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Schönborn-Bilanz zu einem Jahr Franziskus

Schönborn ortet eine offenere Diskussionskultur Salzburg24
Schönborn ortet eine offenere Diskussionskultur

Eine freudige Bilanz hat Kardinal Schönborn ein Jahr nach dem Amtsantritt von Papst Franziskus gezogen. So sieht der Wiener Erzbischof Reformen auf dem Weg und ortet eine offenere Diskussionskultur in der katholischen Kirche. In der heimischen Bischofskonferenz sei das Klima schon seit Jahren besser, sagte er am Dienstag - nicht zuletzt aus personellen Gründen.

Es sei der "Schock der Authentizität", den Franziskus hervorgerufen habe, meinte Schönborn, der selbst bei der Wahl des neuen Papstes beim Konklave vor einem Jahr beteiligt war. Franziskus habe "ganz klare Zeichen eines veränderten Stils vorgelebt und praktiziert", mit Traditionen gebrochen, "die man für fast selbstverständlich hielt". Durch den Verzicht auf die Residenz im apostolischen Palast habe der Papst etwa einen direkteren Zugang zu den Menschen.

Aber auch die Schritte hin zu einer Kurienreform würdigte Schönborn. "Papst Franziskus ist auch ein Mann der Entscheidungen", zeigte sich der Kardinal abermals beeindruckt. "Er lässt sich ausgiebig beraten, er hört viel zu und dann entscheidet er klar und sehr mutig." Die Kurienreform geht laut dem Wiener Erzbischof zudem "sehr zügig voran".

Auch für ein offeneres Gesprächsklima habe Franziskus gesorgt, betonte Schönborn. Nicht zuletzt durch die weltweite Umfrage in den Diözesen zu Ehe und Familie. "Das wirkt sich dahin gehend aus, dass kontroverser und freier miteinander geredet wird", berichtete der Kardinal. Unter den österreichischen Bischöfen sei dies übrigens schon länger der Fall, da "einige Konfliktpotenziale, die auch personalisiert waren, nicht mehr aktiv" seien.

Abermals weit weniger glücklich zeigte sich Schönborn über die Pfarrer-Initiative, die von ihrem "Aufruf zum Ungehorsam" nicht abrücken will."Ich halte nach wie vor das Wort 'Ungehorsam' für ein verfehltes Wort und ich werde dabei bleiben", bekräftigte er. Das Gespräch mit der Initiative rund um Helmut Schüller lehnt er aber weiterhin nicht ab. Zudem werde ohnehin in mehreren Gremien, etwa dem Wiener Priesterrat, wo auch Schüller vertreten ist, darüber gesprochen.

Die Pfarrer-Initiative zog unterdessen eine gemischte Bilanz. Sie lobte Franziskus als Reformpapst, der Türen öffne und deutliche Zeichen für einen Reformaufbruch setze. Die Bischöfe würden diese Freiräume aber nicht nutzen, kritisierte Schüller, der Sprecher der Initiative. "Wir sehen einen Papst, der offensichtlich Freiräume öffnen will, aber keine Bischöfe, die da hineinstoßen wollen", so Schüller.

Die Pfarrer-Initiative wehrt sich gegen die Zusammenlegung von Pfarrgemeinden. Statt diese zu "anonymen Großclustern" zusammenzuschließen, müsse die Kirche das Priesteramt für verheiratete Männer und für Frauen öffnen und "den sogenannten Laien" mehr Verantwortung zutrauen, forderte Schüller. Die "Einfallslosigkeit" der Bischöfe passe nicht zu einem Papst, der "fast nichts so stark predigt wie die Nähe zu den Menschen". An ihrem Appell zum Ungehorsam hält die Pfarrerinitiative nach wie vor fest, dieser gelte "einem System, das sich nicht geändert hat".

Peter Paul Kaspar, Rektor der Ursulinenkirche Linz, freute sich über einen "völlig anderen Papst als Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte davor". Man befinde sich "möglicherweise am Beginn einer neuen Kirchenära", sagte er am Dienstag. "Wir haben einen sehr anregenden Papst, der die Monarchie in der Kirche offensichtlich beenden will." Franziskus sehe sich "nicht als Diktatur", sondern als Bruder, der die Kirche ermutige, sich selbst zu reformieren, so Kaspar. "Er möchte eine dienende Kirche der Armen und er lebt das vor."

(Quelle: S24)

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