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Suizid im Gefängnis: Bis zu zehn Fälle pro Jahr

Bis zu zehn Häftlinge pro Jahr nehmen sich in österreichischen Gefängnissen das Leben. Kritisch sind die ersten Tage in U-Haft und die Zeit um die Urteilsverkündung. Einen Rückgang der Suizidrate hinter Gittern brachte die Einführung des Viennese Instrument for Suicidality in Correctional Institutions (VISCI).

In den Jahren 1991 bis 2005 lag die Selbstmordrate in Österreichs Gefängnissen bei durchschnittlich zwölf pro Jahr, mit der niedrigsten Zahl von acht Fällen und einem Höchststand von 20 Suiziden. 2006 wurden 14 Selbstmorde verübt, ein Jahr darauf waren es 13. Im Dezember 2007 wurde VISCI eingeführt. 2008 sank die Anzahl der Suizide daraufhin auf sechs. 2009 waren es sieben Fälle, 2010 neun. 2011 entwicklte sich wie das vorangegangene Jahr.

Fazit: Durch VISCI liege die Selbstmordrate "deutlich unter dem, was der Durchschnitt der vorangegangen Jahre war" und bleibe unter der Grenze von zehn Fällen pro Jahr, sagte Karl Drexler, Leiter der Vollzugsdirektion, im Oktober 2011 in einem Gespräch mit der APA.

VISCI ist ein Formular mit 20 Fragen - u.a. zur sozialen Situation, der kriminellen Vergangenheit und der psychologischen Geschichte des Häftlings -, der die Vollzugsbeamten gleich bei der Einlieferung auf Umstände aufmerksam machen soll, die bei anderen Insassen zu einem Selbstmord oder Suizidversuch geführt haben. Schließlich können neu Aufgenommene nicht immer sofort einem Fachmann vorgeführt werden, etwa wenn sie in der Nacht hinter Gittern landen. Außerdem: "Selbst eine Untersuchung durch eine Psychiater ist nicht sicher", gab Drexler zu bedenken. "Es ist ein schwieriges Gebiet."

Das VISCI-System funktioniert wie eine Ampel: Rot bedeutet hohe Gefährdung, gelb heißt unsicher, grün nichts zu erkennen. Liegt eine erhöhtes Risiko vor, soll der Betreffende unverzüglich durch einen Facharzt untersucht werden, der dann weitere Schritte veranlasst. Bei "Gelb" wird der Häftling zumindest nicht allein untergebracht.

Ein spektakulärer Fall von Selbstmord im Gefängnis betraf den "Häfnliteraten" Jack Unterweger, der 1994 in Graz wegen neunfachen Mordes schuldig gesprochen wurde. Das Urteil wurde durch seinen Suizid in seiner Zelle wenige Stunden später nie rechtskräftig. Der Briefbomber Franz Fuchs, der eine lebenslange Haftstrafe in der Justizanstalt Graz-Karlau verbüßte, erhängte sich im Februar 2000. Am 17. Oktober 2011 entzog sich der Hauptverdächtige im Mordfall Paulina, der Stiefvater des 14-jährigen Mädchens, durch Erhängen in der Justizanstalt Wels der Gerichtsbarkeit. (APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 24.06.2019 um 10:02 auf https://www.salzburg24.at/archiv/suizid-im-gefaengnis-bis-zu-zehn-faelle-pro-jahr-59312494

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