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Schüsse auf Gegner: Prozess wegen Mordversuchs vertagt

Nach einer brutalen Auseinandersetzung unter Asylwerbern ist am Dienstag ein 30-jähriger Georgier wegen versuchten Mordes vor einem Salzburger Schwurgericht gestanden. Er soll am 14. November des Vorjahres in St. Johann im Pongau sieben Schüsse auf einen im Auto sitzenden 41-jährigen Tschetschenen abgefeuert haben, nachdem er von diesem durch einen Bauchstich verletzt worden war. Die Kugeln verfehlten den Mann. Der Prozess wurde am Abend auf unbestimmte Zeit vertagt.

Hintergrund der Auseinandersetzung war offenbar ein Streit über Autoreifen. Laut Anklage hatte der Beschuldigte dem Tschetschenen schon am Nachmittag des Novembertages am Telefon gedroht: "Ich durchschieße dich." Kurz vor 23.00 Uhr fuhr er dann zu dessen Wohnung und bedrohte ihn erneut. Schließlich einigten sie sich auf eine Aussprache auf einem Fußballplatz bei der Liechtensteinklamm, zu welcher der Tschetschene ein 27 Zentimeter langes Küchenmesser mitnahm.

An Ort und Stelle kam es dann zu einem Gerangel, bei dem der 41-Jährige dem Angeklagten das Messer in den Bauch rammte, heißt es weiter in der Anklage. Dieser ging daraufhin zurück zu seinem Fahrzeug, wickelte eine Pistole aus, repetierte und schoss siebenmal auf den inzwischen im Auto sitzenden Tschetschenen. Etliche Projektile durchschlugen das Auto und die Windschutzscheibe, die Kugeln verfehlten aber den Mann. Dann flüchtete der Angeklagte, musste sich aber später wegen seiner Stichverletzung in ein Krankenhaus begeben.

Im Gegensatz zum Vorverfahren zeigte sich der Beschuldigte heute teilweise geständig. Er räumte ein, auf das Fahrzeug des vermeintlichen Opfers geschossen zu haben. Allerdings habe sich zu diesem Zeitpunkt niemand im Auto befunden. Er habe mit den Schüssen bloß demonstrieren wollen, dass mit ihm "nicht zu spaßen" sei. Ein Freund des Beschuldigten, der bei der Tat dabei war, bestätigte diese Version.

Der georgische Staatsbürger, der sich seit 2006 als Asylwerber in Österreich aufhält, bekannte sich auch des unbefugten Waffenbesitzes schuldig. Dass er den Tschetschenen schon vor der Tat bedroht haben soll, wie es in der Anklage heißt, wies er aber von sich. "Ich wollte ihn nicht umbringen, ich bin kein Mörder", verteidigte er sich.

Angeklagt wurde der Georgier außerdem wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges, er soll sich zwischen Jänner 2008 und September 2010 mehr als 63.000 Euro aus der Grundversorgung für Asylbewerber erschlichen haben. Der 30-Jährige hatte außerdem unter mehreren Namen in verschiedenen Ländern um Asyl angesucht. Bei einer Hausdurchsuchung fanden Beamte auch griechische Dokumente. Insgesamt soll er zumindest vier verschiedene Identitäten verwendet haben.

Die Verhandlung wurde am Abend vertagt, weil zwei Zeugen nicht zum Prozess erschienen waren und heute neue Beweisanträge gestellt wurden. Ein neuer Termin stand noch nicht fest. Gegen den Tschetschenen wird wegen des Messerstiches gesondert ermittelt. (APA)

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(Quelle: S24)

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