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Zollhund "Lord" und Co. schnüffeln am Flughafen gegen Artenschmuggel

Besonders zur Hauptreisezeit hat auch der Souvenirmarkt Hochsaison. Manche Reisende entscheiden sich leider für Mitbringsel, hinter denen Tierleid oder Artenschutz-Verletzungen stecken. Hund "Lord" ist als Detektiv auf vier Pfoten mit den Zöllnern im Einsatz, wenn es darum geht, eingelegte Schlangen, lebende Papageien oder getrocknete Seepferdchen im Gepäck aufzuspüren.

So reizvoll exotische Mitbringsel aus dem fernen Urlaubsland auch sein mögen: Der WWF und die Behörden raten von Souvenirs aus geschützten Tieren und Pflanzen entschieden ab und empfehlen, im Zweifelsfall auf jeden Kauf von Andenken aus bedrohten Arten zu verzichten. Unverbesserliche kommen damit ohnehin nicht durch - Zollhund "Lord" achtet am Flughafen Wien-Schwechat darauf, dass derlei nicht nach Österreich importiert wird.

Was man nicht mitbringen sollte

Von Elfenbein über getrocknete Seepferdchen bis hin zur Korallen-Kette, seltene Papageien im Koffer oder kleine Schildkröten im Handgepäck: Durch den Souvenir-Handel kommen bedrohte Arten noch mehr unter Druck. In vielen Ferienorten werden Schmuckstücke oder Schnitzereien angeboten, die aus bedrohten Arten hergestellt sind. Auch Schlangen in Alkohol oder sogar lebende Schildkröten und Co. wandern über den Ladentisch. Doch durch den Souvenir-Handel kommen bedrohte Arten noch mehr unter Druck. Auch Reisende können sich - bewusst oder unbewusst - an der Gefährdung beteiligen, wenn sie das "falsche" Mitbringsel im Gepäck haben. Denn Touristen kaufen im Urlaub teils aus Unwissenheit Souvenirs aus gefährdeten Tierarten.

Hohe Strafen für Exoten-Import

"Der Überfluss am Marktstand täuscht - viele der angebotenen Arten sind bereits so selten, dass ihr Handel streng kontrolliert werden muss“, erklärt Jutta Jahrl vom WWF Österreich. "Wer dann am Flughafen keine amtliche Genehmigung vorweisen kann, handelt sich Ärger und im schlimmsten Fall hohe Strafen ein.“ Der illegale Handel mit Waren aus wildlebenden Arten und der organisierte Schmuggel von bedrohten Tierarten sind ein Milliardengeschäft, vergleichbar nur mit dem Drogenhandel. Auch für den Zoll stellt der Artenschmuggel eine große Herausforderung dar.

So hilft Zollhund "Lord" am Wiener Flughafen

Artenschutz-Spürhunde, die bei den Gepäckskontrollen des Zolls am Flughafen Wien eingesetzt werden, sind eine zeitgemäße Methode im Kampf gegen den Tierschmuggel - sie werden eingesetzt, um Schmugglern das Leben schwer zu machen. So auch der zweieinhalb Jahre alte Deutsch-Kurzhaar-Rüde "Lord", der seit Kurzem am Flughafen Wien-Schwechat im Einsatz ist. "Zollhunde wie 'Lord' arbeiten in mancher Hinsicht effektiver als wir“, erklärt Regina Eitel, Zollhundeführerin am Flughafen Wien-Schwechat. "Sie kontrollieren in kürzester Zeit Gepäckstücke, Postsendungen oder riesige Transport-Container, ohne dass diese geöffnet werden müssen. Da Hunde einen guten Riecher haben, reichen schon geringe Duftspuren aus." Die Detektive mit der feinen Schnauze können lebende Papageien, Reptilien und Affen ebenso finden wie Kaviar, Tigerknochen, Elfenbein oder Nashorn.

Hunde-Training im Tiergarten Schönbrunn

Vor wenigen Tagen wurden im Tiergarten Schönbrunn die beiden neuen Artenschutzhunde "Lord" und "Reno" präsentiert, deren Ankauf vom Tiergarten und vom Verein der Freunde des Tiergartens finanziert wurde. „Artenschutz ist unser Hauptanliegen. Seit Jahren gibt es eine enge Zusammenarbeit des Tiergartens mit dem Österreichischen Zollamt. Nun freuen wir uns, dass der Tiergarten und der Verein der Freunde sogar zwei Hunde sponsern konnten“, so Tiergartendirektorin Dagmar Schratter. "Lord“  ist ja bereits beim Zollamt Eisenstadt am Flughafen Wien im Einsatz, der Labrador Retriever "Reno" steht dagegen noch am Beginn seiner etwa zweijährigen Ausbildung. Dabei wird er spielerisch auf Gerüche von Schlangen, Papageien und Co. trainiert.

So werden die Vierbeiner geschult

"Bereits seit Jahren unterstützt uns der Tiergarten bei der Ausbildung der Artenschutzhunde mit sogenannten Geruchsträgern und lebenden Reptilien, schult die Hundeführer in der sicheren Handhabung teils gefährlicher Tierarten und ist nicht zuletzt auch oft Auffangstation für die beschlagnahmten Tiere", erklärt Rudolf Druml vom Österreichischen Zoll. Derzeit kontrollieren 75 Mitarbeiter des Zolls mit Unterstützung von vier Diensthunden den Reiseverkehr von 0-24 Uhr und das 365 Tage im Jahr. Unter anderem konnten dabei im Bereich Artenschutz 51 Aufgriffe alleine in den letzten 1,5 Jahren verzeichnet werden. Zwei besonders findige Schmuggler versuchten zum Beispiel 74 Papageieneier aus Jamaika, verpackt in Keksschachteln und einer Kokosnuss, nach Österreich zu bringen. Die aufgegriffenen Eier wurden darauf in den Tiergarten Schönbrunn gebracht, dort ausgebrütet und 45 junge Papageien konnten erfolgreich aufgezogen werden. Die Zahlen zeigen, dass die Kooperation zwischen dem Tiergarten und dem österreichischen Zoll auch für den Artenschutz einen vollen Erfolg darstellt.

Artenschutz-Spürhunde europaweit im Einsatz

Das österreichische Finanzministerium - als übergeordnete Stelle der Zollbehörde - und der WWF sind Partner in einem EU-weiten Projekt zur Förderung von Artenschutzspürhunden. Österreich war eines der ersten Länder weltweit, das Artenschutz-Spürhunde einsetzte. Auch Behörden in Deutschland, Tschechien, Italien oder Ungarn arbeiten erfolgreich mit den vierbeinigen Kollegen. Im Rahmen des Projektes, das durch die Generaldirektion Inneres der Europäischen Union gefördert wird, werden bestehende Programme vernetzt und Erfahrungen ausgetauscht. So soll der illegale Artenhandel in ganz Europa wirkungsvoll bekämpft werden - ein Zollhund wie Lord kann dazu also viel beitragen.
(Quelle: S24)

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