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Kramperl & Percht: Brauchtum und Unterschied

Krampusse und Perchten sind nicht dasselbe. Neumayr/ Archiv
Krampusse und Perchten sind nicht dasselbe.

Krampus- und Perchtenläufe sind aus der Adventzeit vor allem im Bundesland Salzburg nicht mehr wegzudenken. Einen historischen Abriss und wie das Brauchtum entstanden ist, schildert die Salzburger Volkskunde-Expertin Ulrike Kammerhofer-Aggermann.

Krampusse und Perchten sind Gestalten eines überlieferten Brauches aus heidnischer Zeit. Die Hochburg des Brauches liegt vor allem im Bereich des österreichischen Ostalpenraumes, genauer gesagt in den Bundesländern Salzburg, Kärnten, Tirol sowie im Salzkammergut. Seit der Jahrtausendwende breitet sich der Brauch immer weiter aus und findet heute auch im restlichen Österreich sowie in Bayern, Slowenien, Südtirol und Oberitalien immer größeren Zuspruch. Die Ursprünge der Krampus- und Perchtenläufe reichen jedoch über das Mittelalter bis ins Heidentum zurück. Damals hüllte man sich in Masken, im Glauben die bösen Geister des Winters vertreiben zu können. Im Land Salzburg förderten verschiedene Einflüsse das Wiederaufleben der Bräuche zwischen der Mitte des 19. und den Anfängen des 20. Jahrhunderts.

Notwendigkeit von Reue und Buße

Krampus- und Perchtenläufe zählen zu den klassischen Einkehrbräuchen, es wird also von Haus zu Haus gezogen. Der Krampus begleitet den Nikolaus, der die braven Kinder mit Gaben beschenkt – er ist der Gegenpol, der die unartigen Kinder bestraft. „Der Brauch rührt vor allem vom Nikolausspiel. Zentral war hier das Streitgespräch zwischen ‚Luzifer' und ‚St. Michael' vor dem heiligen Nikolaus. Es war ein katholisches Lehrstück um die Notwendigkeit von Reue und Buße zu Erlangung der himmlischen Seeligkeit. Der Teufel allein verweigert diese Einsicht und bleibt für ewig in der Hölle angekettet", klärt Ulrike Kammerhofer-Aggermann, Leiterin vom Salzburger Landesinstitut für Volkskunde, auf.

1816, also nach dem Ende des Erzstiftes Salzburg, wurden die Spielverbote aufgehoben. Seither erließen die Gemeinden Kundmachungen mit Vorschriften zur Abhaltung der Läufe, wie jene von 1913 in Bad Hofgastein (Pongau), die die Teilnahme von Schulkindern im Umzug verbat, ebenso wie „jedes lärmende, unflätige oder Passanten störende Benehmen."

Nikolaus führt Rudel an

Viele Krampus- und Perchtenvereine erlassen eigene Vorschriften. Auch in den „wichtigsten zehn Krampusregeln in der Gastein", finden sich noch Anklänge an ältere Umlaufspiele. Der heilige Nikolaus ist nach wie vor der Verantwortliche jeder Passen, dem sich auch die „Klaubauf" unterordnen müssen, die zusätzlich ihrem „Vorteifi" unterstehen. Die „Klaubauf" tragen heute meist keine Butte (Gefäß, Korb) mehr zum „Aufklauben" der bösen Menschen.

Perchtenläufe bringen Glück

Das Brauchtum der Perchtenläufe bezieht sich auf die Raunächte, in denen der Winter beziehungsweise die bösen Geister des Winters und das alte Jahr ausgetrieben werden sollen. Als Utensil zum Austreiben verwenden die Perchten eine Glocke. Bekommt man von Perchten Besuch, so ist das – im Gegensatz zum Krampusbesuch – also ein glücksbringendes Omen, auch wenn die Perchten ganz schön schaurig aussehen.

Brauchtum lebt auf

Zahlreiche Maskenschnitzer kümmern sich liebevoll um das Antlitz der furchteinflößenden Gestalten. Im Gasteinertal etwa bemüht man sich, den Typus der Masken aus dem 18. Jahrhundert (Schwarz – Weiß – Rot) modern weiterzuentwickeln. Die Inszenierungen auf Krampus- und Perchtenläufen sind ein Highlight: Perfekte Kostüme, bengalische Feuer und Lautsprecherbegleitung. Es bleibt aber traditionell: Die meisten Masken werden immerhin noch aus Holz geschnitzt und weichen keiner billigen Latexmaske à la Halloween.

„Damals gab es das noch nicht – der Krampus war so gekleidet, was in der so genannten Mottenkiste am Bauernhof zu finden war", weiß Kammerhofer-Aggermann. Der bis heute übliche Kinderspott auf die Kramperl wird verständlich: „Kramperl le le, hast Hos'n voll Fle(ö)h', den Pelz vuller Wanzen, magst (kannst) eh neama tanzen!".

Aufmachung verändert sich

Anfang des 20. Jahrhunderts trugen Kramperl bäuerliche knöchelhohe Lederschuhe, gestrickte Wollgamaschen und Schafpelze aus zusammengestückelten Fellresten. Alte Kuhschellen oder runde „Rollen" am Gürtel, bildeten das Geläute.

„Heute tragen die Teufel und neuen Schiachperchten meist Hosenanzüge aus Fell und führen Ketten und Rossschweifpeitschen mit sich, Kostüme und Masken sind aufwendig gestaltet", so Kammerhofer-Aggermann. Die Augen der Masken werden seit dem Ende der 1950er-Jahre oft mit Batterien und kleinen Lampen beleuchtet.

Hörner als Prestigesache

Ab den 1920ern nahmen die Hörner auf den Masken plötzlich zu, denn mit der steigenden Beliebtheit von Bräuchen und Masken beim touristischen Publikum wetteiferten die Passen untereinander auch was die Ausstattung betraf. „Geißbock-, Widder- und Geißenhörner waren beliebt und auf den Bauernhöfen keine Mangelware. Heutzutage sind die Hörner das kostspieligste Detail der Ausstattung, besonders die Beschaffung großer Widderhörner (oft aus Afrika) ist schwierig, aber Prestigesache. An heutige Masken stellen nicht nur die Läufer, sondern auch das eventverwöhnte Publikum hohe Anforderungen", so Kammerhofer-Aggermann abschließend.

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