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Spiel der Woche: Lost-Club-Special USV Unternberg

Auch in der kleinen Lungauer Gemeinde Unternberg wurde in den fünfziger Jahren mit Begeisterung Meisterschaft gespielt. Nur der Erfolg blieb leider aus.  Bilanz USV Unternberg [.pdf – 62KB]

Union Sport Verein UnternbergFarben: Rot-WeißDachverband: Union1950: gegründet als USV UnternbergSportanlage: anfangs diverse Wiesen in Unternberg, ab Beginn der sechziger Jahre Sportplatz „die Au”, seit 1969 Sportplatz Unternberg

1938 kam der Gendarmeriebeamte Albert König, Torhüter der ersten offiziellen Salzburger Landesauswahl von 1921, von Salzburg nach Unternberg. Dort gründete er 1950 gemeinsam mit Johann Santner, Franz Gruber und Josef Bauer den USV Unternberg. Fußball gespielt wurde dort bereits seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, mit Schnürschuhen, Cordhosen und weißen Hemden, ohne genaue Regelkenntnisse. Und selbst das Auftreiben eines Balles war oftmals nicht so einfach, denn in der ländlich geprägten Gemeinde war als sportliche Betätigung das Völkerballspiel wesentlich angesehener als der beinahe verpönte Fußball.

So gestaltete sich der Meisterschaftseinstieg 1951 auch wesentlich schwieriger als erwartet. Nachdem die Unternberger zu den ersten beiden Spielen aus Personalmangel nicht antreten konnten, gaben sie ihr Meisterschaftsdebut am 23. September 1951 auf dem alten Mauterndorfer Sportplatz (dort wo sich heute das Flugfeld befindet). Auf dem Foto sind die Unternberger rechts in den weißen Dressen zu sehen (v.l.n.r. Koller, Karl Santner, Stefan Karner, Alfons Reinmüller, Martin Schneider, Martin Doppler, Andre Löcker, Binder, Hans Fötschl, Stefan Doppler und Max Santner). Auffallend auch der Schiedsrichter in langer Hose, weißen Hemd und Hosenträger, der kein geringerer als Vereinsgründer Albert König ist. Das Endergebnis war dann mehr oder weniger ernüchternd, denn der USV Unternberg wurde mit einer 0:22-Packung nach Hause geschickt. Beim Heimdebut eine Woche später führte der USV gegen Ramingstein lange Zeit mit 2:0, doch gegen Ende ließ die Konzentration nach und den Gästen gelangen noch 8 Tore. Die bitterste Niederlage im ersten Jahr gab es zum Abschluss der Herbstsaison mit dem 0:27 gegen den USK Tamsweg. Im Frühjahr traten die Unternberger nur noch ein einziges Mal an und unterlagen dem WSV Predlitz denkbar knapp mit 2:3 (der unberechtigte Einsatz eines Spielers führte allerdings zu einer 0:3-Strafverifizierung). Der Grund für das häufige Nichtantreten war übrigens jedesmal derselbe: Zu wenig Spieler…

Wie damals üblich reiste man auch in Unternberg zu den Auswärtsspielen entweder mit dem Fahrrad, zu elft in einem Auto (!!!) oder auf der Ladefläche eines vom ortsansässigen Sägewerk geborgten LKWs. Unebenheiten am Sportplatz wurden mit Holzschnitzeln aus eben diesem Sägewerk ausgebessert, und aus Geldmangel wurde bis in die siebziger Jahre mit denselben Dressen gespielt.

Von 1958 bis 1960 nahm der USV Unternberg noch zwei Mal an der Meisterschaft teil. Dabei gab es am 5. Oktober 1958 mit dem 0:30 gegen Mauterndorf auch die bitterste Klatsche in der Vereinsgeschichte. Gegen Mauterndorf gab es allerdings auch den einzigen „Sieg” in der Meisterschaft. Die 1:7-Heimniederlage am 8. Mai 1960 wurde am grünen Tisch in ein 3:0 umgewandelt. „Gegen uns haben alle gerne gespielt, weil sie so hoch gewonnen haben. Teilweise war nach dem Spiel die Höhe der Niederlage unklar, weil wir so viele Tore bekommen haben. Und das Bier danach war uns sowieso wichtiger als das Spiel selbst!” meint heute der damalige Spieler Alfons Reinmüller schmunzelnd dazu.

Das Ausscheiden aus der Meisterschaft kam am 27. September 1960. In einem Brief an den SFV teilte der USV Unternberg mit, dass er „infolge Einrückung von Spielern des Vereines zum Bundesheer, sowie durch Abwanderung von Arbeitern und Schülern nach Salzburg nicht mehr in der Lage ist eine Mannschaft aufzustellen und sich zu seinem Leidwesen gezwungen sieht, bis auf weiteres nicht mehr am Meisterschaftsbewerb teilnehmen zu können.”

1969 konnte endlich ein Sportplatz errichtet werden, der vor wenigen Jahren generalsaniert wurde und der mit seinem neuen Klubheim ein richtiges Schmuckkästchen darstellt. Der Verein ist im Ort eine gewichtige Größe und betreibt heute zahlreiche Sektionen. Die Fußball-Sektion nimmt seit Jahren an der Bezirksliga, einer Lungauer Hobby-Liga, teil. Der Spielbetrieb beim SFV ist dem Verein zu teuer, und der chronische Spielermangel (aufgrund der geringen Einwohnerzahl) würde wahrscheinlich, genauso wie vor knapp 60 Jahren, nur wieder zu zahlreichen Strafverifizierungen führen.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 08.05.2021 um 03:51 auf https://www.salzburg24.at/archiv/spiel-der-woche-lost-club-special-usv-unternberg-59609368

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