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Stopp von Temelin-Ausbau keine Überraschung

Ausbau des Atomkraftwerks vorerst gestoppt Salzburg24
Ausbau des Atomkraftwerks vorerst gestoppt

Tschechiens Politiker haben sich von der Entscheidung zur Aufhebung des Ausschreibungsverfahren für den Ausbau des Atomkraftwerks Temelin wenig überrascht gezeigt. Einen Verzicht auf einen Ausbau der Atomkraft in Tschechien bedeute die Entscheidung aber nicht, stellte Premier Bohulav Sobotka jedoch umgehend klar.

Er nehme den Beschluss des zu 70 Prozent staatlichen Tschechischen Energiekonzern CEZ "zur Kenntnis", erklärte der sozialdemokratische Regierungschef. "Ich verstehe den ökonomischen Kontext, vor allem im Zusammenhang mit der Entwicklung der Strom-Marktpreise", so Sobotka. Allerdings könne man nicht erwarten, dass Tschechien künftig auf Atomenergie verzichten werde, vor allem wenn man die Verpflichtungen in Sachen der Senkung der CO2-Emissionen einhalten sollte. "Eine grundsätzliche fachliche Debatte steht uns noch bevor, in welcher Reihenfolge, wann und unter welchen Bedingungen die atomaren Energiequellen ausgebaut werden", sagte Sobotka.

Der frühere Finanzminister und Vizechef der oppositionellen Partei TOP 09, Miroslav Kalousek, bezeichnete die Entscheidung des tschechischen Energiekonzerns als "logischen Schritt" in einer Zeit, in der die Situation auf dem Energiemarkt keine Hoffnung auf ökonomische Rentabilität des Projektes gebe. Staatliche Garantien für die Strompreise, wie sie der CEZ gefordert hatte, würden das Budget zu sehr belasten, so Kalousek. Auch die Grünen sowie tschechische Umweltschützer und Atomgegner begrüßten den Stopp der Temelin-Ausschreibung einhellig.

Auch von politischen Beobachtern wurde die Entscheidung am Freitag überwiegend begrüßt. So sprach etwa die Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" von einem "Gnadenschuss, der das überflüssige Projekt in Temelin beendet hat". Tschechien könne sich einen derartigen Luxus nicht leisten. Auch "Lidove noviny" bezeichnete es als "kristallklare Win-Win-Situation". Der Stopp der Ausschreibung habe gezeigt, "dass wir genug Mut haben, Megaprojekte zu stoppen. Falls wir nach einer reiflichen Überlegung die Auffassung geändert würden, vielleicht werden wir zeigen, dass wir sie auch beenden können".

Demgegenüber bezeichnete die konservative Demokratische Bürgerpartei (ODS) den Schritt als einen "Fehler der gegenwärtigen Regierung". Diese habe gezeigt, dass sie "an der Zukunft der tschechischen Energie-Industrie nicht interessiert" sei. Die Kommunisten (KSCM) bezeichneten die Aufhebung der Ausschreibung als "unangenehm". "Allerdings hoffen wir, dass eine neue Ausschreibung zu einem besseren Ergebnis führen wird", so KSCM-Chef Vojtech Filip.

Enttäuscht äußerten sich auch mehrere tschechische Firmen, die sich von dem geplanten Bau eines dritten und vierten Blocks in dem südböhmischen AKW lukrative Aufträge erwartet hatten. "Das ist eine schlechte Nachricht für alle sowie aus Sicht der Energie-Stabilität und der Zukunft der tschechischen Energie-Industrie", meinte der Generaldirektor der Maschinenbaufirma Vitkovice Holding, Jan Svetlik. Sein Unternehmen hatte bereits Verträge mit den beiden Bewerbern für den Auftrag - MIR.1200 und Westinghouse - unterzeichnet.

Der Chef von Skoda JS, die dem Konsortium MIR.1200 angehört, Miroslav Fiala, beschwerte sich darüber, dass seine Firma sich in den vergangenen fünf Jahren intensiv auf den Auftrag vorbereitet habe und dafür fast eine Milliarde Kronen (36,46 Mio. Euro) investiert habe. Er hoffe, dass der Staat nicht zulassen werde, dass die "unwiederholbare Gelegenheit zur Unterstützung der tschechischen Energie-Industrie und damit der gesamten tschechischen Wirtschaft ungenutzt bleibt".

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 25.02.2021 um 09:15 auf https://www.salzburg24.at/archiv/stopp-von-temelin-ausbau-keine-ueberraschung-45076948

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