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Krampusspektakel rückt traditionellen Brauch in den Hintergrund

Eine Schiachpercht der "Schworzmüh-Teifin" aus Hof, bei ihrem Perchten-und Krampuslauf am Freitag, 15. November 2013, in Fuschl am See. APA/Gindl
APA15620032 - 16112013 - FUSCHL - ?STERREICH: THEMENBILD - Eine Schiachpercht der "Schworzm?h-Teifin" aus Hof, bei ihrem Perchten- und Krampuslauf am Freitag, 15. November 2013, in Fuschl am See. APA-FOTO: BARBARA GINDL

Mit den unzähligen Krampusläufen im gesamten Land Salzburg artet der traditionelle Krampusbrauch immer mehr zu einem wild gewordenen Spektakel mit Eventcharakter aus. Die Tradition gerät in den Hintergrund, die Vermarktung nimmt Oberhand. Der Landesverband der Salzburger Heimatvereinigungen versucht nun dem Trend entgegenzuwirken.

Nach dem traditionellen, alten Brauch zieht der heilige Nikolaus am 5. und 6. Dezember mit seinen finsteren Gesellen, den Krampussen und seinen Begleitern (Korbmandl und Engerl) von Haus zu Haus. Nikolaus und Krampus treten immer gemeinsam auf und richten über Gut und Böse. „Diese Form des Krampusbrauchs wird heute noch im Gasteiner Tal gelebt, dort gibt es nur Hausbesuche", erklärt Hans Strobl Krampus- und Perchtenreferent des Landesverbands der Salzburger Heimatvereinigungen im Gespräch mit Salzburg24.at.

Seit einigen Jahren gehe der Trend immer weiter vom ursprünglichen Brauchtum weg, kritisiert Strobl. Krampuspassen sprießen wie Pilze aus dem Boden – nur noch ein Bruchteil davon unternimmt die traditionellen Hausbesuche. Das größte Problem sieht Strobl aber darin, dass die ersten Krampusveranstaltungen oft schon einen Monat vor dem Krampustag am 5. Dezember stattfinden. „Das ist für mich zu viel Vermarktung", so der Brauchtums-Experte, der auch in Schulen unterwegs ist, um Aufklärung zu leisten.

Krampusse werden zu Horrorfiguren

Ähnlich sieht das Helmut Brandecker, Maskenschnitzer aus Pfarrwerfen (Pongau). Die Entwicklung des Brauches sei in den letzten 20 Jahren schon sehr grenzwertig geworden. Vielerorts sei der zu akzeptierende Grenzwert schon sehr lange und sehr intensiv überschritten, kritisiert Brandecker. Die Läufe entwickeln sich mehr und mehr zu Massenveranstaltungen mit Show-Charakter, was sich auch in den Masken zahlreicher Krampusse widerspiegelt: „Oft werden schon sehr unterschiedliche Masken gefertigt, die mit dem Krampus kaum etwas zu tun haben. Nicht selten werden auch Kultfiguren aus diversen Filmen oder auch Skelette, Vampirfiguren und Horrorwesen angefertigt, kritisiert der Maskenschnitzer.

Bei der Jugend dürfte der Trend Richtung „Krampusmania" gut ankommen – ein großer Teil der Krampuslaufbesucher sind Jugendliche, die Action suchen. „Unsere Jugend will das Spektakel, kennt aber den Hintergrund des Brauches nicht", meint Hans Strobl. In diesem Zusammenhang hat der Landesverband der Salzburger Heimatvereinigungen einen Leitfaden erstellt und definiert damit den Krampusbrauch.

Der traditionelle Krampusbrauch

Der Krampusbrauch soll bzw. darf nur in der Zeit vom 1. bis 6. Dezember durchgeführt werden. Es soll damit erreicht werden, dass dieser Brauch auch weiter bestehen bleibt und nicht durch zu viele Veranstaltungen wie z. B. die Heimatabende verkitscht werden.

Die Krampusläufe in dieser Zeit dürfen niemals als Perchtenläufe, sondern nur als Krampusläufe bezeichnet werden.

Die Percht tritt nämlich nur zusammen als Schiach- und Schönpercht in der Zeit vom 21. Dezember bis 6. Jänner auf. Ausgenommen die Wilde Jagd vom Untersberg, die am 2. Donnerstag im Dezember ihren auftritt hat.

Der Krampus tritt grundsätzlich nur in Begleitung vom Nikolaus auf, denn der Nikolaus ist das Oberhaupt und der Krampus hat diesem immer zu gehorchen. Es ist somit auch klar, dass das Gute immer über dem Bösen ist.

Bengalische Feuer sind grundsätzlich nicht erwünscht, es hat mit Brauch eigentlich nichts zu tun und es sind damit auch nur Gefahren verbunden.

Als Hörner sollen, bzw. müssen nur echte Hörner verwendet werden, jedoch nur von nicht jagdbaren Tieren.

Demnach dürfen Veranstaltungen um den 5. und 6. Dezember daher nur als Nikolaus- oder Krampusläufe bezeichnet werden. Nicht zu verwechseln sind die Krampusse mit den Schiachperchten. Der Unterschied liegt an der Begleitung: So tritt eine Schiachpercht nur mit einer Schönpercht auf. Die Schiachpercht vertreibt mit ihrem Aussehen und den lauten Glocken oder Schellen alles Böse. Sie streichelt mit einer Birkenrute die Menschen und vermittelt damit Fruchtbarkeit. Danach tritt die Schönpercht in den Vordergrund, sie bringt wieder Sonne und Licht ins Land und erweckt Wiesen und Äcker. Die Perchten laufen ab der Wintersonnenwende am 21. Dezember bis zum 6. Jänner.

Aufgerufen am 19.05.2019 um 08:28 auf https://www.salzburg24.at/fotos/krampusse/krampusspektakel-rueckt-traditionellen-brauch-in-den-hintergrund-44332750

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