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Scharmützel nach Jura-Abstimmung in der Schweiz

In der Schweizer Stadt Moutier ist es am späten Sonntagnachmittag zu kleineren Scharmützeln zwischen Pro-Bernern und Autonomisten gekommen. Die Polizei musste einschreiten. Die Bewohner des Berner Jura und des Nordwestschweizer Kantons Jura hatten am heutigen Sonntag darüber abgestimmt, ob sie gemeinsam einen neuen Kanton bilden wollen. Letztlich wurde das Projekt abgelehnt.

Die Polizei sperrte den Zugang zum Bahnhofplatz ab, wo sich die Autonomisten versammelt hatten. Auslöser waren pro-bernische Anhänger, die mit ihren Autos hupend am Hotel de la Gare vorbeifuhren, wo sich die pro-jurassischen Anhänger versammelt hatten. Dabei kam es zu mehreren Schlägereien und Holzstücke wurden geworfen. Als Antwort auf die Provokation haben die Separatisten die Durchfahrt für die Autos blockiert. Schließlich intervenierte die Polizei und sperrte die Zugangsstraßen ab.

Die Bevölkerung im Kanton Jura stimmte bei dem Referendum am Sonntag erwartungsgemäß mit einer großen Mehrheit für das Projekt, das in der Gründung eines neuen Kantons zusammen mit dem Berner Jura resultieren soll. Das Berner Jura will allerdings beim Kanton Bern bleiben, knapp 82 Prozent lehnten die Aufnahme von Verhandlungen mit dem Kanton Jura zur Gründung eines neuen Kantons ab. Damit ist das Projekt für einen neuen Westschweizer Kanton vom Tisch.

Experten sahen durch den Wegfall des Berner Jura die Zweisprachigkeit (Deutsch/Französisch) des Kantons akut gefährdet. Mit dem "Nein" könnte die Jura-Frage nun endgültig geklärt sein. Sie beschäftigt die Eidgenossen schon seit Jahrzehnten. Seit 1979 bildet der Norden des Kantons Bern einen eigenen Kanton (Jura), den jüngsten der Schweiz. Dies, nachdem sich die Bürger auf nationaler Ebene im Jahr davor mit deutlicher Zustimmung für seine Schaffung ausgesprochen hatten.

Jedoch wechselte nicht die ganze Region den Kanton: Die südlichen Gebiete des Jura hatten sich bereits zuvor in einem Plebiszit für einen Verbleib im Kanton Bern ausgesprochen, woran sich die jurassische Regierung und separatistische Elemente im Süden bis heute stören. Die Bruchstelle verlief ziemlich genau entlang der Konfessionsgrenzen: Im Norden des überwiegend katholischen Kantons Jura, im Süden der vornehmlich reformierte Berner Jura.

Laut der Zeitung "Der Bund" weist die Jura-Frage Ähnlichkeiten zum Nordirland-Konflikt auf, wenn auch in einer sehr viel weniger von Gewalt gekennzeichneten Version. Wenngleich auch die Separatisten seit den 1960er-Jahren mit immer rabiateren Methoden auf sich aufmerksam machen. Eine Gruppe verübte gar Sprengstoffanschläge.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 26.05.2019 um 05:41 auf https://www.salzburg24.at/archiv/scharmuetzel-nach-jura-abstimmung-in-der-schweiz-44319769

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