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Salzburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kaprun-Gutachter

Salzburg, Kaprun – Die Salzburger Staatsanwaltschaft ist für die Fortführung des Ermittlungsverfahrens gegen die Gutachter im bereits abgeschlossenen Strafprozess um die Brandkatastrophe in Kaprun vom 11. November 2000 mit 155 Toten zuständig.

Den Fall übernimmt Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat. Sie hat die Anklagebehörde gegen die 16 Beschuldigten im Strafprozess vertreten. Ob gegen die von einem deutschen Sachverständigen angezeigten Gutachter Anklage erhoben wird, steht noch nicht fest.

Die Entscheidung über die Zuständigkeit wurde Ende November getroffen, erklärte am Montag der Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft Linz, Friedrich Hintersteininger, auf Anfrage. Das Justizministerium in Wien hatte im Oktober eine Fortführung des Verfahrens genehmigt. Vorerst war aber noch nicht klar, ob möglicherweise die gesamte Anklagebehörde in Salzburg befangen sei (dann hätte eine andere Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernehmen müssen, Anm.) oder nur Danninger-Soriat.

Die Oberstaatsanwaltschaft hatte eine Befangenheit bezüglich Salzburg verneint. Die Entscheidung über eine Befangenheit der Staatsanwältin oblag dem Salzburger Behördenleiter Marcus Witek. Weder er noch Danninger-Soriat selbst konnten eine Befangenheit erkennen, hieß es.

Die Ermittlungen gegen die vier Gutachter brachte am 16. April 2008 der deutsche Sachverständige Hans-Joachim Keim ins Rollen, der einmal für den deutschen Heizlüfter-Hersteller “Fakir” tätig war. Die Gutachter im Kaprun-Prozess hätten ein vorsätzlich falsches Gutachten erstellt, lautet sein Vorwurf.

Laut Urteil des Strafprozesses am Landesgericht Salzburg vom Februar 2004 soll ein Konstruktions-, Material- und Produktionsmangel des Heizlüfters das Flammeninferno in der Standseilbahn ausgelöst haben. Alle Beschuldigten erhielten einen Freispruch. Gegen die deutsche Heizlüfterfirma wurde ermittelt, die Staatsanwaltschaft Heilbronn konnte aber keine Mängel erkennen. Sie vertrat wie ihre Kollegen in Salzburg die Auffassung, dass das “Haushaltsgerät” für den Einbau in die Bahn nicht geeignet gewesen sei.

Gegen die Gutachter war schon einmal eine Anzeige eingelangt, doch das Justizministerium in Wien entschied im November 2007, das Verfahren nicht wieder aufzunehmen. Bei dem nun fortgeführten Verfahren gehe es nicht um eine Wiederaufnahme des Kaprun-Hauptverfahrens, hatte die Oberstaatsanwaltschaft Linz betont.

Die neuerlichen Vorwürfe werden nun geprüft, derzeit “ist alles noch in Schwebe”, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft Salzburg. “Bisher ist weder ein Einspruch gegen die Fortführung des Verfahrens noch eine schriftliche Stellungnahme der Gutachter eingelangt”, sagte Mediensprecherin Barbara Feichtinger. Die angezeigten Experten sollen im kommenden Jahr zur gerichtlichen Einvernahme geladen werden.

(Quelle: S24)

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