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Spiel der Woche Lost-Club-Special FG Salzburg

In den letzten Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs kam es zur Gründung eines der bizarrsten Gebilde in der Geschichte des Salzburger Fußballs: Die FG Salzburg.  Bilanz FG Salzburg [.pdf – 30KB]

Fußball Gemeinschaft SalzburgFarben: – (es gab keine Vereinsfarben im eigentlichen Sinn, für die Spiele wurden abwechselnd die Dressen der drei Vereine benutzt)Dachverband: –06.04.1943: gegründet durch den Zusammenschluss der Kampfmannschaften von SAK 1914, Austria Salzburg und 1.SSK 1919, April 1945: AuflösungSportanlage: SAK-Platz Nonntal oder Austria-Platz LehenErfolge: –von-Tschammer-Pokal: 2 Teilnahmen

Während im Nachwuchs trotz des Zweiten Weltkriegs noch ein reger Spielbetrieb herrschte und in den sogenannten Bann-, HJ- und Pimpf-Meisterschaften um Punkte gekämpft wurde, konnte die Meisterschaft der Kampfmannschaften aus Spielermangel ab Winter 1942/43 nicht mehr fortgesetzt werden, da zahllose Fußballer als Soldaten an die Front abkommandiert wurden. Für das Nazi-Regime war es jedoch von enormer Bedeutung im Sport den Anschein von Normalität zu bewahren. Damit also eine Salzburger Mannschaft Meisterschaft spielen konnte, wurde „unter Ausschaltung aller persönlichen Einstellung und unter vorübergehenden Verzicht auf traditionelle Namen” (Salzburger Zeitung) aus den verbliebenen Spielern der Kampfmannschaften von SAK, SSK und Austria im April 1943 die FG Salzburg gebildet (im Nachwuchs blieben alle drei Vereine weiterhin getrennt und nahmen unter den alten Namen teil).

Die Gründungsversammlung des neuen Vereins fand am 6. April statt, die Leitung der FG übernahm Tyrai vom SAK. Das erste Spiel fand bereits zwei Tage vorher gegen die Reichsbahn SG Salzburg statt und wurde von der FG durch zwei Tore von Schmiedinger und drei Aukenthaler-Tore mit 5:1 gewonnen. Bis zum Sommer 1943 beschränkte sich der Spielbetrieb auf Freundschaftsspiele gegen Mannschaften aus Oberösterreich und Oberbayern sowie gegen die beiden anderen noch existierenden Mannschaften im Gau Salzburg (Reichsbahn SG und SS-Sportgemeinschaft). Etwas überraschend verlautbarte die FG im Juni 1943, dass sie an den Aufstiegsspielen zur Gauliga teilnehmen würde. In der Gruppe B hatten die Salzburger gegen Amateure Steyr und Vorwärts Favoriten allerdings nicht den Funken einer Chance und verloren drei von vier Spielen klar. Nur im Heimspiel gegen Favoriten war man zumindest ebenbürtig und verlor vor 1.500 Zuschauern am SAK-Platz äußerst knapp mit 1:2.

Im Herbst 1943 stieg die FG als einziger Salzburger Verein (RSG und SS-SG verzichteten) in die Liga Oberdonau-Salzburg ein. In dieser schnitt die FG trotz immer gravierender werdenden Spielermangels nicht schlecht ab und wurde unter 11 Mannschaften immerhin Achter. Zwei Spiele erregten dabei größere Aufmerksamkeit: Im April 1944 gab der Schiedsrichter im Spiel gegen Adlerhorst Wels einen Treffer, bei dem die Salzburg glaubten, dass er wegen Abseits nicht zu geben gewesen wäre. Dadurch kam es zu Streitereien, die schließlich zum Abbruch in der 80. Minute führten. Das Spiel gegen die Reichsbahn SG Linz am 21. Mai 1944 artete auf tiefen und morastigen Boden zu einer 90-minütigen Härteschlacht aus, die von zahllosen Massenschlägereien unterbrochen war, die der Schiedsrichter allerdings allesamt ungesühnt lies und dabei keinen einzigen Spieler vom Platz stellte.

Kaum bekannt ist, dass neben der Ligameisterschaft 1943/44 auch eine Salzburger Meisterschaft ausgetragen wurde, bei der die FG auf die SS-Sportgemeinschaft traf. Das Hinspiel gewann die FG mit 5:3, das Rückspiel verlor sie mit 3:5, wodurch ein Entscheidungsspiel notwendig wurde, dessen Endresultat allerdings unbekannt ist.

Die Teilnahmen am von-Tschammer-Pokal waren weniger erfolgreich. Der von-Tschammer-Pokal war der großdeutsche Fußball-Cup-Bewerb, benannt nach dem Leiter des Reichsamts für Fußball Hans von Tschammer und Osten. Dabei durften alle (!!!) Vereine des Großdeutschen Reiches teilnehmen, die dann in unzähligen Vor-, Qualifikations-, Zwischen-, und Hauptrunden den Cupsieger ermittelten. 1943 schied die FG bereits im ersten Spiel gegen Vorwärts Steyr mit einer 0:1-Heimniederlage aus. 1944 wurde der FG zunächst Bayern München zugelost, nach einer neuerlichen Auslosung wäre der Villacher SV der Erstrundengegner gewesen, allerdings wurde der Bewerb nur 2 Tage vor dem angesetzten Spieltermin kriegsbedingt abgebrochen.

An der im Hebst 1944 begonnen (und im November abgebrochenen) Meisterschaft nahm die FG nicht mehr teil, und auch Freundschaftsspiele fanden kaum noch statt. Im Jahr 1945 hatte die FG einen einzigen, letzten Auftritt: Anfang April 1945 spielte man auf dem SAK-Platz gegen eine Luftwaffen-Elf. Kurz vor Kriegsende wurde die FG aufgelöst, an der ersten Nachkiegsmeisterschaft nahmen SAK, SSK und Austria wieder mit eigenen Kampfmannschaften teil.

(Quelle: S24)

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