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Salzburger Lebensmittelhandel "kein Preistreiber"

Salzburg – Dass der Konsument im angrenzenden Bayern laut Salzburger Arbeiterkammer um bis zu 40 Prozent günstiger einkaufen kann als in Salzburg, will der Obmann des Gremiums des Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer, Peter Buchmüller, nicht länger auf sich sitzen lassen.

“Bei einer Warenkorb-Erhebung des Lebensmittelhandels im September lag der Preisunterschied bei 5,2 Prozent, Grundnahrungsmittel waren bei Merkur und Eurospar in Salzburg sogar billiger als in Freilassing.” Der AK-Präsident wies die Kritik seitens der WK erneut zurück. “Wenn wir vonseiten der AK als Preistreiber beschimpft werden, möchte ich dem vehement widersprechen.” Die von der Arbeiterkammer genannten 30 bis 40 Prozent bezeichnete Buchmüller am Freitag bei einer Pressekonferenz als “unmögliche Zahlen”, es seien Äpfel mit Birnen verglichen worden, biologische mit nicht-biologischen Waren, gentechnisch hergestellte mit gentechnikfreien Waren. “Was wollen wir in Österreich? Eine Topqualität oder einen Einheitsbrei, den es überall auf der Welt gibt? Die Qualität hat ihren Preis”, meinte der Gremialobmann.

“Wenn wir seriös vergleichen, müssen wir ins Detail gehen und einen seriösen Warenkorb erstellen, mit Grundnahrungsmitteln und gleichen Artikeln”, betonte Buchmüller. Wegen der unterschiedlichen Erhebungsergebnisse forderte er den Salzburger Arbeiterkammerpräsidenten Siegfried Pichler auf, sich bei “solchen heiklen Themen mit Leuten zusammenzusetzen, die sich im Lebensmittelhandel auskennen. Ich habe Pichler vorgeschlagen, einen gemeinsamen Korb zu errichten und die Preise zu vergleichen”.

Warum es überhaupt Preisunterschiede gebe, zum Beispiel bei Frischeprodukten, dafür nannte Buchmüller gleich mehrere Gründe. Die soziale Absicherung der Mitarbeiter sei anders als in Deutschland, wo der Handel anders strukturiert sei. Nur neun Prozent der Arbeitnehmer seien in Deutschland in einem Arbeitsmodell mit 13. und 14. Monatsgehalt verankert, die meisten wären “Arbeiter und nicht Angestellte wie bei uns”. Zudem gebe es in Österreich am Samstag nach 18.30 Uhr einen 50-Prozent-Zuschlag, und man habe auch noch die “Abfertigung alt” am Hals. Die Preisdifferenz ergebe sich auch aus der Größe der bäuerlichen Betriebe. Die größten Preistreiber sind laut Buchmüller die Energieanbieter, bei Kohle, Gas und Erdöl habe es eine Steigerung von 200 Prozent gegeben.

Wenn der Konsument aber ins angrenzende Bayern zum Einkaufen fahren wolle, dann solle er nachrechnen, wie viel ihn die Fahrt koste. “Bei uns sterben in den Orten die Nahversorger, auch dass sollten wir miteinrechnen. Wir sollten in allen Bereichen zusammenhalten und im eigenen Land kaufen”, appellierte der Sprecher des Lebensmittelhandels.

Dass österreichische Lebensmittelhändler im Bilanzjahr 2006/07 eine durchschnittliche Umsatzrendite in der Höhe von 0,3 Prozent erzielten und sich daher “keine goldene Nase” verdienten, haben Auswertungen aus der Bilanzdatenbank der KMU Forschung Austria ergeben. “Die Branche ist von einer schlechten Auftragslage geprägt, die Ertragslage ist unter dem Durchschnitt als im Handel insgesamt. Ursache ist die starke Preiskonkurrenz. Der Handelswareneinsatz macht über 70 Prozent der Betriebsleistung aus”, erläuterte Peter Voithofer, Geschäftsführer von KMU Forschung Austria. In Salzburg liegt der Anteil des Wareneinsatzes um drei Prozentpunkte höher als im Österreich-Schnitt, der Gewinn vor Ertragssteuern beträgt 0,5 Prozent des Umsatzes, bundesweit liege er bei 1,3 Prozent. Die derzeitige Situation sei von einer weiteren Restrukturierung geprägt. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Anzahl der Unternehmen um ein Drittel reduziert, so Voithofer.

Auch wenn die Wirtschaftskammer unrichtige Argumente noch so oft wiederhole, würden sie nicht richtig werden, betonte AK-Präsident Pichler. Die günstigeren Preise trieben die Konsumenten nach Deutschland, nicht die Arbeiterkammer. “Wir werden weiter die Preise beobachten und von den Großkonzernen im Handel die Offenlegung der Kalkulation verlangen, bis sich die Situation” im Sinn der Arbeitnehmer verbessert habe, sagte Pichler.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 22.09.2019 um 10:33 auf https://www.salzburg24.at/archiv/salzburger-lebensmittelhandel-kein-preistreiber-59606851

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