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Zur Person Eugen Adelsmayr

Seit einer Marokko-Reise als Student war der 53-Jährige vom nordafrikanischen und arabischen Raum begeistert. APA/Gindl
APA7015538-2 - 26022012 - BAD ISCHL - ?STERREICH: ZU APA-TEXT CI - Der in Dubai wegen Mordes angeklagte ober?sterreichische Intensivmediziner Eugen Adelsmayr, w?hrend eines Interviews mit der APA-Austria Presse Agentur, am Freitag, 24. Februar 2012, in seinem Haus bei Bad Ischl. APA-FOTO: BARBARA GINDL

Eugen Adelsmayr wurde am 2. Juni 1959 in Geinberg im Bezirk Ried im Innkreis im Innviertel geboren.

Seine Kindheit verbrachte er in Bad Ischl, wo er auch in die Volksschule ging. Anschließend besuchte er das Sportgymnasium in Saalfelden, wo er im Internat wohnte und mit 18 Jahren maturierte. Nach dem Bundesheer begann er in Wien sein Medizinstudium, das er 1984 abschloss. "Ich wollte schon von Kindheit an Mediziner werden", sagte er im Gespräch mit der APA. Sein Vater war Tierarzt - "das habe ich aber nie in Erwägung gezogen".

Nach dem Studium war er im Anschluss fünf Jahre als Mediziner in Bad Ischl tätig. Im Jahr 1986 heiratete er seine ebenfalls aus Bad Ischl stammende Frau Antonia, der erste Sohn des Paares - Gabriel - wurde geboren. Zwei Jahre später folgte Sohn Tassilo. Schließlich zog es den Oberösterreicher nach Innsbruck, wo er 1991 an der Universitätsklinik seine Facharztausbildung beendete. Anschließend arbeitete er als Anästhesist und Intensivmediziner in Kitzbühel und Innsbruck, bis 2005 auch als Oberarzt an der Uniklinik in der Tiroler Landeshauptstadt.

Von arabischem Raum begeistert

Seit einer Marokko-Reise als Student war der 53-Jährige vom nordafrikanischen und arabischen Raum begeistert. Während seiner Arbeit an der Innsbrucker Uniklinik stieß er 2004 im Internet auf eine Stellenanzeige: "Intensivmediziner für vier Wochen gesucht. Sheikh Khalifa Hospital, Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate." Er nahm sich Urlaub und den Job an.

Monate später, zurück in Österreich, ließ er sich in Tirol ein Jahr karenzieren und ging nach Abu Dhabi. Von 2005 bis 2006 arbeitete er als Oberarzt an der Intensivstation der Sheikh Khalifa Medical City in Abu Dhabi. Adelsmayr erhielt ein Jobangebot aus Dubai - die Leitung einer neuen, großen Intensivstation am Rashid Hospital. "Das war ein toller Karriereschritt", sagte er im Gespräch mit der APA. Bis 2009 leitete er die Surgical Intensive Care Unit am Rashid Hospital Trauma Center mit über 120.000 Notfallraumpatienten pro Jahr.

Adelsmayr bestreitet Vorwürfe

Im Jänner 2009, in jenem Monat, in dem er auch seine Kündigung in diesem Krankenhaus einreichte, wurde ein pakistanischer Arbeiter mit einer Halswirbelverletzung und hoher Querschnittläsion eingeliefert. Er verstarb Wochen später. Laut den ermittelnden Behörden soll Adelsmayr gemeinsam mit einem indischen Kollegen den Patienten durch Unterlassung von Hilfeleistung sowie eine hohe Dosis Morphium getötet haben. Der Bad Ischler soll außerdem eine Order ausgegeben haben, dass der Kranke im Falle eines Herzstillstandes nicht wiederbelebt werden soll. Der Oberösterreicher bestreitet die Vorwürfe vehement. Auch das "Higher Commitee for Medical Liability" (HCML), die höchste Instanz für medizinische Fragen in den VAE, sprach den Mediziner von allen ihm gegenüber erhobenen Vorwürfen frei.

Im April 2009 begann der 53-Jährige als Leiter des Instituts für Anästhesie und Intensivmedizin am Al Ain-Hospital in Al Ain zu arbeiten. Er wurde wegen der laufenden Ermittlungen zwischenzeitlich für vier Monate suspendiert, arbeitete dann aber weiterhin in diesem Krankenhaus. Im Mai 2010 nahm man ihm schließlich seinen Pass ab.

Staatsanwaltschaft forderte Exekution

Im Juli 2011 wurde im Dubai Court im Verhandlungssaal 4 der Mordprozess gegen den Bad Ischler eröffnet. Der Staatsanwalt forderte seine Exekution. Sowohl Adelsmayr als auch sein indischer Kollege bekannten sich nicht schuldig. Das Al Ain-Hospital suspendierte den 53-Jährigen neuerlich. "Der Mordprozess hat mein Leben verändert", sagte der Mediziner.

Im September 2011 erhielt der Mediziner nach langem diplomatischen Tauziehen seinen Pass zurück und durfte zu seiner mittlerweile schwer kranken Frau nach Österreich ausreisen. Im Jänner 2012 verstarb Antonia Adelsmayr.

Lebenslange Haft für Adelsmayr

Der Prozess ging unterdessen weiter, Adelsmayr nahm aber nicht mehr daran teil. Im September 2012 erschien sein Buch "Von einem, der auszog". "Ich habe es geschrieben, so wie wenn ich es meiner Frau erzählen würde", sagte er zur APA. Der Anästhesist gibt darin persönliche Einblicke über seine Zeit in den VAE und den Mordprozess, er widmete es seiner verstorbenen Frau.

Seit März 2012 ist Adelsmayr in einer Salzburger Privatklinik als selbstständiger Anästhesist tätig. Er lebt in Bad Ischl. Am Sonntag wurde er in Dubai in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Staatsanwalt, der die Todesstrafe für ihn gefordert hatte, kann aber in Berufung gehen. (APA)

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