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Scheitern in Scheibchen zerhackt: "Glaube Liebe Hoffnung"

Da versucht jemand wirklich, einen Job zu finden. Glaubt an sich selbst und gibt nicht auf. Lügt sogar und betrügt ein wenig, nur um sich über Wasser zu halten. Und um alles zurückzuzahlen. Aber es soll nicht sein. 

“Glaube Liebe Hoffnung” von Ödön von Horvath. Von den Nazis verbotenes, weil zeitlos humanistisches Menschen-Drama pur mit Selbstmord am Ende im Schauspielhaus Salzburg. Gut gemacht und ästhetisch anspruchsvoll. Und doch nur in einzelnen Momenten berührend. Am Autor lag das nicht. Regisseurin Mona Kraushaar hat das Drama in eine Vielzahl einzelner Sequenzen zerlegt und damit das Gefühl von Scheitern in Scheibchen zerhackt.

Das Beil, mit dem Kraushaar scheinbar unendlich oft ins Stück geschlagen hat, ist die Schwarzblende. Alle zwei, drei Sätze ging das Licht aus, in völliger Dunkelheit formierten sich die Schauspieler neu, und das Stück hüpfte von Mini-Szene zu Mini-Szene. Kraushaar fokussierte damit die Aufmerksamkeit auf Schlüsselsätze und wenige, zentrale Persönlichkeitsmerkmale. Rollen waren es daher und Stereotype, die der armen, tapferen Elisabeth das Leben schwer machten. Richtige Menschen eher nicht. Kühl und nüchtern wurden die Stationen unerfüllter Hoffnungen vorgetragen. Manchmal kokett, oft hinterhältig, spießig, verbohrt und selten leidenschaftlich. Und dramatisch schon gar nicht. Verzweiflung blieb nur ein Wort.

Das ist der Preis, den Kraushaar mit ihrem Konzept bezahlt hat. Aber Lohn gab es auch: Keine Geschwätzigkeit, kein Geplapper, kompakte, geradlinige Dramaturgie, in der das emotionale Füllmaterial kohlrabenschwarz ausgeblendet wurde. Karge Reduktion also in deklamierender Sprache. Stimmung und Atmosphäre, Zwischentöne und Nuancen allerdings taten sich damit schwer. Auch Hauptdarstellerin Sarah Jeanne Babits als Elisabeth ist es schwer gefallen, Persönlichkeit zu entwickeln.

An der Realität zerbrechen ist gar nicht so einfach. Zumindest auf der Bühne. Babits witzig-verspielte Ansätze funktionierten, hübsch und zerbrechlich ist sie auch. Aber am Drama scheiterte sie glattweg. Selten hat das unverdiente Zerbrechen an Gesellschaft und Leben, das verzweifelte Untergehen, so unberührt gelassen. Nur manchmal, etwa als sie vom intriganten Oberinspektor bei ihrem Schupo Alfons angeschwärzt wird und damit den Glauben an die Liebe und damit die Hoffnung verliert, kann sie einem leidtun. Ein bisschen zumindest.

Die meisten anderen Schauspieler haben mehr Profil entwickeln können. Marcus Marotte zum Beispiel, der für den spießigen und weinerlichen Präparator wie geschaffen scheint. Auch Volker Wahl in seiner kalten Bösartigkeit oder Ute Hamm und Georg Reiter als Frau und Herr Amtsgerichtsrat. Florian Eisner gab einen ebenso guten Schupo Alfons wie Oliver Hildebrandt einen guten Baron gab. Auch Constanze Passin, Maximilian Pfnür und Philip Leenders in kleineren Rollen bestätigten die mannschaftliche Geschlossenheit im Schauspielhaus Salzburg, dem trotz einiger Einwände ein insgesamt bemerkenswerter, weil eigenständiger Theaterabend glückte.

(Von Christoph Lindenbauer/APA)

Ödön von Horvath, “Glaube Liebe Hoffnung”, Schauspielhaus Salzburg, bis zum 4. April steht das Stück noch 24 Mal auf dem Spielplan. Regie: Mona Kraushaar, Bühne: Katrin Kersten, Kostüme: Nini Selzam. Mit Sarah Jeanne Babits, Florian Eisner, Marcus Marotte, Volker Wahl, Oliver Hildebrandt, Constanze Passin, Ute Hamm, Georg Reiter und Philip Leenders. Schauspielhaus Salzburg: 0662 / 8085-0, http://www.schauspielhaus-salzburg.at. 

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 14.05.2021 um 12:00 auf https://www.salzburg24.at/archiv/scheitern-in-scheibchen-zerhackt-glaube-liebe-hoffnung-59613619

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