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Spiel der Woche Lost-Club-Special SK St. Gilgen

In die Annalen des Salzburger Fußballs ist der SK St. Gilgen hauptsächlich wegen der 0:43 Niederlage gegen Köstendorf eingegangen. Die St. Gilgener konnten jedoch auch zahlreiche überragende Siege feiern.  Bilanz SK St. Gilgen [.pdf – 82KB]

Sport Klub Sankt GilgenHomepage: –Farben: Blau-GelbDachverband: –Jänner 1955: gegründet als SK Sankt Gilgen, 15.10.1970: Rückzug aus der Meisterschaft, 2001: VereinsauflösungSportanlage: Sportplatz St. GilgenErfolge: –

Als Ort, der hauptsächlich vom Tourismus lebt, verfügte St. Gilgen schon immer über ein umfangreiches Sport- und Freizeitangebot. In der Wolfgangsee-Gemeinde sind aber eher Sportarten wie Segeln oder Skifahren angesagt. Daneben fehlt ein entsprechendes Einzugsgebiet, um Spieler zu rekrutieren. Kurz gesagt: Keine besonders gute Basis für einen Fußballverein. Einige unentwegte Funktionäre ließen sich davon jedoch nicht abschrecken und gründeten 1955 den SK St. Gilgen. Die Spieler dazu holte man sich aus den Nachbarorten St. Wolfgang, Abersee, Unterach, Fuschl oder Faistenau. Das reichte für eine Kampfmannschaft und eine Reserve. Nachwuchsarbeit gab es dagegen kaum, die Gilgener Jugend vergnügte sich lieber auf dem Wolfgangsee oder auf den Skipisten in der Umgebung.

Der Platz befand sich mitten im Ort, gehörte dem ortsansässigen Bäcker, und wurde an den Verein vermietet, weshalb Investitionen in die Infrastruktur zum größten Teil ausblieben. Als Umkleidekabine stand den Spielern lediglich eine recht rustikale Holzbaracke zur Verfügung. Die Schiedsrichter wurden zum Duschen kurzerhand in eines der zahlreichen Gasthäuser im Ort geschickt. Auch die finanzielle Basis des Vereins war wenig zufriedenstellend. Sponsoren gab es keine und mit seinen Veranstaltungen konnte sich der SK gegen die etablierten Verein im Ort ebenfalls kaum durchsetzen. Der ehemalige Spieler und Obmann Karl Schimpelsberger erinnert sich nur an ein größeres Bierzelt, das Mitte der sechziger Jahre auf dem Fußballplatz aufgestellt wurde und so ein bisschen Geld in die Vereinskasse brachte.

Seine Premiere in der Bezirksklasse feierte der SK St. Gilgen am 19. August 1956 mit einem Heimspiel gegen den USK Obertrum, bei dem die Gäste aus dem nördlichen Flachgau mit einer 18:0-Packung nach Hause geschickt wurden. Einige Wochen später musste auch Blau-Weiß Seeham mit einer zweistelligen Niederlage die Heimreise antreten. Ein recht erfolgversprechender Beginn für die Wolfgangsee-Kicker, die auch sonst immer für trefferreiche Partien gut waren. Handball-Ergebnisse wie beispielsweise gegen Golling (4:9), Mattsee (3:8), USK Obertrum (12:4) oder ÖTSU Henndorf (6:7) waren keine Seltenheit und lassen darauf schließen, dass die Gilgener eher einem offensiveren Spielstil zugeneigt waren. Hollywood am Wolfgangsee würde Ernst Happel sagen.

Die Spiele waren zumeist recht unterhaltsam, größere Zuschauermengen gab es aber lediglich bei den Derbies gegen den SK Strobl. Die Derby-Bilanz gegen den ältesten Fußballverein am Wolfgangsee ist jedoch mager: Der einzige volle Erfolg für die Gilgener resultierte aus einer 3:0-Strafverifizierung im Herbst 1958. Die Saison 1958/59 bleibt auch die erfolgreichste in der Vereinsgeschichte, in der Abschlusstabelle der Bezirksklasse B belegte der SK St. Gilgen den vierten Platz.

Mit Josef Buschbacher stieß Ende der fünfziger Jahre ein tatkräftiger Funktionär zum Verein, der den SK über die folgenden schwierigen Jahre bringen sollte. Den Zerfall der Mannschaft konnte er aber auch nur verzögern. Fußballer aus dem Ortsteil Zinkenbach, denen der Weg nach St. Gilgen zu lang wurde, gründeten 1959 den USC Abersee, außerdem verlor der Verein auch Spieler an die neu gegründeten Vereine in Fuschl und Faistenau. Als Folge kam der SK kaum mehr aus den hinteren Tabellenregionen der untersten Klasse heraus, lediglich ein ungarischer Trainer sorgte Ende der sechziger Jahre noch einmal für ein bisschen mehr Fußballbegeisterung im Ort.

Im Gedächtnis geblieben ist der SK St. Gilgen wegen des denkwürdigen Spiels am 21. Juni 1970, dem Tag des Endspiels der Fußball-WM in Mexiko. Die Brasilianer zeigten den Italienern, wie man Fußball spielt und gewannen das Finale klar mit 4:1, die Gilgener hingegen zeigten, wie man es nicht macht und kassierten im Auswärtsspiel gegen den USV Köstendorf nicht weniger als 43 Gegentreffer. Das Spiel war bereits um 10 Uhr Vormittag angesetzt, mit ein Grund, weshalb man mit der halben Reservemannschaft auflaufen musste. Nachdem einige Spieler während der Partie verletzungsbedingt ausschieden, spielte der SK St. Gilgen in Unterzahl weiter und ging sang- und klanglos unter. Nichtsdestotrotz ist es der Mannschaft anzurechnen, dass sie nicht vorzeitig abtrat (eine Strafbeglaubigung hätte ein wesentlich weniger schlechtes Ergebnis zur Folge gehabt), sondern bis zum bitteren Ende auf dem Platz blieb.

In der darauffolgenden Meisterschaft trat der SK St. Gilgen zwar zu den ersten vier Spielen noch an, zog sich aber am 15. Oktober 1970 „anbetracht des mäßigen Interesse der Fußballspieler in St. Gilgen, und um den Sportklub St. Gilgen nicht noch weiterhin lächerlich zu machen” aus der Meisterschaft zurück. Ein Detail am Rande: Das letzte Meisterschaftstor für den SK erzielte mit Karl Schimpelsberger der „Playing Obmann”, der den Verein nach dem Ausstieg weiter am Leben erhielt. Spätere Versuche noch einmal eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, verliefen im Sand, und kurz nach der Jahrtausendwende wurde der SK St. Gilgen endgültig aus dem Vereinsregister gelöscht.

(Quelle: S24)

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