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Wolhynientschechen wollen zurück nach Tschechien

Angehörige der tschechischen Minderheit in der Ukraine wollen aus Angst vor einer weiterer Eskalation des Konfliktes zwischen der Ukraine und Russland nach Tschechien auswandern. Mehrere Dutzend Familien der Wolhynientschechen haben den tschechischen Staat um Hilfe ersucht, um in die Heimat ihrer Vorfahren zurückzukehren, wie tschechische Medien am Donnerstag berichteten.

"Die Situation in der Ukraine ist so, dass wir um unsere Leben, unsere Familien, unsere Söhne fürchten", erklärte die Chefin des Vereines der Wolhynientschechen in der Region um die ukrainische Stadt Schitomir, Ema Sniedwitschova, nach einem Treffen mit dem Präsident des tschechischen Abgeordnetenhauses Jan Hamacek in Prag. "Die Situation wird jeden Tag schlechter. Banditen tauchen auf, die sagen: ´Wir sind die Landwehr´. Aber die Polizei funktioniert nicht", fügte sie hinzu.

Deshalb haben sich rund 40 Familien in einem Brief an Prag das tschechische Außenministerium und Innenministerium gewandt. Sie bitten darin, in das Land ihrer Vorfahren zurückkehren zu dürfen. Die tschechischen Behörden befassen sich nun mit dem Antrag. Laut Parlamentspräsident Hamacek ist Tschechien bereit, den rund 40 Familien eine Rückkehr zu ermöglichen. Bereits in 1990er Jahren habe Tschechien einigen Tausend Wolhynientschechen, die von der Tschernobyl-Katastrophe betroffen waren, bei ihrer Umsiedlung in ihre einstige Heimat unterstützt. "Diese Leute und ihre Familien sind heute völlig in der tschechischen Gesellschaft integriert", so Hamacek.

In der Ukraine leben heute etwa 20.000 Menschen tschechischer Nationalität. Ihre Vorfahren hatten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wegen der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in der damaligen Monarchie Österreich-Ungarn in Wolhynien angesiedelt. Russland, wozu Wolhynien damals gehörte, lockte die Arbeitskräfte aus dem Ausland mit finanziellen Anreizen. Ein Teil der Wolhynientschechen kehrte bereits nach dem Zweiten Weltkrieg in die Tschechoslowakei zurück und siedelte sich vor allem im Sudetenland an, woher zuvor die Sudetendeutsche vertrieben worden waren. Eine zweite Welle von einigen Tausend Wolhynientschechen folgte nach der Wende 1989.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 04.03.2021 um 01:02 auf https://www.salzburg24.at/archiv/wolhynientschechen-wollen-zurueck-nach-tschechien-44981968

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