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Serben in Kroatien - Angst vor Rückfall in die 90er Jahre

In Kroatien lebende Serben fürchten sich vor neuen Konflikten. APA/EPA/Suki
In Kroatien lebende Serben fürchten sich vor neuen Konflikten.

Aussagen von kroatischen Politikern und Sportlern gegen Serben, die als herabmindernd und hetzerisch eingestuft wurden, haben in den vergangenen Tagen die kroatische Tagespolitik beschäftigt.

Ein tätlicher Übergriff auf serbisch-orthodoxe Theologiestudenten am vergangenen Wochenende durch kroatische Jugendliche in Dalmatien sorgte schließlich für einen großen Aufschrei in Medien und bei Politikern und mündete in eine Medienkritik des kroatischen Ministerpräsidenten Zoran Milanovic. Kommentatoren sahen Kroatien in die 90er Jahre zurückkehren.

Empörung über Äußerungen

Ausgelöst hatte die Debatte Ruza Tomasic, die Vorsitzende der Rechtspartei (HSP AS) im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (HRT). Sie bezeichnete dort den Vorsitzenden der serbischen Partei HDSSB, Vojislav Stanimirovic, als "Tschetnik". Außerdem sagte sie, dass Kroatien nur den Kroaten gehöre und alle anderen nur Gäste seien. Dass die Aussage von der Redaktion einfach so hingenommen wurde, nahm Premier Milanovic HRT übel. Für Empörung sorgte auch Zdravko Mamic, der Chef des Fußballklubs Dinamo Zagreb, der Sportminister Zeljko Jovanovic einen Serben nannte, was offensichtlich als Beschimpfung gemeint war.

Rechte Parteien provozieren

Die Gewalt gegen die serbischen Seminaristen sah der Premier als Folge solcher Aussagen wie jener von Tomasic. "Hass und diese Art von Angst lassen wir nicht zu", sagte Milanovic auf einer Pressekonferenz am Montag. Zugleich nahm er auch die rechtskonservative Oppositionspartei HDZ in die Verantwortung. Auch Staatspräsident Ivo Josipovic hatte die Aussagen von Tomasic scharf verurteilt: Denjenigen, die zwischenethnische Konflikte und Gewalt provozieren, müsse man entschieden "Nein" sagen, und die verfassungsrechtlichen Grundfesten erhalten, so Josipovic. Milorad Pupovac, Vorsitzender des Serbischen Rats in Kroatien (SNV), sagte zu dem Angriff auf die Seminaristen, dass rechte Parteien wegen fehlender Ideen so zu mobilisieren versuchten, wie das in den 90er Jahren der Fall gewesen sei. Damit schädigten sie die Beziehungen zwischen den Volksgruppen und die verfassungsrechtliche Ordnung. Pupovac warnte auch im Parlament am Dienstag vor gefährlichen Tendenzen und kam mit einer gelben Schleife, auf der "Gast" stand, ans Rednerpult.

EU-Beitritt am 1. Juli

Tomasic steht auf der Kandidatenliste der HDZ für die Wahl der kroatischen Europaparlamentarier. Sie gilt als Gegnerin der EU, der Kroatien am 1. Juli beitritt. Sie selbst sagt, sie sei "eurorealistisch" und ruderte zurück. Stanimirovic sei kein "Tschetnik", aber "bei den Tschetniks" (serbische Milizen, Anm.) gewesen. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag untermauerte sie ihre Behauptungen mit Aussagen von Zeugen aus dem Kroatien-Krieg (1991-95), die Stanimirovic belastet hatten. So soll er bestimmt haben, wer aus dem Krankenhaus Vukovar auf die nahe gelegene Schweinefarm Ovcara gebracht werden sollte, wo 1991 mehrere hundert Kroaten von serbischen Truppen ermordet wurden. Die kroatische Staatsanwaltschaft (DORH) teilte mit, dass gegen Stanimirovic keine Verfahren laufen.

Mängel bei Berichterstattung

Die Vorfälle hatten auch für das Fernsehen Konsequenzen. Milanovic hatte auf der Pressekonferenz am Montag gesagt, alles, was er tun könne, um tendenziöser Berichterstattung entgegenzuwirken, sei, öffentlich dagegen zu sprechen. Auch Journalisten hatten Milanovic recht gegeben und auf Mängel in einzelnen Medienhäusern und eine zunehmende "Tabloidisierung" hingewiesen. HRT reagierte mit einer Aussendung: Der Premier greife in die Medienfreiheit ein, hieß es entrüstet. Drei Redakteure der Nachrichtensendung, in der Tomasic zu Gast war, mussten allerdings gehen. Die Jugendlichen aus Dalmatien, die die serbisch-orthodoxen Theologiestudenten angriffen, wurden wegen Verbrechens aus Hass auf freiem Fuß angezeigt. (APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 22.10.2019 um 11:36 auf https://www.salzburg24.at/archiv/serben-in-kroatien-angst-vor-rueckfall-in-die-90er-jahre-42713545

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