Jetzt Live
Startseite Archiv
Archiv

Salzburgs Studentenheimbetreiber wehren sich gegen Mittelstreichungen

Durch die Streichung der Sanierungsförderungen für Studentenheime wird Wohnen für Studierende erheblich teurer. Das Salzburger Studentenwerk sieht dringenden Handlungsbedarf seitens der Politik.

Die voraussichtliche Streichung des Budgetpostens "Fördermittel für die Generalsanierung von Studentenheimen" durch das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) sieht man beim Salzburger Studentenwerk, Salzburgs größtem Studentenheimbetreiber kritisch. Entweder werden veraltete Heime im desolaten Zustand weitergeführt oder die Kosten werden an die Studenten weitergegeben.

Jahrelang galt, mit dem Hinweis auf die Sanierungsförderung, das Verbot des BMWF Rücklagen zu schaffen - jetzt gibt es eine generelle Streichung. Mag. Georg Leitinger, Geschäftsführer des Salzburger Studentenwerks, Salzburgs größten Studentenheimbetreiber, sieht die Zukunft pessimistisch: "Ohne diese Förderung können Heime nicht mehr saniert werden. Das heißt, sie werden in desolatem Zustand weitergeführt oder müssen ganz zusperren." Die Alternative dazu sei, die Kosten an die Studierenden weiter zugeben. Das bedeute eine Erhöhung der Mieten um 60,00 Euro pro Monat - das hieße im Jahr 600,00 Euro Mehrkosten. "Das ist zugleich ein Schaden für den Universitäts-Standort Österreich. In ganz Europa wird studentisches Wohnen vom Staat gefördert, außer in Österreich," so Leitinger.

Kostengünstiges Wohnen Bestandteil der Bildungsförderung

Studentenheime sind ein wichtiger Bestandteil für die Schaffung der richtigen Rahmenbedingungen für Bildung. "Hier sind Einsparungen völlig verfehlt. Gerade bei den derzeitigen Mietpreisen sind Studentenheime für viele Studierende die einzige Lösung ", erklärt Leitinger. "Besonders ärgert mich, dass die Heimbetreiber nicht rechtzeitig von den geplanten Streichungen informiert wurden. Die Entscheidung fiel im Herbst 2010 während einer Regierungsklausur in Loipersdorf quasi im Geheimen." Da vonseiten des BMWF in der Vergangenheit immer Mittel für Generalsanierungen in Aussicht gestellt wurden, hätten die Heimträger nur beschränkt Rücklagen für Sanierungen geschaffen. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, sozial verträgliche Benützungsentgelte für Studierende anbieten zu können, wurden die Benützungsentgelte, auch auf Anweisung des Ministeriums, so gering als möglich gehalten. Leitinger dazu: "Ich wurde seitens des BMWF im Jahr 1999 darauf hingewiesen, keine Rücklagen für Generalsanierungen einzukalkulieren, da Bundesmittel bereitstünden." Bei vielen, insbesondere bei kleinen Heimen wurden keine Rücklagen geschaffen und somit ist eine zukünftige Sanierung nicht, oder nur durch extreme Anhebung der Benützungsentgelte möglich.

Kosten für Studierende steigen

Dass Studierende in Zukunft erheblich mehr zahlen müssten, zeigt folgende Berechnung: Der Sanierungszuschuss des BMWF ist mit 11.000,00 Euro netto pro Bett gedeckelt. Das Ministerium ging bei der Festlegung dieses Betrags davon aus, ein Drittel der Sanierungskosten zu übernehmen. Die restlichen zwei Drittel wurden entweder durch Eigenmittel der Heimträger oder Finanzierungen mittels Wohnbauförderung oder Darlehen aufgebracht. Wenn aufgrund der starken Beanspruchung der Objekte durch die Studierenden bzw. durch den häufigen Wechsel der Bewohner, das Objekt nach 20 Betriebsjahren saniert werden muss, sind pro Jahr 550,00 Euro netto pro Bett an Rücklagen zu bilden. Dies bedeutet bei einem üblichen Zehnmonatsvertrag eine Anhebung des Benützungsentgeltes von 60,00 Euro brutto pro Monat. Das wären bei einem derzeitigen Einzelzimmerpreis von 300,00 Euro brutto eine Steigerung der Wohnkosten um 20 Prozent. "Eine Monatsmiete für Studierende von 360,00 Euro kann jedoch nicht mehr als sozial verträglich bezeichnet werden", stellt Leitinger fest.

Über das Salzburger Studentenwerk

Das Salzburger Studentenwerk (SSTW) ist mit zehn verwalteten Heimen und knapp 1.600 Heimplätzen Salzburgs größter Studentenheimbetreiber. Es wurde 1960 gegründet, um kostengünstigen Wohnraum für alle Studierenden in Salzburg zur Verfügung zu stellen und sie in ihrer Entwicklung zu fördern. Das SSTW deckt derzeit mit seinen Heimen alle wichtigen akademischen Standorte in Salzburg ab. Zu den verwalteten Heimen zählen das Internationale Kolleg, das Franz von Sales Kolleg, das Europa Kolleg, das Studentenheim Mozart, das Studentenheim Paris Lodron sowie die Studentenappartments Leonardo. Bei den Fachhochschulen betreibt das SSTW das Studentenheim Campus Urstein und das Matador in Kuchl. Am 1. August 2011 wurde das PMU Studentenheim in Lehen eröffnet.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 19.10.2019 um 10:15 auf https://www.salzburg24.at/archiv/salzburgs-studentenheimbetreiber-wehren-sich-gegen-mittelstreichungen-59251759

Kommentare

Mehr zum Thema