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Sonntags-Talk: "Der heilige Nikolaus soll kein Erziehungshelfer der Eltern sein"

Wolfgang Hammerschmid-Rücker in seinem Element als Nikolaus. SALZBURG24/Andonov
Wolfgang Hammerschmid-Rücker in seinem Element als Nikolaus.

Wolfgang Hammerschmid-Rücker aus Salzburg ist Diözesansekretär und Geschäftsführer der katholischen Jungschar Salzburg und widmet sich seit 18 Jahren dem Nikolaus-Brauchtum. Der 47-Jährige spricht im Sonntags-Talk darüber, warum es Nikolaus-Schulungen gibt und warum die magische Gestalt keine erzieherische Rolle bei Hausbesuchen einnehmen soll.

Wenn Wolfgang Hammerschmid-Rücker sein Büro zur katholischen Jungschar öffnet, sieht man auf Anhieb das feierliche Gewand, die Bischofsmütze und den Stab des heiligen Nikolaus. Die wichtigsten Utensilien, die ein Vermittler des Brauchtums am Nikolaustag benötigt, säumen die Wände in der vollbepackten Schreibstube in der Kaigasse.

Hammerschmid-Rücker ist seit 18 Jahren in Kindergärten und Horten als Nikolaus unterwegs und organisiert drei Mal jährlich Schulungsabende für aktive und interessierte Nikolos. In seiner jahrelangen Tätigkeit hat er bei keinem Hausbesuch einen Krampus mit an seiner Seite gehabt. Darauf legt er keinen Wert. Viel wichtiger sind dem dreifachen Familienvater die Vermittlung von Werten und das Staunen der Kinder.

SALZBURG24: Seit wann hat der Nikolaus in unserer Gesellschaft einen Platz?

Nikolaus hat nach Überlieferungen 280 nach Christus in Myra, einem kleinen Ort circa 100 Kilometer südwestlich von Antalya in der heutigen Türkei, als Bischof gewirkt. Noch zu Beginn des vierten Jahrhunderts erreichten die letzten Christenverfolgungen ihren Höhepunkt, Niklaus soll festgenommen und gefoltert worden sein. Ab dem Jahr 313 änderte sich die Lage, als das Christentum nicht mehr verboten war und später zur offiziellen Staatsreligion erklärt wurde. Wie die zahlreichen Legenden berichten, war er vor allem ein Wohltäter und Fürsprecher der einfachen Leute, und zwar gerade dort, wo es darum ging, gegen Ungerechtigkeit aufzutreten.

Und was bedeutet es heute?

Mittlerweile ist er zu einer heiligen Verehrung und einem Schutzpatron der Kinder geworden. Für mich ist er eine magische und faszinierende Gestalt, die in unseren Breitengraden eine wichtige Verantwortung gegenüber unserer Kinder einnimmt. 

Der 6. Dezember gilt bei uns in Österreich als der Nikolaustag. Wie kam es dazu?

Der wird als sein Todestag genannt. Nach seinem Tod wurde Bischof Nikolaus vom Volk als Heiliger verehrt. Damit wurde er zu einem der populärsten christlichen Heiligengestalten. Am 6. Dezember wird auch sein Namenstag gefeiert.

Der Nikolaus tritt in Anwesenheit vom Krampus auf. Wie entstand der Einkehrbrauch?

Beim Einkehrbrauch treten häufig zwei Akteure auf: Der Nikolaus als Lichtgestalt und eine dunkle Drohgestalt. So kam der Dualismus von Gut und Böse, Licht und Finsternis, Gott und Teufel, klar zum Vorschein und die pädagogischen Prinzipien von Belohnung und Bestrafung wurden sichtbar und spürbar gemacht.

Wie sieht es da mit dem Machtverhältnis aus?

Wichtig ist, dass die gute Figur des Nikolaus beim Besuch eindeutig die Machtposition innehat, während die Begleiter den bischöflichen Weisungen folgen und sich unterordnen müssen. Der Krampus ist also vielleicht gerade deshalb zum Nikolaus gekommen, weil die Legenden davon berichten, dass dieser stärker ist als das Böse.

Das heißt im Umkehrschluss, dass es die Protagonisten nur im Doppelpack geben soll?

Nicht unbedingt. Wenn einige Gruppen oder Institutionen es für richtig halten, nur einen von beiden auftreten zu lassen, so sollen sie es tun. In meinen 18 Jahren habe ich bei keinem meiner Hausbesuche einen Krampus mitgehabt. Auf ihn habe ich verzichtet, da ansonsten die Botschaften vom Nikolaus untergehen.

Und die wären?

Dass der heilige Nikolaus neben seiner Funktion als Schutzpatron speziell auf die Kinder schauen, helfen und teilen soll. Die Kernbotschaft sollte sein, dass jedes einzelne Kind auch ein Nikolaus sein kann. Er verbreitet nicht Angst, sondern die frohe Botschaft und es zeichnete ihn aus, dass er gerade nicht nach dem Prinzip „Gutes belohnen und Böses bestrafen“ handelt, sondern dort half, wo es nötig war. Wenn die Kinder nur ein bisschen was von diesen Worten und Taten umsetzen, haben wir unser Ziel erreicht.

Gibt es Erinnerungen, an die du besonders gern zurück denkst?

Einige sogar. Wenn man sieht wie die Kinder einem vertrauen und zu strahlen gewinnen, geht mir das Herz auf. Besonders schön wird es, wenn jemand anfängt seine persönliche Lebensgeschichte zu erzählen. 

Mit sehr viel Begeisterung und Leidenschaft gewährt uns Hammerschmid-Rücker einen Einblick in das Nikolausbrauchtum. /SALZBURG24/Andonov Salzburg24
Mit sehr viel Begeisterung und Leidenschaft gewährt uns Hammerschmid-Rücker einen Einblick in das Nikolausbrauchtum. /SALZBURG24/Andonov

Gibt es auch etwas, dass dich an der Verkörperung der Rolle stört?

Natürlich. Zuerst einmal die Tatsache, dass die Gestalt immer wieder als Erziehungshelfer missbraucht wird. Die "braven“ Kinder sollen nicht belohnt und die „schlimmen“ getadelt werden. Vielmehr sollte der erhobene Zeigefinder zur reichenden Hand werden. Der Heilige macht immerhin etwas vom Göttlichen sichtbar.

Gibt es Methoden, um diese Entwicklung zu stoppen?

Wir als Jungschar Salzburg veranstalten drei Mal jährlich Schulungsabende, wo die Interessenten auf den Nikolaustag vorbereitet werden. Mit verschiedenen Tipps, Modelle und Rollenspiele soll für die Gestaltung von Nikolausfeiern Bausteine für daheim mitgegeben werden. Besonders vom Erfahrungsaustausch profitieren die meisten Teilnehmer. Zudem haben wir auf unserer Webseite einen Downloadbereich errichtet. 

Kann eigentlich jeder ein Nikolaus werden?

Es klingt vielleicht ein wenig komisch, aber eigentlich sollte der Beste und Intelligenteste in der Gruppe die Rolle übernehmen. Es ist nämlich gar nicht so einfach diesen Part zu übernehmen.

Welche Eigenschaften sollte man unbedingt mitbringen?

Auf jeden Fall sollte man Kinder gern haben und sich mit ihnen beschäftigen können. Ein Talent zum Geschichten erzählen würde ebenso nicht schaden, genauso wie eine helfende und schützende Hand sowie ein offenes Ohr und Geduld. Und um die Werte vermitteln zu können, benötigt man auch einen minimalen religiösen Hintergrund. Und da ist es gleich welche Glaubensrichtung man verfolgt. Wichtig sind die sozialen Werte.

Man spürt deine Leidenschaft als Nikolaus regelrecht. Wie lange kannst du es dir vorstellen es noch auszuüben?

(Schmunzelt) Da stehen mir noch einige Jahre bevor.

Es geht also weiter von Haus zu Haus?

Wahrscheinlich werden es dann nur mehr ausgewählte Besuche, aber ich könnte mir vorstellen nochmals 18 Jahre dran zu hängen.

Ich bedanke mich für das Interview.

Gern geschehen.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

Aufgerufen am 13.12.2018 um 12:25 auf https://www.salzburg24.at/fotos/krampusse/sonntags-talk-der-heilige-nikolaus-soll-kein-erziehungshelfer-der-eltern-sein-57473062

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