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Salzburger Festspiele 2009: Mehr Geld und etwas weniger Besucher

Sowohl wirtschaftlich als auch künstlerisch präsentierten die Salzburger Festspiele Donnerstagmittag in einer Pressekonferenz eine durchwegs positive Bilanz. Künstlerisch ist das internationale Feuilleton zumindest im Bereich Oper und Schauspiel nicht dieser Meinung. Wirtschaftlich aber scheint das Konzept durchwegs funktioniert zu haben.

So gab es zwar mit 248.432 Besuchern eine geringfügig unter dem Vorjahresniveau liegende Zahl an Zuschauern. Und auch die Gesamtauslastung war mit 93 Prozent nur um ein Prozent niedriger als 2008. Dafür seien, so der kaufmännische Direktor der Festspiele, Gerbert Schwaighofer, im Sommer 2009 23 Mio. Euro eingenommen worden. “Das ist um eine Mio. Euro mehr als erwartet. Immerhin, noch im Juni waren wir wegen der Schweinegrippe in großen Teilen der Welt sowie wegen der spürbaren Weltwirtschaftskrise absolut nicht sicher. Daher sind wir jetzt doppelt froh, dass sich unsere Rechnung so gut ausgeht.” Schwaighofer betonte, dass die Entscheidung, für Salzburg Karten zu kaufen, immer kurzfristiger getroffen werde. “Noch nie haben wir nach dem Beginn der Festspiele, also erst unmittelbar vor den Veranstaltungen, so viele Karten verkauft wie heuer.”

Die Festspiele haben 199 reguläre Veranstaltungen, eine verkaufte Generalprobe, 40 Sonderveranstaltungen und 21 öffentliche Proben angeboten. Die regulären Veranstaltungen waren insgesamt zu 93 Prozent ausgelastet, auch etwa die Oper von Luigi Nono liegt in diesem guten Schnitt. Selbst schwierigere Programme wie die Konzerte mit Musik von Edgard Varese waren zu 87 Prozent verkauft. Die Hits in der Nachfrage waren wie immer der “Jedermann” sowie der Liederabend mit Anna Netrebko.

Das Publikum der Festspiele kam aus 68 Ländern nach Salzburg, 34 davon außerhalb Europas. Japan hat zugelegt, Amerika nachgelassen, und die Russen sind um 60 Prozent mehr geworden. Besonders gut angekommen sind die Festspiele 2009 bei den Chinesen, aus dem Reich der Mitte ist heuer dreimal so viel Publikum gekommen wie je zuvor. Die Stammländer Deutschland, Schweiz, Italien, und Frankreich sind gleichgeblieben; ebenso wie die lokale Anziehungskraft: aus dem benachbarten Bayern und aus Oberösterreich sowie aus Salzburg selbst sind deutlich mehr Zuschauer gekommen. Eingebrochen ist hingegen die Zahl der Firmenkunden, heuer haben die Festspiele um zehn Prozent weniger Karten direkt und en gros an Firmen verkauft.

Künstlerisch berief sich Intendant und Opern-Chef Jürgen Flimm auf Neugier und Mundpropaganda als Basis für den Opernerfolg und sprach von “tief bewegt in intellektuell flauen Zeiten”. Schauspielchef Thomas Oberender freute sich über die Wertedebatte in Zeiten der Krise und über “die Bereitschaft des Publikums, mit auf die Reise zu gehen.” Konzertchef Markus Hinterhäuser sagte, noch stärker als 2007 und 2008 habe das Publikum, “das unendlich weit entfernt ist vom Klischee des dummen, dämlichen Festspielbesuchers, mit Interesse und Enthusiasmus zugehört und die Musik der Moderne als ganz normale Musik wahrgenommen”.

(Quelle: S24)

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