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Salzburger Arzt bekennt sich nicht schuldig. Mit Nachdruck.

„Das ist kein Kollege, das ist ein Aff’!“ So attackierte der pensionierte Lungen­fach­arzt Helmut Wihan am Dienstagvormittag im Salzburger Landesgericht den Gerichtsgutachter Reinhard Haller. Dieser hatte dem Opfer jeden freien Sterbewillen aberkannt. Wihan muss sich darum wegen Mordes verantworten.

Unter großem medialen und öffentlichen Interesse - sogar eine Schulklasse des Gymnasiums Seekirchen war extra angereist – startete am Dienstagvormittag der Prozess gegen den pensionierten Salzburger Lungenfacharzt Helmut Wihan. Er soll am 13. Juni 2006 einer schwerkranken 70-jährigen Obertrumerin auf deren Wunsch einen tödlichen Medikamentencocktail injiziert haben, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Ein Gerichtsgutachter spricht der schwer depressiven Frau jedoch einen „freien und ernstlichen Sterbewillen“ ab. In ihrer depressiven Phase hätte sie keine ernstzunehmenden Entscheidungen treffen können. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet aus diesem Grund auch auf Mord.

Als der vorsitzende Richter den pensionierten Arzt mit diesen Vorwürfen konfrontiert, wird dieser aufbrausend, laut und ausfällig. Er beschimpft den Gutachter einen „Aff’“ und wirft ihm vor, durch die Kosten seiner Gutachten der Republik Österreich zu schaden. Die Verhandlung muss daraufhin unterbrochen werden.

Wihan selbst stellt die Abläufe im Juni 2006 anders dar. Vor Gericht führt er umfangreich aus, dass er die Angeklagte seit Jahrzehnten gekannt hatte. Bereits die fünf Jahre vor ihrem Tod habe sich die Obertrumerin immer wieder bei Wihan („Ich war ein Freund, der zufällig auch Arzt ist.“) mehrmals erkundigt, welche Möglichkeiten sie hätte, aus dem Leben zu scheiden. Drei bis vier Monate vor ihrem Tod missglückte ein Selbstmordversuch. Die Verteidigung plädiert darum auf “Tötung auf Verlangen”.

Den Abend ihres Todes beschreibt Wihan so: Er kam gegen 23 Uhr in das Haus der langjährigen Freundin in Obertrum. Die wohlhabende Frau injizierte sich selbst zwei Spritzen mit Morphium unter die Haut. Sie wurde müde und Wihan spritze eine dritte, bereits vorbereitete Dosis Morphium in die Vene der Frau. Daraufhin starb die Obertrumerin. Der Gerichtsmediziner sollte später weitere Einstiche am Bein des Opfers und ein weiteres Medikament im Blut des Opfers feststellen. Wie dieses Mittel dorthin gelangt war, kann sich Wihan nicht erklären. Er bestreitet ihr weitere Spritzen verabreicht zu haben und spricht von einem „Sicherheitsnetz“ das sich die 70-jährige selbst gebaut hätte - „Sie wollte unbedingt sterben.“

Das Geld - Wihan bekam für seine „Unterstützung“ 27.000 Euro in einem Kuvert – sei für ihn kein Anreiz gewesen. Am Dienstagnachmittag sind vor Gericht die Gutachter am Wort. Zwei weitere Verhandlungstermine zur Anhörung der Zeugen sind anberaumt. Ein Urteil wird im Dezember erwartet.

Gutachter widersprechen dem Angeklagten zum Teil

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(iv)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 24.06.2019 um 10:25 auf https://www.salzburg24.at/archiv/salzburger-arzt-bekennt-sich-nicht-schuldig-mit-nachdruck-59604307

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