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Schadhafter Salzburger Residenzbrunnen wird saniert

Salzburg-Stadt – Das 350 Jahre alte Barockwerk am Salzburger Residenzplatz ist von Rissen durchzogen. Mitte September beginnen die Sanierungsarbeiten, die bis Juni 2009 abgeschlossen sein sollen und rund 1, 2 Millionen Euro kosten werden.

Die Schäden des 350 Jahre alten Salzburger Residenzbrunnens sind offensichtlich: Verkrusteter Kalk und Schmutz fließen wie dunkle Tränen von den Pferden, verrostete Eisenklammern halten ihre von Sprüngen zerklüfteten Rücken zusammen. Das Becken, die Wasserschalen und die Tritonfigur sind von Rissen durchzogen. In zwei Wochen beginnen die rund 1,2 Millionen teuren Restaurierungsarbeiten. Im Juni 2009 soll der angeblich größte Barockbrunnen Mitteleuropas in neuem Glanz erstrahlen.

Flink klettert Hermann Fuchsberger auf das Brunnenbecken und von dort an steinernen Schlangen, Eidechsen und Schildkröten vorbei fast bis zur Spitze des 14,8 Meter hohen Bauwerkes hinauf. Der Projektleiter der Sanierung zeigt auf den griechischen Meeresgott, der dort oben in anmutiger Pose einen Behälter gegen den Himmel hält. Die Fontäne, die daraus emporsteigt, ist schon abgeschalten. “Triton bricht langsam auseinander. Der Längsriss, der durch die ganze Skulptur geht, misst etwa 1,20 Meter.”

Der aus Untersberger Marmor errichtete Brunnen weist zahlreiche Sprünge auf, an der Außen- und Innenseite haften verkrustete, schwarze Kalk- und Schmutzschichten. “Alles zerbröckelt”, sagt Fuchsberger zur APA. Die muschelförmigen Schüsseln, getragen von Athleten und Delfinen, wären ebenso wie die Pferde schon längst auseinander gebrochen, wenn sie nicht notdürftig von Klammern festgehalten würden. Doch diese stammen aus den 1950er Jahren und sind schon am Abrosten. Sie werden jetzt von rostfreiem Stahl ersetzt, sonst könnten die Skulpturen nach vorne kippen und in die Tiefe stürzen.

Das sind noch lange nicht alle Schäden, die repariert werden müssen. Das Epoxyharz, mit dem das Becken vor 40 Jahren beschichtet wurde, löste sich schon auf und machte den Brunnen undicht. Das Wasser rann auch aus den bis zu einem Zentimeter breiten Fugen – auch deshalb ist der Wasserverbrauch in den letzten Jahren gestiegen. Alte Fugenmassen und Kittungen werden entfernt und durch neue, fachgerechte ersetzt.

Seit Mitte August trübt ein Gerüst die Sicht auf das Barockdenkmal, das von 1656 bis 1661 im Auftrag von Erzbischof Guidobald von Thun erbaut und vermutlich von dem italienischen Künstler Tommaso di Garona entworfen worden ist. Noch nie wurde der Residenzbrunnen so aufwendig saniert wie jetzt. In zwei Wochen verschwindet er hinter einem Kubus aus bunter PVC-Folie, bebildert mit vergrößerten Brunnenfiguren. Der Mantel ist mit einer Wärmedämmung versehen, so dass die bis zu zehn Steinrestauratoren im Winter nicht frieren. Gegen die Nässe von oben schützt ein wasserdichtes Metalldach.

“Zu den Sommerfestspielen 2009 wird das Juwel der Salzburger Altstadt wieder strahlen”, kündigt der Projektkoordinator an, der in Salzburg die “Monumentum GmbH”, ein Büro für Denkmalpflege, leitet. Der frisch geputzte Marmorbrunnen leuchtet dann in einem gelblich, leicht rosa Farbton. Das Ergebnis der Restaurierung soll Zeit seines Lebens halten, lächelt der gelernte Steinmetz, “das ist das Schöne an meiner Arbeit”. Ein kleiner, aber noch nicht sichtbarer Makel wird dennoch bleiben: Der Brunnen ist “minimal schief”, weil der Boden etwas nachgegeben hat, “es ist aber sinnlos, ihn geradezu richten”.

Auftraggeber für die Sanierung des Brunnens – er steht im Eigentum der Republik Österreich – ist die Burghauptmannschaft, die auch den Großteil der Kosten trägt. Den Rest zahlt das Bundesdenkmalamt. Im nächsten Jahr wird der Residenzplatz im Rahmen seiner Neugestaltung mit Flusssteinen ausgelegt.

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