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Wahnsinn im Güterverkehr: Lkw-Lenker werden zu 20-Stunden-Touren gezwungen

Lkws machen einen großen Teil des Straßenbilds Österreichs aus. Bilderbox
Lkws machen einen großen Teil des Straßenbilds Österreichs aus.

Es ist inhuman, unverantwortlich und vor allem menschengefährdend: Lkw-Lenker eines oberösterreichischen Familienbetriebs werden zu langen Arbeitszeiten gezwungen. Ein Arbeitstag kann dann schon mal bis zu 20 Stunden dauern. Die Gewerkschafter von Vida schreien auf.

Auf ihrer Homepage stellt die Firma Hubers Landhendl sich als netter Familienbetrieb dar. Die Qualität ihrer Produkte wird im Vordergund gestellt, aber Walter Androschin, Vida-Landesvorsitzender, warnt: „Die Qualität, die die Firma auf ihrer Homepage propagiert, gilt nicht für das Arbeitsrecht.“

Unfaire Kollektivverträge

Die Missstände in dem Betrieb sind nicht neu: „Bei der AK Oberösterreich werden jedes Jahr die Top Ten der arbeitsrechtlich miesesten Betriebe verkündet. Hubers Landhendl war in den letzten Jahren immer darunter. Es ist ein echter Problembetrieb“, so Kajetan Uriach, Sekretär der Gewerkschaft Vida. Zwar konnten 2012 unter medialen Druck ein paar Reformen durchgesetzt werden, aber die Firma scheint unbeirrbar zu sein. "Um das Lohnniveau zu drücken wurde im Jänner 2013 die Firma Frisch Express gegründet. Seitdem werden Kraftfahrer, die neu anfangen, nicht mehr bei Hubers Landhendl unter einem besseren Kollektivvertrag, sondern bei der Tochterfirma angestellt", so Uriach.

Bis zu 20 Stunden on Tour

Der Betrieb spart sich so einiges an Geld: 190 Euro monatlich werden pro Lkw-Lenker eingespart. Dies ist aber längst schon eine gängige Praxis im Wirtschaftssektor geworden - und auch gesetzlich zugelassen. Uriach erklärt aber weiter: "Nicht gesetzlich gedeckt ist jedoch die Tatsache, dass den Fahrern Einsatzzeiten von bis zu 20 Stunden zugemutet werden. Dies ist ein schwerer Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz, sowie gegen EU-Gesetz." Der Vida-Sekretär fügt hinzu: "Sicherheitstechnisch ist das ein absoluter Wahnsinn."

Junger Vater klagt an

Dank des betroffenen Frische Express-Fahrers Bernhard B. konnte dieser Missstand aufgedeckt werden. Der 24-Jährige erläutert seine schwere Lage: "Anfänglich war ich froh nach langer Suche einen neuen Arbeitsplatz gefunden zu haben. Die rund 40-minütige Fahrzeit von Salzburg ins oberösterreichische Pfaffstätt habe ich gerne in Kauf genommen, um einen Arbeitsplatz zu haben. Nachdem ich jedoch einige Monate dort gearbeitet habe, ist mir klar geworden, dass ich trotz meines jungen Alters die überlangen Arbeitszeiten von teilweise 20 Stunden auf Dauer nicht mehr aushalte. So habe ich im Juli an jedem Arbeitstag zumindest 15 Stunden Dienst geleistet." Die finanzielle Lage des jungen Vaters zwingt ihn dazu, dass er immer noch bei der Tochterfirma von Hubers Landhendl arbeitet.

Übermüdet am Steuer

Dieser Fall ist allein schon schlimm genug. Der junge Lkw-Chauffeur gefährdet aber nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer: "Es ist bloß eine Frage der Zeit bis ein Unfall passiert, weil ein Fahrer am Steuer einschläft. Fahr- und Ruhezeiten sind schließlich nicht umsonst geregelt. Frisch Express bewegt sich klar außerhalb des gesetzlichen Rahmens, wenn Touren eingeteilt werden, die länger als 15 Stunden dauern", kritisiert der AK-Vizevorsitzender Androschin. Damit man die tickenden Zeitbombe entschärft, greift nun die Gewerkschaft ein. Rechtliche Schritte wurden zwar schon eingeleitet, aber bis zu einem Urteil gefährden die übermüdeten Lkw-Lenker von Frische Express sich und andere im Straßenverkehr. (DP)

Aufgerufen am 15.12.2018 um 07:50 auf https://www.salzburg24.at/archiv/wahnsinn-im-gueterverkehr-lkw-lenker-werden-zu-20-stunden-touren-gezwungen-43771411

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