Jetzt Live
Startseite Archiv
Archiv

Ukraine ordnete Rückzug von der Krim an

Ukrainisches Militär verliert Marinestützpunkt Salzburg24
Ukrainisches Militär verliert Marinestützpunkt

Nach dem international nicht anerkannten Anschluss der Krim an Russland zieht die Ukraine ihr Militär komplett von der Schwarzmeerhalbinsel ab. Die Truppen würden ins Kernland verlegt, sagte der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow am Montag. Außerdem habe der Nationale Sicherheitsrat beschlossen, die Angehörigen der Soldaten sowie andere Zivilisten in Not in Sicherheit zu bringen.

Das Vorhaben gelte für "alle, die heute unter Druck ihre Häuser verlassen müssen", sagte Turtschinow. Der moskautreue Vizeregierungschef der Krim, Rustam Temirgalijew, sagte: "Die ukrainischen Soldaten auf der Krim sind entweder auf die russische Seite gewechselt oder verlassen das Territorium." Als erstes russisches Regierungsmitglied traf Verteidigungsminister Sergej Schoigu auf der Krim ein.

Auf der Krim ist nach ukrainischen Angaben etwa die Hälfte der Soldaten zu den russischen Truppen übergelaufen. Nach russischen Angaben waren zu Beginn des Konflikts gut 18.000 ukrainische Soldaten auf der Halbinsel. Weiterhin befänden sich aber ukrainische Kräfte innerhalb des "besetzten Territoriums", sagte der stellvertretende Oberkommandierende Alexander Rosmasin am Montag in Kiew.

Russische Truppen griffen am Montag ein ukrainisches Marineschiff auf dem Donuslaw-See im Westen der Halbinsel Krim an. Nach Medienberichten waren Schüsse zu hören, als sich ein russisches Schiff der "Konstantin Olschanski" näherte. Außerdem stieg eine Rauchwolke auf.

Der ukrainische Militärsprecher auf der Krim, Wladislaw Selesnew, sagte, die Besatzung des Landungsschiffes habe Rauchgranaten abgefeuert, um sich zu verteidigen. Seinen Angaben zufolge gingen die Angreifer trotzdem an Bord, die Besatzung schloss sich im Inneren des Schiffes ein. Die "Konstantin Olschanski" war eines der letzten ukrainischen Kriegsschiffe auf der Krim, die noch nicht unter russischer Kontrolle waren.

In der Früh hatten russische Soldaten mithilfe von schwerem Militärgerät sowie Kampfhubschraubern einen der letzten ukrainischen Stützpunkte eingenommen. 60 bis 80 Soldaten seien abgeführt und der Kommandant mit einem Hubschrauber fortgebracht worden, teilte der ukrainische Armeesprecher Wladislaw Selesnjow bei Facebook mit. Zuvor hatte Russland die Ukrainer zum Abzug von der Krim aufgefordert.

Zudem versuchten Bewaffnete, das Minensuchschiff "Tscherkassy" in ihre Gewalt zu bekommen, schrieb Selesnjow. Bereits in den vergangenen Tagen hatten russische Truppen Dutzende ukrainische Schiffe, darunter das einzige U-Boot, aufgebracht sowie zahlreiche Militäreinrichtungen auf der Krim übernommen.

Russland erwägt, auf der finanziell fast maroden Halbinsel eine Sonderwirtschaftszone einzurichten. "Wir wollen der neuen russischen Region besondere Vorzüge gewähren", sagte Regierungschef Dmitri Medwedew. Möglich seien zunächst etwa Steuerbefreiungen sowie die Fortzahlung von Zusatzleistungen, die es in anderen russischen Gebieten nicht gebe. Eine Arbeitsgruppe unter Vorsitz von Vizeministerpräsident Dmitri Kosak soll den Aufbau der Regierungseinrichtungen und auch des Geheimdiensts FSB koordinieren.

Am Montag wurde auf der Krim der Russische Rubel zusätzlich zur ukrainischen Landeswährung Griwna eingeführt. Der Zahlungsverkehr mit zwei Währungen gleichzeitig werde sich innerhalb von zwei bis drei Wochen stabilisieren, sagte Temirgalijew in Simferopol. Er mahnte zu Geduld angesichts des geplanten Umtauschs von Bankeinlagen und Bargeld. Seit Montag werden auch Gehälter und Sozialleistungen sowie Steuern in Rubel gezahlt.

Die neuen Machthaber auf der Halbinsel warfen der Ukraine vor, die Stromversorgung zu kappen. Nur etwa 50 Prozent des vereinbarten Lieferumfangs kämen im Moment auf der Krim an, sagte Temirgalijew. Er beschuldigte die Ukraine, die Halbinsel nun unter Druck setzen zu wollen. Die Krim sei aber vorbereitet und habe Hunderte Dieselgeneratoren, um auf Engpässe zu reagieren.

Die Staats- und Regierungschefs der führenden sieben Industriestaaten (G7) sollen nach dem Willen der USA eine deutliche Warnung an Russland senden. Die G-7 müssten klar machen, dass Moskau mit zusätzlichen schweren Sanktionen zu rechnen habe und weiter isoliert werde, sollte es die Lage in der Ukraine nicht deeskalieren, so der stellvertretende Sicherheitsberater Ben Rhodes am Montag in Den Haag.

Rhodes betonte, dass es für die G-7-Länder keine Grundlage für eine Zusammenarbeit mit Russland gebe, solange es das Völkerrecht verletze. Ob das Land auch formell aus der G-8-Gruppe ausgeschlossen werden soll, sagte er nicht.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 03.03.2021 um 07:33 auf https://www.salzburg24.at/archiv/ukraine-ordnete-rueckzug-von-der-krim-an-45002158

Kommentare

Mehr zum Thema