Jetzt Live
Startseite Archiv
Archiv

WKS: Kritik an strengeren Luftwerten

Linz – Die beabsichtigte Senkung der Grenzwerte für Stickoxid unter die von der EU vorgesehenen Werte hat jetzt Kritik der Wirtschaftskammern Salzburg und Oberösterreich ausgelöst. Die Luftsanierungsgebiete würden massiv ausgeweitet.

Die beiden WK-Präsidenten Julius Schmalz und Rudolf Trauner haben in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag in Linz vor Nachteilen im Standortwettbewerb gewarnt und an das Umweltministerium appelliert, für Österreich keinen Sonderstatus einzuführen, sondern im Gleichklang mit der EU zu handeln.

Die EU-Richtlinie sieht ab 2010 einen Jahresmittelwert für Stickstoffoxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter vor. Österreich hat hingegen im Immissionsschutzgesetz Luft 2006 beschlossen, den Grenzwert ab 2010 auf 35 und ab 2012 auf 30 Mikrogramm zu senken, also um ein Viertel strenger anzusetzen als die EU. Schmalz und Trauner befürchten negative Auswirkungen auf ihre beiden Bundesländer: Die Luftsanierungsgebiete würden massiv ausgeweitet.

In Oberösterreich gebe es bei den derzeitigen Grenzwerten Überschreitungen nur entlang der Westautobahn von Enns bis Haid sowie in der Linzer Innenstadt. Ab 2012 wären alle Autobahnen sowie der gesamte Zentralraum Linz-Wels-Steyr betroffen. In Salzburg würde es eine Verdreifachung der betroffenen Gebiete geben. Die gesamten Städte Salzburg und Hallein würden zu belasteten Gebieten erklärt, ebenso wesentliche Teile entlang der West- und der Tauernautobahn.

Wertvoller Gewerbegrund an den Autobahnen würde damit zu “Problemzonen”, argumentierten die beiden Präsidenten. Das würde dort bis zu einem Aus für Betriebsansiedlungen und -Erweiterungen führen. Bei niedrigen Schwellenwerten müssten auch Vorhaben einem Umweltverträglichkeits-Prüfungs-Verfahren unterzogen werden. Damit würden die Bewilligungsverfahren wesentlich aufwendiger, teurer und länger dauern.

Ähnlich wie in der Steiermark würden wegen Luftsanierungsgebieten in Oberösterreich bis zu 200 Mio. Investitionsvolumen pro Jahr verloren gehen, rechnete Trauner vor: “So weit darf es bei uns nicht kommen”. Schmalz betonte: “Dabei geht es keinesfalls um ein Ausspielen von Umweltschutz gegen Wirtschaft”. Die Wirtschaft beweise ihre Verantwortung indem etwa im vergangenen Jahr mehr als 600 Mio. Euro in den Umweltschutz geflossen seien. Aber strengere Vorgaben in Österreich als im Rest von Europa wären so, als wenn bei einem Slalom ein Konkurrent auf einer um ein Viertel kürzeren Strecke antreten könne: “Diesen Lauf können sie nicht gewinnen”, argumentierten die Wirtschaftsvertreter.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 10.05.2021 um 09:21 auf https://www.salzburg24.at/archiv/wks-kritik-an-strengeren-luftwerten-59614090

Kommentare

Mehr zum Thema