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Spiel der Woche Lost-Club-Special SV Verkehrsbetriebe Salzburg

Auf eine kurze, aber nichtsdestoweniger erfolgreiche Geschichte kann die Sportvereinigung der Verkehrsbetriebe, ein Zusammenschluss verschiedener Salzburger Betriebsmannschaften, zurückblicken.  Bilanz SV Verkehrsbetriebe [.pdf – 82KB]

Kultur- und Sportvereinigung der Städtischen Verkehrsbetriebe, Obus- und Kraftwagenlinien SalzburgHomepage: –Farben: Gelb-RotDachverband: ASVÖ1953: gegründet als SV Verkehrsbetriebe Salzburg, 26.06.1964: Einstellung des SpielbetriebsSportanlagen: 1953-1960: Sportplatz Lager Lehen, 1960-1964: Post-Sportplatz, 1964: Polizei-Sportplatz HellbrunnErfolge: 1 Meistertitel; 1957/58 (Bezirksklasse)

Der Verein entstand in den frühen fünfziger Jahren aus einem Zusammenschluss mehrerer Betriebsmannschaft verschiedener städtischer Unternehmen. Neben den Begegnungen mit anderen Firmenmannschaften (Konsum Union, Stiegl-Brauerei, SAFE) spielten die Verkehrsbetriebe wiederholt auch gegen etablierte Teams. Da sie gegen diese gut mithalten konnte, suchte die Fußballsektion der KSV der Salzburger Verkehrsbetriebe, Obus- und Kraftwagenlinien im Frühjahr 1956 um Aufnahme in den Salzburger Fußballverband an. Der Klub wurde als Schutzverein aufgenommen und nahm ab Herbst 1956 an der Meisterschaft der Bezirksklasse teil, von Beginn an mit durchschlagendem Erfolg: Im ersten Meisterschaftsjahr belegten die Verkehrsbetriebe hinter dem SC Golling und dem FC Puch den achtbaren dritten Platz.

Die Heimspiele absolvierte der Verein auf dem nach der Fusion von USK Danubia und FC Salzburg verwaisten Platz im Lehener Lager, einer Gstätten mit spärlichem Rasen und desolaten Umkleide- und Waschmöglichkeiten. Beeinträchtigt waren die Spiele auch durch die legendäre „Hundsgräfin”, die in einer Bretterbude unweit des Spielfelds etliche herrenlose Hunde beherbergte. Ein Corner von der dem Hundezwinger nächstgelegenen Eckfahne war von einer dementsprechenden Geräuschkulisse begleitet…

Die Spieler behalfen sich später mit einem als Umkleidekabine umfunktionierten Stadtwerke-Bus, der kurzerhand vor den Hundezwinger aufgestellt wurde. Für ein Kilometergeld von vier Schilling konnte der Verein die Linienbusse der Stadtwerke auch für die Fahrten zu den Auswärtsspielen nutzen. Die Zugehörigkeit zu den Stadtwerken brachte aber vor allem auf sportlicher Ebene große Vorteile. Etliche Halbprofis der Salzburger Austria, die 1953 erstmals in die Staatsliga aufgestiegen war, wurden bei verschiedenen städtischen Betrieben beschäftigt und wechselten mit fortgeschrittenem Alter zum SV Verkehrsbetriebe, was dort für eine entsprechende Steigerung des spielerischen Potentials sorgte. Als besonderer Glücksfall erwies sich beispielsweise der Wechsel des ehemaligen Austria-Salzburg Spielers Hans Steffek zum Verein. Als spielerisches Zentrum der Mannschaft war der Staatsliga-erfahrene Mittelfeldspieler maßgeblich am Durchmarsch der Obus-Kicker von der untersten Klasse in die Landesliga verantwortlich. Daneben konnte der SV Verkehrsbetriebe auch auf eine für die damalige Zeit ausgezeichnete Nachwuchsarbeit bauen. Von Beginn an gab es neben einer Kampf- und einer Reservemannschaft auch Schüler-, Jugend- und Juniorenteams, die den Erfolgen der Ersten kaum nach standen.

Im Unterhaus tat man sich mit einer solchen Grundlage entsprechend leicht. Im zweiten Meisterschaftsjahr wurde die Konkurrenz in der Bezirksklasse fast ausnahmslos deutlich geschlagen. Mit dem imposanten Torverhältnis von 142:31 wurde der SV Verkehrsbetriebe Meister, punktegleich mit dem härtesten Konkurrenten FC Puch. Auch eine Klasse höher spielte man von Beginn an um die Meisterschaft mit und verpasste nur durch das schlechtere Torverhältnis einen zweiten Meistertitel in Folge.

Das Spieljahr 1959/60 wurde das erfolgreichste in der kurzen Geschichte des Vereins. Die Schülermannschaft feierte in der Gruppe B einen ungefährdeten Meistertitel, während die Kampfmannschaft in der 1. Klasse Nord erneut den zweiten Platz belegte. Dieser berechtigte zu zwei Relegationsspielen gegen den Letzten der Landesliga, dem WSK Kaprun. Nach einem 2:0 im Heimspiel und einem 1:1 im Auswärtsspiel war der Aufstieg in die Landesliga perfekt und die Fußballbegeisterung groß. Der damalige Nachwuchsspieler Helmut Geier erinnert sich zum Beispiel an eine Hochzeit, die nach Trauung und Hochzeitsmahl auf dem Sportplatz in Lehen gefeiert wurde, die Braut im Schleier und Brautkleid unter den Zuschauern, der frisch gebackene Ehemann im Fußballdress auf dem Spielfeld…

Auf diesem Höhepunkt zeigten sich nun aber die Probleme des Vereins. Die Kampfmannschaft war überaltert, Nachwuchsspieler wurden zwar in die Kampfmannschaft eingebaut, konnten die ausgeschiedenen Routiniers aber nur unzureichend ersetzen. Darüber hinaus verlor der Verein auch seinen Platz in Lehen und musste in der Folge auf den Post-Sportplatz in die Vogelweiderstraße ausweichen. Die Zuschauer akzeptierten den Umzug allerdings nicht, denn waren auf dem Platz im Lehener Lager 500 Zuschauer bei Spitzenspielen keine Seltenheit, so kickte man nun vor der traurigen Kulisse von gerade einmal 50 Matchbesuchern. Als Folge musste der SV Verkehrsbetriebe innerhalb von zwei Jahren zwei Mal absteigen und war 1962 wieder in der untersten Klasse angelangt. Im Frühjahr 1964 war ein neuerlicher Platzwechsel notwendig, die letzten Begegnungen spielte der Verein auf dem Nebenplatz der Polizei-Sportanlage in Hellbrunn. Fusionsbestrebungen mit dem ASV Blau-Weiß-Salzburg verliefen erfolglos, und in einem knappen Schreiben vom 26. Juni 1964 meldete sich der SV Verkehrsbetriebe vom Salzburger Fußballverband ab und löste sich auf.

(Quelle: S24)

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