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Gedanken zur Arbeitswelt

80.000 Stunden Arbeitszeit - Sinnkrise inkludiert

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Die berühmte Sinnsuche macht auch vor der Arbeitswelt nicht halt. Grübeln ist nichts schlechtes, doch wenn nicht gehandelt wird, dann ist die Unzufriedenheit auf Dauer kontraproduktiv.

Was mache ich eigentlich in meinem Job? Macht die Arbeit irgendeinen Sinn? Fragen die sich Arbeitnehmer in den rund 80.000 Arbeitsstunden, die sie im Laufe des Lebens am Arbeitsplatz verbringen, sicher einmal stellen. Die Sinnsuche kann auf der einen Seite eine notwendige Konfrontation sein, auf der anderen Seite jedoch auch kontraproduktive Auswirkungen haben.

Die Google Resultate zeigen das auf, was sich wohl jeder von uns schon einmal gedacht hat. Die Suchmaschine dient in diesem Fall als Sprachrohr jener österreichischen Arbeitnehmer, die im Internet nach Lösungen für ihre verzwickte Situation suchen. Natürlich sind damit nicht alle ca. 3.7 Millionen Erwerbstätige in Österreich gemeint, denn immerhin reiht sich als 9. Vorschlag 'Meine Arbeit macht mir Spaß' in die Suchanfragen.

Ganz so drastisch ist es natürlich nicht. Jetzt einmal ganz ehrlich, wer würde schon nach 'Warum bin ich in meinem Job so glücklich?‘ oder 'Wie bin ich nur zu so einem Traumjob gekommen‘ suchen? (Wer die Antwort darauf hat, bitte unbedingt melden!) Das ist beinahe so, wie mit einer Restaurant-Bewertung. War der Restaurantbesuch mehr als befriedigend, gehe ich zufrieden nach Hause und erzähle gegebenenfalls meinen 50 Instagram-Freunden davon. Ist man mit Speis und Trank jedoch nicht zufrieden, dann hagelt es schlechte Kritik und dies auf allen Bewertungsplattformen die man nur finden kann. Negatives nehmen wir Menschen ganz einfach besser auf als Positives. Aus psychologischer Sicht hat dies mit unseren Vorfahren aus der Steinzeit zu tun. Diese mussten sich gefährliche Tiere oder giftige Pflanzen einprägen, denn davon hing ihr Leben ab. Heute sind diese negativen Gedanken oft ein Klotz am Bein und machen uns das Leben nicht gerade einfacher.

Der Arbeitsklima Index 2020 der Arbeiterkammer zeigt auf, dass die Kluft zwischen den zufriedenen und den unzufriedenen Arbeitnehmern immer größer wird. Hierbei spielt laut dem Index mitunter die Ausbildung eine essenzielle Rolle. 20% der Personen, die nach dem Pflichtschulabschluss keine Ausbildung absolviert haben, zählen zu den Unzufriedensten im Land. Nicht zu unterschätzen ist das Gefühl der Isolation und Einsamkeit am Arbeitsplatz. Neben psychischem und physischem Stress sind dies die Faktoren, die sich besonders negativ auf die Arbeitszufriedenheit auswirken.

Warum wir (manchmal) mit unserem Job einfach unzufrieden sind 

Einige werden sich bei der Frage nach dem Grund für die Abneigung gegen die eigene Arbeit nur fragen: "Wo soll ich anfangen?“.  An der London School of Economics wurde im Jahr 2018 eine Studie zum Thema 'Happiness at work‘ veröffentlicht. Im Zuge der Untersuchung wurden 20.000 Personen zum Thema ‚Glücklich im Job‘ gefragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen dann zufriedener im Job sind, wenn sie Mitspracherecht haben. Des Weiteren sind eine abwechslungsreiche Tätigkeit, herausfordernde Aufgaben und ein gutes Betriebsklima essenziell. Auch die Aussicht auf eine Beförderung lässt das Glücksempfinden steigen.

Wer einfach einmal die Ohren spitzt und den Kollegen und Kolleginnen bei der täglichen Kaffeepause zuhört, der erfährt so einiges zum Thema Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Gesagt und getan. Beim Mittagessen rechnet ein Kollege emsig vor sich hin. Seiner Kalkulation nach verbringen wir über 80.000 Stunden unseres Lebens in der Arbeit. Einige sogar mehr, denn hier geht er von einem Studienabschluss sowie dem ersten 40-Stunden-Job mit Anfang 20 aus. Nachdem sich die Gesichter der Anwesenden wieder entspannen (bei der Zahl 80.000 schluckt wohl jeder erst einmal), dauert es nicht lange, bis eine Kollegin in den 30ern ein Thema anspricht, welches generationsübergreifend für viele Fragezeichen sorgt: die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit.

Über die Sinnsuche in der Arbeitswelt

Und dann ist Stille im Raum, denn entweder haben schon einige über die Sinnhaftigkeit ihres Arbeitsalltags nachgedacht, oder die Negativspirale beginnt in diesem Augenblick einzusetzen. Doch was hat es mit der Suche nach dem Sinn auf sich?

In einem Interview auf blog.tirol erzählt die Psychologin Tatjana Schnell, Leiterin des Fachbereichs 'Empirische Sinnforschung‘ in Innsbruck, dass in der Arbeitswelt die Sinnhaftigkeit schnell wackelt. So reicht es, wenn eine Kleinigkeit am Arbeitsplatz nicht passt.  Diese Sinnsuche ist laut der Psychologin nicht gut: „Wenn wir nur suchen und nicht handeln, wenn wir im Grübeln verharren, ist das kontraproduktiv. Dennoch sind solche Phasen des Grübelns auch wichtig. Dazu gehört, sich mit dem auseinanderzusetzen, was Angst macht“.

Wenn es um die Arbeitswelt geht, dann spielen vor allem Ängste vor Veränderungen und vor dem Scheitern eine große Rolle. So erzählt dann eine Kollegin in der Mittagspause, dass nach dem Lehrabschluss plötzlich die Sinnsuche begann. Diese machte sich durch einen inneren Kampf zwischen dem 'Ich-will-mehr‘ sowie dem 'So wie es ist, ist es ja auch ganz OK‘ und dem 'Soll ich wirklich wieder von Anfang beginnen‘ bemerkbar. Und wohin hat sich ihre Reise dann entwickelt?

„Wenn’s dir nicht gefällt – mach neu!“, antwortet sie mit einem Lächeln auf den Lippen und spielt damit auf die Single des deutschen Rappers Peter Fox hin. „Du kannst in der Negativspirale stecken bleiben und vor allem die Augen verschließen, oder du siehst die Chancen, die hinter Veränderungen stecken“, fügt sie noch hinzu.

Wir können nicht alle die Welt retten

Wie schon Johann Wolfgang von Goethe schön zusammenfasst:

Das Leben gehört den Lebendigen, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.

Wer im Job unglücklich ist oder bereit für eine Veränderung ist, sollte nichts überstürzen. Es geht auch nicht darum, bei jeder Krise kopflos eine Veränderung zu erzwingen. Wer mit der aktuellen Jobsituation unzufrieden ist, muss auch nicht unbedingt gleich den Job kündigen. Es reicht oft schon, mit dem Vorgesetzten über Veränderungen zu sprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Mehr Flexibilität in der Arbeit oder eine vom Unternehmen geförderte Weiterbildung kann schon dabei helfen, wieder mehr Bedeutung und Relevanz im beruflichen Tun zu sehen und so wiederum motivierter und produktiver zu arbeiten.

Es gibt nicht so viele Jobs, in denen ich die Welt retten kann. Arbeit ist heute meist Broterwerb. Das kann Kompromisse verlangen – die jedoch nicht unseren Werten widersprechen sollen.

So Schnell in einem Interview mit welt.de.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 07.04.2020 um 03:01 auf https://www.salzburg24.at/leben/gedanken-zur-arbeitswelt-80-000-stunden-arbeitszeit-sinnkrise-inkludiert-83930530

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