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Berufsbegleitend studieren

So klappt es mit der Weiterbildung - und dem Chef

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Viele hegen den Wunsch sich neben dem Beruf weiterzubilden. Welche Optionen gibt es in Österreich und ist sogar ein berufsbegleitendes Studium möglich?

Sie kostet viel Zeit und Kraft – die Rede ist von einer berufsbegleitenden Weiterbildung. Statt sich nach der Arbeit gemütlich auf die Couch zu werfen, finden sich die wirklich zähen Arbeiter und Arbeiterinnen, die ganz nebenbei ein Studium absolvieren, am Abend und an den Wochenenden in einer Bildungseinrichtung ein. Welche Vor- und Nachteile hat ein berufsbegleitendes Studium und eröffnet die Weiterbildung wirklich neue Jobchancen? Und wie holt man den Chef mit an Bord?

Die 21-jährige Linda befindet sich im letzten Semester ihres Bachelorstudiums. Seit Beginn arbeitet sie nebenbei auf geringfügiger Basis in einer Online-Marketing-Agentur und verdient sich so ein paar hundert Euro im Monat dazu. Ihr Teamleiter Erich ist Mitte 30 und wird voraussichtlich zur selben Zeit sein Masterstudium beenden. Erich war von Anfang an Lindas Vorgesetzter und hat in den letzten Jahren Vollzeit gearbeitet. Zwei Menschen, zwei unterschiedliche Ausbildungswege, doch der gemeinsame Wunsch vom abgeschlossenen Studium. Linda hat sich gleich nach der Schule für ein Studium entschieden und hat den Plan, nach dem Bachelorstudium auch gleich das Masterstudium anzuschließen. Die Geschichte ihres Vorgesetzten sieht anders aus, denn er hat sich erst nach fast 10 Jahren in der Berufswelt für ein Studium entschieden. Mit Kind und finanziellen Verpflichtungen wäre ein Vollzeitstudium ohne Vollzeitgehalt undenkbar gewesen. Daher musste eine Alternative in Form eines Teilzeitstudiums bzw. eines Abendstudiums her.

Vollzeit arbeiten und Teilzeit studieren in Österreich

Diversen Studien zufolge, sind mehr als 60% der österreichischen Studenten und Studentinnen neben dem Studium berufstätig. Das Erwerbsausmaß variiert, steigt mit dem Alter jedoch kontinuierlich an. So gehen Menschen mit Anfang 20 häufig einer geringfügigen Tätigkeit mit einem Stundenausmaß von ca. 10 Wochenstunden nach, Personen über 30 arbeiten im Durchschnitt schon über 30 Stunden.

Wer sich gleich nach dem Schulabschluss in einer Bildungseinrichtung einschreibt, geht meist einem Vollzeitstudium nach und verdient sich nebenbei mit einem typischen Studentenjob ein Taschengeld dazu. Einige Österreicher und Österreicherinnen entscheiden sich jedoch erst für den Eintritt in die Arbeitswelt. Wenn dann später der Wunsch nach einer Weiterbildung wie z.B. einem Studienabschluss aufkommt, ist ein Vollzeitstudium aus finanziellen oder familiären Gründen in vielen Fällen keine Option. Daher entscheiden sich Berufstätige für ein Teilzeitstudium, wie dem berufsbegleitenden Studium. In Österreich gehen rund 18% der Studierenden neben dem Studium einer Vollzeitbeschäftigung nach.

Dieses Weiterbildungsmodell eröffnet für Personen, die auf das Einkommen nicht verzichten können oder jene, die mit der Betreuung einer kranken oder pflegebedürftigen Person ausgelastet sind, den Weg zu einem Studienabschluss.

Welche berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?

Nicht jeder Studiengang wird auch berufsbegleitend angeboten. Studiengänge die sich gut mit einem Vollzeitjob vereinbaren lassen, kommen vor allem aus der Wirtschaftswissenschaft, dem Bauwesen oder der Ingenieurwissenschaft. In den meisten Fällen werden berufsnahe Studiengänge angestrebt, denn im Fokus steht die Weiterbildung in der bereits bekannten Branche. So setzen viele Bildungseinrichtungen bzw. Studiengänge mehrere Jahre Berufspraxis voraus. Eine komplette Umschulung steht dabei nicht im Fokus und ist dementsprechend schwierig. Wer in der Baubranche tätig ist, sich jedoch entscheidet Lehrer werden zu wollen, der kann dies nur mit einem Vollzeitstudium.

Ein berufsbegleitendes Studium kann mit Hilfe eines Fern- oder Abendstudiums absolviert werden. Ein Fernstudium ermöglicht viel Flexibilität, denn die Arbeitsunterlagen werden dem Studenten bzw. der Studentin zugesandt und es kann jederzeit und von überall gelernt werden. Die Prüfungen werden in einer Bildungseinrichtung unter Aufsicht durchgeführt.

Als Alternative gibt es dazu das sogenannte ‚Abendstudium‘. Die Lehrveranstaltungen finden abends und an den Wochenenden in einer Hochschule oder einem Studienzentrum statt. Studierende kommen beim Abendstudium zusammen und werden von Professoren unterrichtet.

Wer übernimmt die Kosten für ein berufsbegleitendes Studium und wie überzeugt man überhaupt den Chef?

Eine Weiterbildung ist für die Mitarbeiter sowie das Unternehmen eine gute Entwicklungsmöglichkeit. Daher beteiligen sich Arbeitgeber oft an den Kosten für die Weiterbildung. Wenn das Unternehmen sich an den Kosten beteiligt bzw. diese übernimmt, dann ist dies in den meisten Fällen an die Bedingung geknüpft, dass der Mitarbeiter nach Beendigung des berufsbegleitenden Studiums für eine vorgegebene Zeit im Unternehmen bleibt und das erlernt Know-how dort auch einsetzt. Ansonsten wird von Unternehmensseite eine Rückzahlung eingefordert.

Das Wunderbare an der Bildung ist, dass jeder sie will und man sie wie Grippe weitergeben kann, ohne selbst auf etwas zu verzichten. Evelyn Arthur St. John Waugh

Die Chancen, den Chef bei den Weiterentwicklungsplänen mit an Bord zu holen, stehen also dementsprechend gut. Trotzdem sollte man schon vor dem Gespräch mit dem Chef wissen, was man möchte. Das ein berufsbegleitendes Studium gewisse Einschränkungen mit sich bringt, liegt auf der Hand. Es ist gut gleich mit offenen Karten zu spielen, denn Überstunden werden während des Studiums durch Lernstunden ersetzt und ein längerer Urlaub für die Erarbeitung einer Abschlussarbeit könnte auch anfallen. Obwohl hier ein gewisses Entgegenkommen vom Chef nötig ist, sollten die Vorteile, die sich für den Chef sowie das Unternehmen ergeben, hervorgehoben werden. Vor dem Gespräch ist es daher ratsam, sich gute Argumente zurechtzulegen.

Gehaltssteigerung und bessere Jobchancen nach der Weiterbildung – Wahrheit oder Fiktion?

Das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung fand heraus, dass relevante Weiterbildungen dem Arbeitnehmer durchschnittlich bis zu 6% mehr Einkommen bringen. Dies bezieht sich jedoch nicht auf firmenspezifische Trainings und Schulungen, denn diese haben, laut dem ZEW keine Auswirkung auf Jobchancen oder das Einkommen.

In Österreich ist der Fachkräftemangel seit vielen Jahren ein Problem, daher sehen Unternehmen die Aus- und Weiterbildungen mittlerweile als Weg der Fachkräftesicherung. Der Arbeitsklima Index 2020 der Arbeiterkammer zeigt auf, dass gute Karriere- und Entwicklungsperspektiven entscheidende Faktoren der Arbeitszufriedenheit sind sowie auch Relevanz bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter haben.

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Berufliche Weiterbildung liegt nicht nur in den Händen des Chefs, auch jeder Einzelne ist für seine Bildung verantwortlich. Wer weiterkommen möchte, sollte daher auch bereit sein, selbst Geld und Zeit in eine Weiterbildung zu investieren.

(Quelle: SALZBURG24)

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