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Sotschi hautnah - Moderator Lukas Schweighofer im Interview

Moderator Lukas Schweighofer erlebte die Olympischen Spiele in Sotschi hautnah. Im Salzburg24-Exklusivinterview erzählt er von langen Partynächten, Medaillenfeiern und seiner Begegnung mit Vladimir Putin.

Die Olympischen Winterspiele in Sotschi sind zu Ende. Helden wurden geboren, Siege gefeiert und Skandale aufgedeckt. Millionen Österreicher fieberten vor den TV-Schirmen mit, drückten unseren Rot-Weiß-Roten Sportlern die Daumen und lachten über skurrile Fotos aus dem Olympischen Dorf. Moderator Lukas Schweighofer erlebte all das hautnah. Vom ÖOC gebucht, moderierte er drei Wochen lang jeden Abend die Feierlichkeiten im „Austria Tirol Haus", in Sotschi. Jener Treffpunkt wo unsere Medaillenhelden empfangen wurden und das Hockey-Team die Nacht zum Tag machte. Nach seiner Rückkehr schaute der sympathische Wahl-Salzburger bei uns in der Salzburg24-Redaktion vorbei. Im Gespräch mit Sportchef Oliver Klamminger plauderte der 27-Jährige aus dem Nähkästchen.

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„Hab ein mulmiges Gefühl gehabt"

OK: Lukas, wir haben hier in Österreich während der Spiele in Sotschi viel über die Sicherheitsvorkehrungen usw. gehört und gesehen. Wie war's wirklich bzw. hattest du auch Angst, dorthin zu fliegen?

Lukas: Ich muss sagen, bevor ich geflogen bin, hab ich schon ein mulmiges Gefühl gehabt – auch durch die Vorberichterstattung und Anschläge davor. Vor Ort hab ich aber an keinem Tag der drei Wochen nur irgendwelche Bedenken gehabt. Wobei, doch! An den ersten zwei Tagen. Wenn jemand an deiner Zimmertür klopft, obwohl du mit niemanden rechnest. Da denkst du: Jetzt ist es aus. (lacht) Dann war's aber doch nur jemand, der schauen wollte ob das Wasser rinnt. Außerdem gab's unzählige Sicherheitsschleusen und Kontrollen.

OK: Zu Beginn der Spiele berichteten Journalisten via Twitter und Facebook über die wahnsinnigsten Baumängel in den Hotels. Was hast du Kurioses erlebt?

Lukas: Soweit ich das mitbekommen habe, hat es schon Dinge gegeben, die nicht unseren Standards entsprechen. Bei einem Kollegen ist zum Beispiel das Wasser nicht aus dem Wasserhahn gekommen, sondern aus der Glühbirne an der Decke. Bei mir ist „nur" das Klo herausgebrochen – das war aber innerhalb eines halben Tages wieder repariert. Und zwei Tage lang hatten wir nur heißes Wasser, aber damit kann man leben. Bei mir waren nur „Kinderkrankheiten", die entstehen wenn dort alles neu gebaut wird. Bei uns Journalisten ist sogar das Gerücht aufgekommen, dass die Fotos im Internet gar nicht aus Sotschi sind.

OK: Bis auf ein paar Ausflüge warst du drei Wochen lang durchgehend im Austria Tirol Haus beschäftigt. Wir kennen nur die TV-Bilder der Feierlichkeiten. Was war da sonst noch los?

Lukas: In dem zweistöckigen Haus war Platz für österreichische Sportler und Betreuer, deren Familien und es war Treffpunkt für Journalisten und Unternehmer. Bei uns waren alle Medaillengewinner – z.B. Die japanischen Skispringer, Ted Ligety und Bode Miller, die deutschen Rodler, ... – zu Gast und haben gefeiert. Das ist uns eigentlich sehr gut gelungen. Auch weil die anderen Nationen so etwas nicht haben. Im Vergleich zu uns war das Deutschlandhaus ein Studentenheim. Österreich hat sich dabei sehr gut verkauft.

„Wenn Putin kommt, steht die Welt still"

OK: Ein Highlight im Austria Tirol Haus war sicherlich auch der Besuch von Russlands Staatsoberhaupt Vladimir Putin?

Lukas: Das war sicherlich ein Moment, der mir in Erinnerung bleibt, einfach weil's ein Erlebnis war, das zu sehen. Es hat damit begonnen, dass zehn Securitys das ganze Haus durchgecheckt und uns instruiert haben, keine zu hektischen Bewegungen zu machen. Denn am Hang und Haus gegenüber waren Scharfschützen positioniert. Da hat man das erste Mal gemerkt – (lacht) das ist kein normaler Gast. Nach der Hausbesichtigung hat er sich das Mikrofon geschnappt und uns zu Gold in der Abfahrt gratuliert. Er hat eigentlich immer gelacht und ist sehr freundlich rübergekommen.

Vladimir Putin zu Gast im Austria Tirol Haus - privat/Lukas Schweighofer Salzburg24
Vladimir Putin zu Gast im Austria Tirol Haus - privat/Lukas Schweighofer
Vladimir Putin zu Gast im Austria Tirol Haus - privat/Lukas Schweighofer

Natürlich macht jeder Fotos von ihm und will sie auf Facebook stellen und man merkt ... auf einmal geht kein Handynetz mehr, Internet ist tot, Facebook, Twitter sind ausgefallen. Das war wieder eine andere Dimension, wo du denkst „Hoppala, die haben die Macht, dass sie die Welt für kurze Zeit still halten". Und nach 20 Minuten war die Putin-Show wieder vorbei.

Wilde Party-Nächte

OK: Aber ihr habt ja nicht nur Putin, sondern auch unsere österreichischen Athleten gefeiert. Welche Medaillen-Feier war denn die beste?

Lukas: In Erinnerung bleibt mir sicher die Feier von Matthias Mayer. Da war so eine besondere Stimmung der Zusammengehörigkeit – alle Österreicher waren stolz. Die Feier war freundlich, fröhlich und ausgemacht hat das nur er – als Person. Weil der Typ den ganzen Abend so natürlich uns sympathisch rübergekommen ist. Der ist weder hochnäsig, noch arrogant. Hat sich um Mitternacht auf die Bar gestellt und gesagt: „Ich gfrei mi, dass do seid's. Aber mir ist wichtig, dass nicht ich gefeiert werde, sondern meine Trainer."

... das und die Eishockey-Spieler. (lacht)

OK: Von denen hat man ja viel gehört. Anscheinend haben die gewusst wie man feiert?

Lukas: Stimmt. Das ist mir eigentlich als Negativbeispiel aufgefallen. Die waren schon eine Woche vor ihrem ersten Auftritt da und haben die ersten Abende schon regelmäßig Alkohol konsumiert. Zwar in Maßen, aber ich hab mir gedacht, dass ist interessant zu sehen, dass Weltklassesportler eine Woche vor dem Wettkampf regelmäßig Schnaps trinken am Abend. Aber sie haben dann in ihrer Gruppe das gezeigt, was sie drauf haben. Und dann war dieser Abend ...! Ich habe viel darüber gelesen und muss sagen, es stimmt eigentlich alles. Sie waren bis drei Uhr (früh) bei uns und waren da schon nicht mehr ... (zögert) Interview-fähig. Und das vor einem Spiel in dem es noch um etwas geht. Das ist für mich als Sportler unverständlich und nicht verantwortungsbewusst. Einen sportlichen Erfolg soll man feiern – so wie Mayer – da wird keiner was sagen. Wenn sie es nach dem letzten Spiel gemacht hätten, hätte auch niemand was gesagt. Es war einfach der Zeitpunkt nicht so klug gewählt.

Dürr beim Doping erwischt: „Es war ernüchternd"

OK: Apropos nicht klug gewählt – Wie hast du den Doping-Skandal um Langläufer Johannes Dürr miterlebt?

Lukas: Das war am Samstag. Das war eigentlich einer der besten Tage, weil wir fünf Medaillen gemacht haben. Es war eigentlich der perfekte Abschluss aus österreichischer und sportlicher Sicht. Nach der Feier ist jeder ins Bett und am nächsten Tag ist plötzlich die Meldung gekommen: Der Dürr ist gedopt! Er war dann Sonntagvormittag schon am Flughafen und ist – wie berichtet – aus dem olympischen Dorf ausgeschlossen worden. Für alle, die da waren war es das Glück, dass es am letzten Tag war – weil kaum mehr jemand da war. Man hat es auch nur am Rande mitbekommen, weil nur noch der Langlauf-Bewerb war. Es war ernüchternd. Ich war froh, dass die Spiele da vorbei waren. Denn sonst hätte das viel weitere Kreise gezogen und auf die Stimmung gedrückt.

OK: Wie viele Geschichten hast du erlebt, über die du eigentlich gar nicht sprechen darfst/dürftest?

Lukas: Wir wissen alle, wie wir Österreicher feiern können und, dass da nicht alles für die Kameras geeignet ist, ist auch klar. Auf jeden Fall GOLD was das feiern betrifft. Die geplante Sperrzeit (1 Uhr nachts) wurde an keinem Tag eingehalten.

Tolles Wetter und perfekte Sportstätten, prägten Sotchi 2014. - privat/Lukas Schweighofer Salzburg24
Tolles Wetter und perfekte Sportstätten, prägten Sotchi 2014. - privat/Lukas Schweighofer
Tolles Wetter und perfekte Sportstätten, prägten Sotschi 2014. - privat/Lukas Schweighofer

OK: Dein persönliches Fazit, nach drei Wochen Olympische Spiele in Sotschi?

Lukas: Die Stimmung in Sotschi war gut und freundlich, auch weil das Wetter gepasst hat. Die Russen waren sehr freundlich und bemüht. Auch die vielen Freiwilligen, auch wenn sie außer „Welcome to Sotschi" nicht englisch sprechen können. Was die Sportstätten betrifft hätten wir (in Salzburg, Anm.) das maximal gleich gut machen können. Man hat gemerkt, dass da sehr viel Geld investiert worden ist. Sportlich ist alles super abgelaufen, das sagen auch die Athleten.

Unterm Strich sehr positiv, weil sich die Ängste nicht bewahrheitet haben. Und weil man den „olympic spirit" – den eigentlichen Grundgedanken – auch gespürt hat.

OK: Lukas, danke für das Gespräch.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 01.03.2021 um 08:55 auf https://www.salzburg24.at/archiv/sotschi-hautnah-moderator-lukas-schweighofer-im-interview-44873002

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