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Umbau des Salzburger Bahnhofes erfordert weitere Bombensondierungen

Salzburg – Der im November des Vorjahrs gestartete Umbau des Salzburger Hauptbahnhofes könnte für die Arbeiter gefährlich werden. Es könnten noch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg in der Erde liegen und explodieren.

Seit dem Jahr 2002 werden die Bombenverdachtspunkte auf dem ÖBB-Areal konsequent überprüft. Die Gesamtkosten für die Sicherheitsmaßnahmen bezifferte deren Sprecher Johannes Gfrerer im APA-Gespräch mit mehr als eine Million Euro. In den nächsten Monaten wird weiter sondiert.

Die Chronologie der ÖBB listet 22 Bombenverdachtspunkte am Bahnhofsgelände auf. Ein Großteil davon ist bereits “abgearbeitet”. Von 2002 bis zum Frühjahr 2007 wurden bei elf Sondierungen drei 500 Kilogramm schwere Fliegerbomben gefunden und entschärft. Im Sommer 2007 ließ man weitere sieben Verdachtspunkte untersuchen: Drei davon waren gefahrlos. Die übrigen vier werden wegen alter Betonfundamente während des Bahnhofsumbaus bis 2012 unter die Lupe genommen. Pro Verdachtspunkt sind 60, bis zu acht Meter tiefe Sondierungsbohrungen notwendig.

 

Die Überprüfung des Verdachtspunktes 19 beim Bahnviadukt Rainerstraße Ende 2008 ergab keinen Hinweis auf ein Kriegsrelikt. Die restlichen drei Punkte werden noch sondiert: Bis zum Sommer wird bei den Waggonabstellgleisen West nahe der Lasserstraße nach einer Bombe, im Jahr 2010 beim Gleisbereich südwestlich des Nelböcks-Viadukts nach zwei Bomben gesucht.

“Zusätzlich zur gezielten, aktiven Überprüfung der Bombenverdachtspunkte führten wir auch baubegleitende Untersuchungen für den S-Bahn-Bau zwischen Salzburger Hauptbahnhof und Taxham um rund 500.000 Euro durch”, erklärte Gfrerer. Dieselben Maßnahmen sind nun auch für den 270 Mio. Euro teuren Bahnhofsumbau nötig, der 2014 abgeschlossen sein soll. Die ÖBB seien neben der Stadt Salzburg “sicher der aktivste Grundeigentümer bei der professionellen Suche nach Kriegsrelikten”, betonte Gfrerer.

Bezahlt werden muss die Freilegung von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg vom jeweiligen Grundeigentümer – das Innenministerium übernimmt nur die Kosten für Entschärfung und Abtransport. Die Stadt Salzburg fordert vom Bund daher bereits seit neun Jahren in Gerichtsverfahren die Rückerstattung der in ihrem Bereich entstandenen Kosten von 925.000 Euro. Mittlerweile beschäftigt das Verfahren die Höchstgerichte: Vom Obersten Gerichtshof wurde die Stadt Salzburg an den Verfassungsgerichtshof verwiesen, dort soll noch im März eine Klage eingebracht werden.

Der Rechtsstreit ist deshalb von großer Brisanz, weil es derzeit keine gesetzliche Regelung über die Kosten gibt. Österreichweit sollen noch rund 15.000 Fliegerbomben in der Erde schlummern. Die Suche und Bergung für ein Kriegsrelikt kostet im Schnitt rund 200.000 Euro.

 

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 16.05.2021 um 06:05 auf https://www.salzburg24.at/archiv/umbau-des-salzburger-bahnhofes-erfordert-weitere-bombensondierungen-59615740

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