österreich in absehbarer Zeit einen Besuch abstatten. Plassnik dankte außerdem der islamischen Gemeinschaft in Österreich und den internationalen Stimmen aus der muslimischen Welt, etwa Scheich Al Quaradawi, die sich für die Freilassung eingesetzt haben. Fekter sagte, dass die Geiseln in den acht Monaten der Entführung mehrmals in Lebensgefahr geschwebt seien. Dies gelte insbesondere für den langen Weg der Verschleppung aus Tunesien nach Mali. Seitens des Innenministeriums sei die Sondereinsatzgruppe Cobra (richtig) und das Amt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in die Bemühungen um die Freilassung der Geiseln involviert gewesen. Die beiden im Februar dieses Jahres von mutmaßlichen Al-Kaida-Extremisten in Tunesien entführten Österreicher waren am Donnerstag freigelassen worden. Am Samstag landeten sie in Österreich. Ihr derzeitiger Aufenthaltsort soll aus Sicherheitsgründen geheimbleiben, sagte Angehörigen-Sprecher Mike M. Vogl gegenüber der APA. “Der Kreis derer, die es wissen, wird sehr klein gehalten – um den beiden die nötige Ruhe zu geben. Sie bleiben im Inland.”

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 22.09.2019 um 12:03 auf https://www.salzburg24.at/archiv/sahara-geiseln-wurden-aus-wiener-spital-entlassen-59606791

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