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Sturms Ära Foda endete früher als erwartet

Die Ära von Meistertrainer Franco Foda bei Fußball-Bundesligist Sturm Graz ist am Donnerstag mit einem Paukenschlag etwas früher als erwartet zu Ende gegangen.

Einen Tag nach dem blamablen Aus im Cup-Viertelfinale gegen Erste-Liga-Schlusslicht Hartberg wurde der Deutsche, dessen Abschied mit Saisonende festgestanden war, beurlaubt. "Wir haben noch alle Chancen, einen internationalen Bewerb zu erreichen, daher sind wir der Meinung, dass wir mit neuen Kräften in die letzten sieben Spiele, von denen wir vier zu Hause austragen können, gehen sollen", begründete Sturms neuer sportlicher Geschäftsführer Paul Gludovatz in einer Vereinsaussendung die Entscheidung.

Sturm-Präsident wirft Foda raus

Als Interimscoach fungiert ab sofort bis Saisonende der bisherige Co-Trainer und Foda-Landsmann Thomas Kristl. Ihm zur Seite stehen Amateure-Betreuer Dietmar Pegam und dessen dortiger "Co" Günther Neukirchner. "Ich betone, dass es sich um eine interimistische Lösung handelt, die auf die laufende Suche nach einem Trainer für die Zukunft keinen Einfluss hat", erklärte Gludovatz. Foda nahm die Entscheidung nach außen gelassen hin. "So ist das Fußballgeschäft. Das muss ich akzeptieren und respektieren", meinte der 45-Jährige, der das Amt seit 1. Juni 2006 innehatte und schon als Aktiver um die Jahrtausendwende der erfolgreichen Sturm-Truppe von Trainer Ivica Osim angehörte. "Ich wollte meinen Vertrag bis Ende Mai erfüllen. Ich wünsche der Mannschaft alles Gute. Ein Europacupplatz ist weiter in Reichweite." Als Trainer brachte Foda Sturm bisher einen Cup-Sieg (2010) und einen Meistertitel (2011) ein. Gegenüber der APA - Austria Presse Agentur erklärte Foda, von Gludovatz per SMS für 13.00 Uhr in die Geschäftsstelle gebeten worden zu sein, wo die Entscheidungen gefallen seien. Gludovatz und sein wirtschaftliches Pendant Christopher Houben hätten ihm in einem Gespräch von den Absichten des Vereins informiert. Der Club habe eine einvernehmliche Vertragsauflösung angestrebt. "Dieser habe ich aber nicht zugestimmt", erklärte Foda, woraufhin die Beurlaubung erfolgt sei. "Die beiden haben mir erklärt, sie seien nur Überbringer der Botschaft. Es handle sich um einen Auftrag von Präsident Christian Jauk." In der Aussendung gab sich Gludovatz jedenfalls von der Lösung überzeugt. "In der momentanen Situation sind wir sicher, die beste Entscheidung getroffen zu haben. Mit drei Punkten Rückstand auf Platz drei, punktegleich mit dem Vierten, sind wir noch voll im Rennen um einen internationalen Startplatz." Jauk, der in der Vergangenheit nicht unbedingt als Befürworter des Meistermachers aufgetreten war, war bisher für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Allerdings hatte noch am Vormittag bei Gludovatz' Antrittspressekonferenz nichts auf einen plötzlichen Bruch hingedeutet. Vielmehr hatte der Rieder Ex-Coach da betont, mit Foda "Gespräche in bestem Einvernehmen" geführt zu haben.

Gludovatz kam - Foda ging

Die jüngsten Entwicklungen können auch als Schlussstrich unter eine turbulente Saison samt großangelegtem Transformierungsprozess des Clubs gedeutet werden. Der Verein wählte nach Stockenhubers Rücktritt mit Christian Jauk einen neuen Präsidenten und verpasste sich mit dem Ziel der Entpersonalisierung und Professionalisierung neue Kleider. So wird der sportliche Profibetrieb in eine Kapitalgesellschaft ausgelagert und von einem Aufsichtsrat kontrolliert. Im März wurden der Öffentlichkeit mit Houben und Gludovatz die beiden maßgeblichen Geschäftsführer präsentiert. Im Herbst des Vorjahres war man freilich noch von einer Vertragsverlängerung Fodas bei Sturm ausgegangen. Bereits im Dezember hatte der Trainer jedoch erklärt, mit Saisonende aufhören zu wollen. Nachdem Präsident Gerald Stockenhuber Anfang Jänner sein Amt zur Verfügung gestellt hatte, zog Foda zumindest öffentlich aber wieder eine Fortsetzung in Erwägung. Er hätte sich freilich als Trainer und Sportdirektor in Personalunion gesehen. Mit der Bestellung Gludovatz' am 19. März kam schließlich auch das Ende von Foda - damals freilich lautete das Ablaufdatum noch "Saisonende". Kristl hat nun die Aufgabe, mit einem Heimsieg gegen Tabellenführer Salzburg am Samstag die Chancen auf einen internationalen Startplatz am Leben zu erhalten. "Wir müssen das Cup-Aus so schnell wie möglich aus den Köpfen der Spieler raus bekommen", wurde der 48-Jährige zitiert. "Es ist sicher ein Vorteil, dass wir am Samstag schon das nächste Spiel und die Gelegenheit haben, die Partie gegen Hartberg teilweise vergessen zu machen. Es ist sicher schwierig, aber das Ziel internationaler Startplatz werden wir keinesfalls aus den Augen verlieren." (APA)
(Quelle: S24)

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