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"stuck-Festival" im Rockhaus Salzburg: Der Report zum zweiten Tag

Der zweite Tag des ?stuck! Festival? setzte die ?Indie?-Mission mit ?Metronomy? und ?FM Belfast? fort und brachte mit ?HGich.T? Provokatives. Lassen wir uns einen gelungenen zweiten Festivaltag nochmal durch unsere Köpfe wandern.

Nach neuerlichem Auftakt bei Sonnenschein setzte sich am Freitag beim zweiten Tag des ?stuck! Festivals? im Rockhouse Salzburg dann doch der Regen durch. Macht aber nichts! Erstens ist der Gastgarten mit riesigen Sonnenschirmen geschmückt, die sich auch als Regenschirme bewährten. Zweites finden die Konzerte dort statt, wo Sonnenstrahlen als störend empfunden würden: Im dunklen Saal und in der Bar des Rockhouse. Ein Festival für all jene, die schon zu viel Erfahrung mit Regen und Schlamm bei Freiluftfestivals gemacht haben. So kann die Musik im Mittelpunkt stehen, nicht das Wetter. Deswegen jetzt zur Musik.

Nach einigen DJ-Sets gaben ?Jools Hunter? aus Deutschland den Konzertauftakt. Mit ihren gepunkteten Hemden als einheitliches Outfit erinnern sie an eine andere Zeit, ihre Musik gehört allerdings ins Jetzt. Die langsamen, mystischen Melodien eignen sie sich eher dafür, sich zu Hause auf der Couch mit einem Glas Wein zu berauschen und sich von der zarten Stimme der Sängerin in eine ferne Gedankenwelt tragen zu lassen.

?Bergerfiziert? von den Local Heros

Über einen Heimvorteil durften sich danach ?The Helmut Bergers? aus Salzburg freuen. Mit eingängigen Songs nach klassischem Rezept, einfach genug um schnell in die Musik hineinzufinden und dem richtigen Maß an Dynamik, schafften es die ?Bergers? die Bar zu füllen und die Masse in Bewegung zu halten. Nicht schlecht für diese Uhrzeit, immerhin war es noch nicht mal 9 Uhr. Allerdings wurde aus dem Elektrorock mit dominantem Keyboard und elektronischen Samples, wie man ihn von Tonträger und Radio kennt, live eher klassischer Indie-Rock. Meines Wissens hatte sich die Band gegründet um etwas Neues zu schaffen. Diese Neuartigkeit fehlte in der Live-Konstellation. Trotzdem: Gut gemacht. Wir sind bergerfiziert!

Direkt im Anschluss betraten ?Esben and the Witch? die Bühne des Rockhouse-Saals. Die Musik der Band aus Brighton in England versteht es Spannung aufzubauend. Waren die ?Helmut Bergers? vorher eher euphorisierend geht es hier nun düsterer zu. Sie schaffen trotzdem einen Sound der niemanden kalt lässt und einen mit Gänsehaut in Bewegung versetzt.

Schweres Los für ?Puro Instinct?

Ein schweres Los hatten danach ?Puro Instinct?. Die jungen Frauen und Männer kamen extra aus den USA über den großen Teich geflogen um dann überschneidend mit ?Metronomy? zu spielen. Eigentlich wunderbare, verträumte Popmusik. Schön zum Anhören, nur eben schwierige Musik auf einem Festival, auf das die Leute wohl in erster Linie gehen um abzugehen. So strömten noch während des Konzerts ein großer Teil vom Publikum Richtung ?Metronomy?.

Was wären die Briten ?Metronomy? ohne den klugen Kopf Joseph Mount, aber vor allem ohne die bezaubernde Schlagzeugerin Anna Prior, die seit 2009 den Takt in der Band angibt. Wohl mindestens die Hälfte des "stuck!"-Publikums war neben den spacige Lichtern, die an Mount, Cash und Adelkan befestigt waren, beeindruckt von Priors Darbietung. Eindrucksvolle Visuals von geheimnisvollen Köpfen verstärkten nur den berauschenden Eindruck, den ?Metronomy? sicherlich auch ohne ausgebaute  Lichtshow hin bekommen hätte. So viel tanzbare Energie, so viel Drive und so viel Power erlebt man selten.

Exzess, Spaß und Liebe mit einem Schuss Sozialkritik

Anders fasziniert war man von dem Hamburger Musik-Performance- Projekt ?HGich.T?, welches wahrlich eine Performance darbot, die vermutlich jeden überraschte, der die Band noch nicht kannte. Der äußerst ungewöhnliche Gig startete mit einer gefakten Fashionshow, bei der Stoff unter der Gürtellinie ein Fremdwort war. Über die musikalische Leistung von ?HGich.T? scheiden sich allerdings die Geister; zur Deko sah man auf der Bühne ein sehr ramponiertes Keyboard ohne jegliche Steckdosenverbindung und ein paar jämmerlich wirkende Boxen, die ihre besten Jahre  schon erlebt haben. Mit dem immer wiederkehrenden Goa-Beat-Rhythmus schafften es die Hamburger trotzdem, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Mehrmaliges von der Bühne fallen des Frontsängers und Liedtexte wie ?Das Problem ist das System, ja?!, das System ist das Problem, ja?!? ließen so manche Unwissende staunend in die Menge blicken, ohne zu wissen, wie sie das gerade Beobachtete verarbeiten sollen. Bei all dem Tam Tam, der sich da auf der Bühne und im Publikum abspielte darf man nicht vergessen zu erwähnen, das ?HGich.T? mit Liedern wie ?Hauptschule? und ?In der Sekte wird gebumst? äußerst sozialkritische Ansätze formulieren. Neben dem Exzess haben die Hamburger bei diesem Auftritt aber vor allem eines geschafft ? Liebe und Spaß im Publikum zu verteilen und das mehr als so manch andere Band am zweiten Tag des "stuck!-Festivals".

Tanzende Menschen bis in die letzte Reihe ?FM Belfast?

Um kurz vor ein Uhr morgens ging es dann in die letzte Saalrunde des Rockhouse Salzburg, denn ?FM Belfast? betraten die Bühne. Die Kunst Freunde zu machen haben die Isländer wie es scheint wohl längst schon erforscht, wenn auch ihr Debüt den Namen ?How To Make Friends? trägt. Das Publikum jedenfalls gab so ziemlich alles darum, den Start für eine lebenslange Freundschaft zu besiegeln. Bis hinten voll war der Saal mit tanzenden Musikbegeisterten, die beim letzten Lied gar nicht wahr haben wollten, das es jetzt vorbei ist. Der Name der neuen Platte ?Don´t Want To Sleep? bezeichnet treffender als alles andere, was ?FM Belfast? im Publikum bewirkt haben-eine tanzende, euphorische Meute, die noch  lange nicht im Sinn hat, schlafen zu gehen.

Glücklicherweise mussten sie das auch nicht, denn für diesen Abend war das noch nicht der letzte Act.  ?Antoni Maiowi? gab sich noch die Ehre in der Bar und bereitete allen Tanzwütigen noch einmal so richtig Discofeeling der italienischen Art.

Auch am dritten und letzten Tag des ?stuck!-Festivals?, darf man nochmal einiges erwarten. Mit ?Mel?, "Bilderbuch? und dem ?Block Party? ?DJ Set geht das Festival in die finale Runde. Man darf gespannt sein!

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(Quelle: S24)

Aufgerufen am 12.11.2019 um 09:03 auf https://www.salzburg24.at/archiv/stuck-festival-im-rockhaus-salzburg-der-report-zum-zweiten-tag-59243263

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