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Salzburger Jugendzentrum seit eineinhalb Jahren auf Herbergssuche

Salzburg-Stadt – Die Jugend der Stadt Salzburg braucht viel Geduld: Seit über eineinhalb Jahren befindet sich das Jugendzentrum “Mark” auf Herbergssuche, angekommen ist es noch nirgends. Vorbericht | S24-Archivvideo 

Zum vierten Mal wird momentan über ein neues Objekt verhandelt, aber es spießt sich am Geld für Adaptierung und höhere Miete. Durchschnittlich 66 Jugendlichen am Tag fehlt damit weiterhin ihr Freiraum mit Dach.

“Viele junge Menschen haben so konkrete Vorstellungen, die sie nirgends verwirklichen können”, umreißt Mark-Geschäftsführer Gerd Pardeller im APA-Gespräch die Kernaufgabe der Einrichtung. “Wir bieten den Raum, wo sie sich treffen, miteinander sprechen, gemeinsam Projekte entwickeln können, oder auch nur einen Kaffee trinken.” Das “Mark” schließt – nein: schloss – in Salzburg eine Lücke zwischen den üblichen Jugendzentren, in denen sich hauptsächlich 14- bis 18-Jährige tummeln, und den großen, inzwischen situierten freien Kultureinrichtungen wie beispielsweise die ARGEkultur. Prominentes Aushängeschild, das seinen Weg im “Mark” begonnen hat, ist die Band “The Merry Poppins”.

Als die seit 1966 existierende Einrichtung mit 1. Oktober 2007 ihr Heim im Stadtteil Aigen räumen musste und noch kein Ersatzquartier gefunden war, wusste niemand, dass dies der Beginn einer langen Odyssee wird. Für das Inventar fand sich ein Lagerraum, in der ARGEkultur Platz für ein Büro. Dieses musste später in die Wohnung der Mark-Geschäftsführerin Miriam Lempert verlegt werden, dann ins Kleine Theater und danach in die frühere Musikschule.

Das eigentliche “Mark” aber blieb ohne Dach. Und als endlich eines gefunden war, begannen die Verhandlungen, Prüfungen der Beamtenschaft, Kostenschätzungen, und, und, und – dann sprang der Vermieter ab. Beim nächsten entdeckten Gebäude kam das Nein von Bürgermeister Heinz Schaden (S): Die Einrichtung müsse wieder im Süden der Stadt angesiedelt sein. Für Haus Nummer 3 meldeten dann die ÖBB plötzlich Eigenbedarf an, und zuletzt wurde das “Mark” auf den Hannak-Gründen fündig. Dieses Objekt ist mit 640 Quadratmetern deutlich größer als die frühere Liegenschaft in Aigen (360 Quadratmeter), die Miete folglich höher – etwa 4.000 statt wie früher 2.500 Euro im Monat, so Lempert. Und: “Die Adaptierung hätte bei allen drei bisher geprüften Häusern rund 300.000 Euro gekostet, hier wird es wahrscheinlich ähnlich sein”, schätzt die Geschäftsführerin.

Relativ rasch kam seitens des Landes die Zusage für die Hälfte der Kosten, berichten die beiden Geschäftsführer. Auf das Ja der Stadt warten sie noch. Dort hatten sich zwar vor der Gemeinderatswahl alle Parteien dafür ausgesprochen, dem “Mark” bald ein neues Dach über dem Kopf zu ermöglichen, doch seither ist nicht viel passiert. Zumindest einen Gesprächstermin gibt es inzwischen: Schaden wird am kommenden Montag mit Vertretern aller Gemeinderatsparteien über das “Mark” verhandeln.

Bürgerliste-Klubobmann Helmut Hüttinger ortet das Problem in erster Linie beim Bürgermeister: “Seine Vorbehalte liegen möglicherweise im Psychologischen”, vermutet der Klubchef. Schaden selbst sagt, er habe “keine persönlichen Ressentiments”, was er aber verlange, sei “ein klares Konzept, das in der Öffentlichkeit vertretbar ist”. Das vorgeschlagene Haus biete eine deutlich größere Fläche. “Es gibt nicht nur das ‘Mark’. Wenn wir so ein großes Unternehmen angehen, gibt es vieles, was damit für die Zukunft geschaffen werden kann, aber da müssen wir mitreden können.”

Jedenfalls läuft die Zeit. “Es muss nun rasch eine Entscheidung geben”, warnt man im Büro der Jugend-Landesrätin Doraja Eberle (V), und ähnlich formuliert es die ÖVP-Jugendsprecherin im Gemeinderat Marlene Wörndl: “Die Stadt muss nicht nur Grünes Licht, sondern vor allem Gas geben.”

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 16.05.2021 um 05:57 auf https://www.salzburg24.at/archiv/salzburger-jugendzentrum-seit-eineinhalb-jahren-auf-herbergssuche-59618818

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