Jetzt Live
Startseite Archiv
Archiv

Young Directors Project: "Antwort auf die Festspielrede"

Salzburg-Stadt – Dienstag startet das diesjährige “Young Directors Project” der Salzburger Festspiele. Vier Produktionen haben Schauspielchef Thomas Oberender und die Projektverantwortliche Martine Dennewald dafür ausgewählt. Am 24. August wird der alljährliche Preis für die beste Regiearbeit vergeben, der mit einem exklusiven Montblanc Max Reinhardt Füllfederhalter und 10.000 Euro dotiert ist.

Aus New York kommt “Welcome to Nowhere” von Kenneth Collins, aus Graz “Alice” nach Lewis Carroll in einer gefeierten Inszenierung des Ungarn Viktor Bodó, aus dem Thalia Theater Hamburg “Die Welt ist groß und Rettung lauert überall” von Ilija Trojanow, und aus Holland die Installation “You Are Here” von Dries Verhoeven.

Seit 2002 ist das “Young Directors Project” (YDP) fixer Bestandteil der Festspiele. “Das Kind ist jetzt acht Jahre und geht sozusagen in die Grundschule”, sagte Oberender heute Vormittag bei einem Pressegespräch. Aus einem Projekt, das sich “auf der Suche nach aufregenden neuen Regiesprachen” in Grenzbereichen des Theaters zu den anderen Künsten umgesehen hätte, sei zunehmend auch eines der Autorenförderung und dank des Engagements des Sponsors Montblanc auch eines der Uraufführungen geworden.

Das Projekt sei als solches bereits eine Antwort auf die Festspielrede Daniel Kehlmanns, der gegen das Regietheater gewettert hatte, sagte Oberender. Es seien stets Inszenierungen von Regisseuren eingeladen worden, “die dem Werk eine eigene Welt hinzugefügt haben, die so vom Blatt weg nicht zu vermuten stand. Ich weiß gar nicht, wie Theater heute anders sein könnte als Regietheater. Wobei es immer eine Frage der Qualität ist.” Dann sei es nämlich auch erfolgreich, so der Schauspielleiter: “Dieses Regietheater, von dem in der Festspielrede behauptet wurde, es würde die Theater leeren, scheint sich als etwas zu entpuppen, das im Ausland genauso auf Interesse beim Publikum stößt wie hier.” Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler versicherte, die YDP-Aufführungen in Salzburg seien stets ausverkauft.

Ingrid Roosen-Trinks von Montblanc gab an, ihr Unternehmen, das bisher die Krise nur in einem “marginalen Kaufrückgang in den USA” spüre, zahle “einen sehr beachtlichen sechsstelligen Betrag” für das YDP und versicherte: “Die Kontinuität des Projekts ist gesichert.” Kontinuität gibt es auch in der Jury, die weiterhin aus Helga Rabl-Stadler, Galerist Thaddäus Ropac, den Schauspielern Peter Simonischek und Sunnyi Melles sowie Kulturjournalist Wolfgang Kralicek besteht.

Den Anfang macht morgen das zwischen Theater und Kino oszillierende Roadmovie “Welcome to Nowhere (bullet hole road)”, in dem sich – in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln – “Doppelgänger der Bühnenfiguren durch eine hyperreale Filmlandschaft bewegen” (Programmheft). Am 5. August folgt die aus dem Schauspielhaus Graz kommende und mit einem Ausstattungs-“Nestroy” ausgezeichnete “Alice”-Produktion, die Dennewald als “virtuoses Spektakel” ankündigte. Einen Tag nach der Uraufführung der Dramatisierung des Romans “Die Welt ist groß und Rettung lauert überall” durch Jette Steckel (21. August) folgt auf der Perner Insel “You Are Here”. “Das hätte nicht ins republic hineingepasst”, sagte Dennewald, “Wir werden ein Hotel mit 36 Zimmern aufbauen, eine riesige Installation. Dries Verhoeven träumt von einem Theater, in dem es keine Schauspieler gibt, nur noch Zuschauer.”

“Hoffentlich erfährt davon nicht unser Kuratorium, das wäre vermutlich noch ein Sparvorschlag”, warf Festspielpräsidentin Rabl-Stadler ein, die außerdem noch einen scharfzüngigen Kommentar zum Promi-Rummel des ersten Tages zum Besten gab: “Wenn ein armes, in einer Wäschekammer gezeugtes Kind (gemeint war die Tochter von Boris Becker, Anm.) zum prominenten Festspielgast hochstilisiert wird, ist das meines Achtens nicht nur Kindesmissbrauch, sondern eine tiefe Unterschätzung der Leser.”

Im Vorjahr war der “Young Directors Award” an die Regisseure Kelly Cooper und Pavol Liska und das Nature Theater of Oklahoma für ihre Shakespeare-Bearbeitung von “Romeo und Julia” vergeben worden. Der “Young Directors Project”-Gewinner des Jahres 2003, Alvis Hermanis, wird seine Produktion “The Sound of Silence” ab 11. August auf der Halleiner Pernerinsel zeigen.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 15.05.2021 um 02:34 auf https://www.salzburg24.at/archiv/young-directors-project-antwort-auf-die-festspielrede-59622604

Kommentare

Mehr zum Thema