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Zwei Kandidaten beanspruchen in Honduras den Sieg

Nach der am Sonntag abgehaltenen Präsidentschaftswahl in Honduras beanspruchen zwei Kandidaten den Sieg: der rechtskonservative Juan Orlando Hernandez und die gemäßigt linke Politikerin Xiomara Castro. Für die Wahl zum Staatsoberhaupt reicht eine einfache Mehrheit. Der von Wahlbetrugvorwürfen durchsetzte Streit könnte zum Ausgangspunkt für Proteste und Gewalt in dem bitterarmen Land werden.

Nach Auszählung von rund 54 Prozent der Stimmen kam der bisherige Parlamentspräsident Hernandez von der regierenden Nationalen Partei (PN) nach Angaben der von den traditionellen Parteien beherrschten Wahlkommission auf 34 Prozent. Auf dem zweiten Platz landete demnach die gemäßigt linke Politikerin Xiomara Castro von der neuen Partei Freiheit und Wiedergründung (Libre) mit 29 Prozent. Den dritten Rang belegte mit 21 Prozent Mauricio Villeda von der oppositionellen Liberalen Partei (PL). Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolge bei für Honduras rekordverdächtigen 61 Prozent.

"Ich werde der nächste Präsident von Honduras sein", jubelte Hernandez vor seinen Anhängern. "Und ich werde alles Nötige tun, um dem Volk den Frieden zurückzubringen", fügte der 45-Jährige hinzu. Zugleich forderte er Castro auf, sich an einem "großen nationalen Pakt" gegen Unsicherheit und Armut zu beteiligen. Hernandez hatte im Wahlkampf versprochen, dass er im Fall seines Sieges rund 5.000 Militärpolizisten und Soldaten in den Kampf gegen die notorische Kriminalität schicken werde. Honduras hat mit durchschnittlich 20 Morden pro Tag die weltweit höchste Mordrate gemessen an der Bevölkerungszahl.

Die 54-jährige Castro, Ehefrau des im Juni 2009 gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya, propagierte im Wahlkampf die Idee eines "demokratischen Sozialismus". Noch vor der Veröffentlichung erster Ergebnisse erklärte sie sich auf dem Internet-Kurznachrichtendienst Twitter zur Siegerin. Castros Partei Libre entstand aus dem Widerstand gegen den Coup zum Sturz ihres Mannes. In den Monaten danach wurde Honduras von Protesten zugunsten Zelayas erschüttert. Bei deren Niederschlagung wurden mehrere Zelaya-Anhänger getötet.

Der früher der Liberalen Partei angehörende Zelaya sagte, Libre werde die amtlichen Ergebnisse wegen Wahlbetrugs nicht anerkennen. In einem Fünftel der Wahllokale habe es "schwerwiegende Unregelmäßigkeiten" gegeben. Bisher lösten sich die Nationale und die Liberale Partei traditionell an der Regierung ab. Durch den jetzigen Vorstoß der neuen Partei Libre wurde diese Zweiparteienherrschaft nun durchbrochen.

Rund 5,3 Millionen Honduraner waren aufgerufen, den Nachfolger von Staatschef Porfirio Lobo zu bestimmen. Neben dem künftigen Präsidenten wurden auch die 128 Abgeordneten des Parlaments und knapp 300 Bürgermeister gewählt. Rund 25.000 Polizisten und Soldaten waren im Einsatz. 800 ausländische Beobachter überwachten die Wahlen, die alles in allem friedlich verliefen.

Aufgerufen am 20.05.2019 um 12:46 auf https://www.salzburg24.at/archiv/zwei-kandidaten-beanspruchen-in-honduras-den-sieg-44320087

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