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Weltkulturerbe: UNESCO kritisiert mangelnde Kommunikation

Salzburg-Stadt – Bereits 1996 hat die UNESCO der Salzburger Altstadt das Prädikat “Weltkulturerbe” verliehen – trotzdem wurden in den vergangenen Jahren Bauprojekte in der geschützten Zone ohne Einbindung der UNO-Organisation durchgezogen. Eine Expertengruppe der UNESCO hat sich daher diese Woche vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.

Die Streichung aus der “Welterbe”-Liste drohe zwar nicht, beruhigt Wilfried Lipp vom Internationalen Rat für Denkmalpflege im Gespräch mit der APA. Er fordert aber eine “Welterbe-Verträglichkeitsprüfung” für neue Projekte.

Nötig wurde die Beobachtermission aus Sicht der UNESCO, der Bildungs- und Kulturorganisation der UNO, wegen der nicht abgesprochenen Bauprojekte der vergangenen Jahre. Berichte über diese Projekte habe das Welterbekomitee mit Besorgnis zur Kenntnis genommen, heißt es in einer in Salzburg veröffentlichten Presseerklärung der Beobachtergruppe: “Besonders beunruhigt war das Komitee über die mangelnden Kommunikation mit den Behörden und das Fehlen eines Management-Plans für die (Salzburger, Anm.) Welterbe-Stätte.”

Laut Wilfried Lipp von der Österreich-Abteilung des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS), einem Beratungsgremium der UNESCO, droht Salzburg freilich keine Aberkennung des Prädikats “Weltkulturerbe”. Zu erwarten sei im Bericht des deutschen Expertenteams aber Kritik an der mangelnden Abstimmung von Bauprojekten mit dem Welterbezentrum. Als Beispiel nennt Lipp den umstrittenen Umbau des Fernheizwerkes an der Salzach. Ähnliche Kommunikationsprobleme gebe es auch mit anderen Welterbestätten in Österreich.

Der Experte würde sich daher wünschen, dass bei Bauprojekten in betroffenen Regionen grundsätzlich eine “Welterbe-Verträglichkeitsprüfung” durchgeführt wird. Die Bestimmungen des Denkmalschutzes hält er nicht für ausreichend: Der Denkmalschutz betreffe nur einzelne Gebäude, das Welterbe stelle aber auf das “Gesamtensemble” z.B. einer historischen Altstadt ab. “Von den Instrumentarien her ist Österreich auf das Welterbe nicht vorbereitet”, kritisiert Lipp.

Aus dem Büro des zuständigen Planungsstadtrates Johann Padutsch (G) hieß es zur UNESCO-Kritik, man werde die Kommunikation künftig direkt mit dem Welterbezentrum der Organisation in Paris abwickeln und dort auch konkrete Ansprechpartner haben. Salzburg betreibe mit seinem strengen Altstadterhaltungsgesetz bereits seit 1967 eine äußerst engagierte Politik zur Bewahrung des historischen Stadtkerns. Besucht wurden von den Experten unter anderem aktuelle Bauprojekte wie der Unipark, die Alte Diakonie und Mozarts Wohnhaus.

Insgesamt umfasst die “Welterbe”-Liste der UNESCO derzeit 850 Natur- und Kulturerbe-Stätten in 147 Ländern der Welt. In Österreich sind es insgesamt acht: Die Wiener Innenstadt sowie das Schloss und der Park von Schönbrunn, die Altstädte von Salzburg und Graz, sowie die Semmeringbahn und drei Kulturlandschaften (Wachau, Neusiedler See und die Region Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut). Als “besonders gefährdet” werden weltweit 30 Natur- und Kulturerbe-Stätten eingestuft. Darunter die Altstadt von Jerusalem und die Galapagos-Inseln.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 18.05.2021 um 07:44 auf https://www.salzburg24.at/archiv/weltkulturerbe-unesco-kritisiert-mangelnde-kommunikation-59614060

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