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Gemeinderatswahl Anif: Zweikampf um die Gemeindestube

Anif ist nicht nur hier eine Baustelle Martin Borger
Anif ist nicht nur hier eine Baustelle

Nachdem vor fünf Jahren mit dem erstmaligen Antreten des damaligen Anifer Langzeit-Bürgermeisters Dr. Krüger mit einer eigenen Liste als Abspaltung von der ÖVP bei der Gemeinderatswahl ein politisches Erdbeben stattfand ist diesmal der Wahlausgang berechenbarer.

Der wiedergewählte Bürgermeister hat aus seiner vor fünf Jahren aus dem Stand errungenen absoluten Mehrheit in den letzten fünf Jahren leider wenig gemacht. Weder wurden brauchbare Konzepte für den Verkehr und die Ortsentwicklung präsentiert, noch die Verluste an Arbeitsplätzen und Einnahmen durch den Weggang von Leitbetrieben wie SONY DADC AG auch nur annähernd wettgemacht.

Opposition in Schockstarre

Die Opposition war mit einer ÖVP in Schockstarre nach dem Machtverlust und den Grünen, die als einziges Thema den Kampf gegen den Golfplatz kannten, schwach aufgestellt. Einzig die SPÖ konnte durch konsequente Arbeit den Bürgermeister vor sich her treiben und zu Reformen bewegen. So geht die Einrichtung der sehr erfolgreichen Krabbelstube "Hasenohr" und viele Verbesserungen beim Verkehr, etwa durch Schwellen und Geschwindigkeitsmessungen, auf ihr Konto. Bei der aktuellen Wahl treten neben den schon im Gemeinderat vertretenen Parteien "Liste Krüger", ÖVP, SPÖ und "Die Grünen" diesmal auch die FPÖ an. Der bisherige Wahlkampf wurde über Postwurfsendungen, Plakatständer und Transparente und leider nur vereinzelte Veranstaltungen geführt.Überraschend und ärgerlich war dabei, daß gerade die Parteien, die sich vor dem Wahlkampf für ein Plakatverbot bzw eine Plakatbegrenzung aussprachen besonders viel plakatieren. Während die Grünen massiv Plakatständer benutzen und dank gewonnener Landtagswahl finanziell aus dem Vollen schöpfen, setzt die ÖVP voll auf zwei große Transparente, auch die "Liste Krüger" plakatiert ebenfalls.

Alte Wahlkampfversprechen wieder in Programm

Wieder mit einem sehr großen Team, das wohl der Zugkraft des Langzeit-Bürgermeisters Hans Krüger und dem Bürgermeister-Bonus zu verdanken ist, tritt die "Liste Krüger" an, dabei ist aber weiter unklar ob Krüger als Bürgermeister die vollen nächsten fünf Jahre durchdient oder gar wer sein Nachfolger wird. Beim Programm folgt die Themensetzung den Ressorts Soziales, Wirtschaft und Umwelt und betont Erreichtes mit vagen Aussagen zu zukünftigen Vorhaben. Wie weit aber von "Unabhängigkeit" die Rede sein kann, wenn Bürgermeister Krüger bei der Landeshauptmann-Wahl im Personenkomitee von Dr. Haslauer eine klare Wahlempfehlung für ihn abgab ist fraglich, auch viele Wahlversprechen der letzten Periode finden sich noch immer im Programm wieder.

SPÖ schickt Anton Wallinger

Ganz anders ist die Situation bei der SPÖ Anif, sie schickt ihren langjährigen Gemeindevertreter Anton Wallinger ins Rennen um den Bürgermeister und zeigt eine klare Focusierung auf "7 Punkte für Anif" mit den Themen Leistbares Wohnen, Jugend und Jugendzentrum, Wohnen für Senioren, Mobilität, Sicherheit im Verkehr, Lärmschutz und Mitsprache in der Gemeinde. Neben dem Jugendkandidaten Michael Doppler ist auch die Seniorenvertreterin Maria Plainer an absolut wählbarer Stelle der ausgewogenen Kandidatenliste. Die Erfolge der letzten Jahre können sich mit Krabbelstube und Verkehrslösungen für eine Oppositionspartei absolut sehen lassen. Diese Wahl ein klarer Zweikampf zwischen SPÖ und Liste Krüger, denn nur sie haben in der Vergangenheit auf der einen Seite die Gemeinde verwaltet, auf der anderen Impulse gesetzt und vorangetrieben, es steht sehr zu hoffen, daß die absolute Mehrheit der "Liste Krüger" endlich gebrochen wird. Die SPÖ hat nicht nur in den letzten Jahren die konsequenteste Oppositionsarbeit geleistet, sondern ist auch bei Kandidaten und Themen auch für die Zukunft sehr gut aufgestellt.

Absprachen mit Liste Krüger?

War die ÖVP in den letzten fünf Jahren fast nicht präsent, versucht sie nun hektische Aktivität zu zeigen, schafft es aber nicht einmal, einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten ins Rennen zu schicken, es wird schon von Absprachen mit der "Liste Krüger" gemunkelt. Inhaltlich sind die Themen Wohnen, Personennahverkehr, bessere Verwaltung vage und schwammig, am ehesten mit dem Slogan auf einem Transparent zusammenzufassen: "Anif bleib so wie du bist!". Die Liste wird von langjährigen Gemeindevertretern angeführt, ergänzt um einige Prominenz aus lokalen Betrieben.

Die Grünen in Anif

Die Liste "Die Grünen" besteht zu großen Teilen aus der engagierten Familie Pogadl, neben Herrn und Frau Pogadl findet sich auch deren Tochter nun auf der Liste. Neben der Stv. Landeshauptfrau Astrid Rössler auf den Plakaten als "Zugpferd" setzen die Grünen bei der Wahl auf klassisch grüne Themen wie Raumplanung und Waldschutz, Senioren und Wohnen und Verkehr, Klima und Energie. Daß sie sich nun das Engagement der offiziell als Bürgerinitiative aufgetretenen Golfplatzgegner nun als Errungenschaft der Grünen auf ihre Fahnen heften verursacht eine schiefe Optik, in beiden Bewegungen hat der grüne Gemeindevertreter Wolfgang Pogadl den Ton angegeben.

FPÖ stellt junge, unerfahrene Männer auf

Mit einer absoluten Männer-Partie geht die FPÖ in diese Wahlen und möchte wieder in den Gemeinderat. Die Kandidaten sind fast alle sehr jung und ohne Erfahrung in Gemeindegremien, die Liste aber sehr kurz und auch die Anzahl der Themen ist eng begrenzt: Verkehrsplanung, objektive Wohnungsvergabe und Jugend, dann scheint Fantasie schon erschöpft. Die Mini-Plakate der FPÖ die genau gleich in allen Orten im Land stehen, schiessen an den unmöglichsten Orten aus dem Boden, aber die FPÖ hat auch nie einen Plakatverzicht gelobt.

(Quelle: S24)

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