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Spiel der Woche Lost-Club-Special 1. SC Aigen

Ein recht kurzes Dasein fristete der 1. SC Aigen im Salzburger Unterhaus. Nach nicht einmal drei Spiel-Saisonen war für das ebenso ehrgeizige wie gewagte Experiment Schluss.&nbsp&nbspBilanz Aigen SC [.pdf – 68KB]

Erster Sport Club AigenFarben: unbekanntDachverband: (vermutlich) ASKÖ05.05.1972: gegründet als 1. SC Aigen, Mai 1975: Rückzug vom Spielbetrieb und VereinsauflösungSportanlage: 1972 bis 1975 Sportplatz Aigen (Graf-Revertera-Allee) Erfolge: –

Wer sich eingehend mit dem Salzburg Fußball-Unterhaus beschäftigt, dem fällt auf, dass Anfang der siebziger Jahre ein SC Aigen in den Tabellen der 3. Klasse A auftaucht. Bewohner aus dem Stadtteil erinnern sich an die Existenz eines Fußballplatzes abseits der Revertera-Allee, aber kaum an den Sportclub, der in den Annalen abwechselnd als SC und als SK geführt wird. Eine Spurensuche fördert schließlich doch die eine oder andere brauchbare Information zu Tage. Die Geschichte des 1. SC Aigen ist die Geschichte eines Vereins mit ehrgeizigen Zielen, die nie erreicht wurden.

Gegründet wurde der Verein im Mai 1972 im Schlossrestaurant Aigen. Initiator des Projekts war Ferdinand Huber, der als Chef eines Installationsunternehmens für den finanziellen Background sorgte. Franz Karl Revertera stellte eine Wiese für die Errichtung des Fußballplatzes zur Verfügung und wurde bereits in der Gründungsversammlung zum Ehrenpräsidenten ernannt. Geld dürfte zu Beginn keine Rolle gespielt haben, dafür war der sportliche Ehrgeiz groß. Man wollte möglichst rasch nach oben und verpflichtete einige interessante Spieler. Zwischen den Pfosten stand der ehemalige Austria-Salzburg-Goalie Herbert Zickbauer, vom SAK 1914 kam Norbert Streili und neben anderen wurde das Nachwuchstalent Alfred Brudl vom 1.SSK 1919 verpflichtet.

Der Einstig in die Meisterschaft gestaltete sich aber ziemlich ernüchternd. Zur Premiere des 1.SC Aigen in der 3. Klasse A stand gleich einmal das Derby gegen den ASK Elsbethen-Glasenbach an, das mit 1:5 verloren ging. Der überraschende 1:0 Sieg gegen den SC Golling eine Woche später blieb für längere Zeit der einzige volle Erfolg. Mit nur drei Siegen und zwei Unentschieden beendete der 1.SC Aigen seine erste Saison auf dem letzten Platz. In den Salzburger Zeitungen wurde dem Newcomer für seine Leistungen zwar wiederholt Respekt gezollt, der Grund für den Fehlstart wurde im Fehlen eines Führungsspielers gesehen.

Was dem 1.SC Aigen wirklich fehlte war eine entsprechende Infrastruktur. Als Umkleidekabine stand eine 15 Quadratmeter große Holzhütte zur Verfügung, die von den beiden Fußballmannschaften gemeinsam mit den Schiedsrichtern benützt werden musste. Waschen konnte man sich in einem nahe gelegenen Bach. Diese katastrophalen Zustände veranlassten das Schiedsrichterkollegium im Herbst 1974 zu einem Protestbrief an den SFV, in dem die Behebung dieser „Übelstände” gefordert wurde.

Was in Aigen ebenfalls fehlte, war eine entsprechende Spieler-Basis. Der 1.SC Aigen verzichtete sowohl auf eine Reservemannschaft als auch auf Jugendarbeit, was sich ab 1974 auch auf die Resultate auswirkte. Zwar konnten die Aigner im Verlauf der Herbstsaison bis ins Tabellenmittelfeld der 3. Klasse A vorstoßen, in der Rückrunde gingen jedoch alle Spiele verloren und es blieb erneut nur der letzte Tabellenplatz.

In der Folgesaison hatte der SC bereits massiv mit Personalproblemen zu kämpfen und konnte wiederholt nur mit Mühe 11 Spieler für die Kampfmannschaft stellen. Bei Heimspielen behalf man sich damit, den Anpfiff zu verzögern, um in der Nachbarschaft nach verfügbaren Spielern zu suchen. Der Zerfall des Teams war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Die letzten Punkte erkämpfte der 1.SC Aigen im Derby gegen Elsbethen und gegen den SSC Großgmain, darüber hinaus gab ausschließlich Niederlagen. Mit ein Grund für die teils recht empfindlichen Klatschen war zunehmend die mangelnde Disziplin. Mehr als einmal wurden Aigner Spieler vorzeitig vom Platz gewiesen, zumeist wegen Kritik und Insultierung der Schiedsrichter.

Das vorzeitig Aus kam im Frühjahr 1975 als der 1.SC Aigen zu einem Heimspiel gegen den SK Kasern nicht mehr antreten konnte, weil nicht weniger als acht Spieler des Vereins gesperrt und etliche andere verletzt waren. Wegen des eklatanten Spielermangels trat der Verein auch zu den verbliebenen Meisterschaftsspielen nicht mehr an und löste sich in der Folge auf.

Das durchaus reizvolle Projekt war nach nur drei Jahren bereits Geschichte. Ob für sein Scheitern nun finanzielle Gründe ausschlaggebend waren, mangelnde Professionalität, eine fehlende Infrastruktur oder schlicht die Verkettung widriger Umstände mag dahingestellt bleiben. Eines zeigt die kurze Geschichte des 1.SC Aigen aber deutlich: mit Enthusiasmus alleine lässt sich auch kein unterklassiger Verein führen …

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 08.05.2021 um 06:32 auf https://www.salzburg24.at/archiv/spiel-der-woche-lost-club-special-1-sc-aigen-59611537

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