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Karriere - Der erste Eindruck

Ich weiß nicht warum, aber ich mag dich nicht

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Schuld am Schubladendenken ist laut der Wissenschaft der Halo-Effekt. Wer sich dem Wahrnehmunsfehler bewusst ist, kann versuchen daran zu arbeiten.

Unser Gehirn verzerrt unsere Wahrnehmung und so bilden wir uns im Bruchteil einer Sekunde eine Meinung über unser Gegenüber. Dieser Wahrnehmungsfehler tritt im privaten und beruflichen Umfeld auf und beeinflusst den Gesamteindruck, welchen wir von einer Person bekommen. Bei Verkaufs- oder Bewerbungsgesprächen liegt die Herausforderung daher darin, das erste Treffen bestmöglich für sich zu nutzen.

Auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch, Kundentermin oder zum Treffen mit dem potenziellen nächsten Lebensabschnittspartner, huscht das allseits bekannte Sprichwort ‚Der erste Eindruck zählt‘ in den Gedanken umher. Gefolgt von dem Wissen, dass es oft keine zweite Chance gibt beziehungsweise es viel Aufwand kosten würde, den negativen ersten Eindruck zu wandeln.

Viele Studien weltweit beschäftigen sich mit dem ersten Eindruck und welche Reize dabei eine tragende Rolle spielen. Wie entscheiden Menschen im Bruchteil einer Sekunde, ob jemand kompetent, freundlich oder seriös wirkt? Die Wissenschaft geht mitunter davon aus, dass es sich bei der schnellen Meinungsbildung um eine Art Überlebensmechanismus handelt. Der erste Blick entscheidet, ob jemand Freund oder Feind ist.

Der Psychologe Alex Tondorov von der Princeton Universität hat im Zuge einer Studie herausgefunden, dass die Studienteilnehmer mit einer 70%igen Wahrscheinlichkeit den Ausgang politischer Wahlen vorausgesagt hatten. Die Teilnehmer bekamen Fotos der Kandidaten vorlegte. Nach einem kurzen Blick musste sie entscheiden, wen sie bei Wahlen ihre Stimme geben würde. Es ist also davon auszugehen, dass Menschen sich stark vom Aussehen, speziell vom Gesicht, beeinflussen lassen. Diese Annahmen können jedoch zu einem falschen Gesamteindruck führen, da wichtige Informationen ignoriert werden.

Schon vom Halo-Effekt gehört?

Der Halo-Effekt (Heiligenschein-Effekt) ist ein Begriff aus der Psychologie, welcher einen Wahrnehmungsfehler beschreibt. Wenn wir das erste Mal auf eine Person treffen oder ein Foto von jemanden sehen, dann geben wir einer dominanten Eigenschaft so viel Wert, dass sie alles andere überschattet und unsere Urteilskraft stört. Dominate Auffälligkeiten können sich im Gesicht befinden, es kann die Kleidung sein, eine Behinderung oder spezielle Umgangsformen.

Ein Beispiel: Wir treffen in der Kantine des neuen Arbeitgebers auf den CEO des Unternehmens. Er nimmt mit einer kurzer Hose, T-Shirt und Kappe sein Mittagessen zu sich. Was sich jetzt viele von uns vorstellen ist ein gemütlicher Chef, der gerne früher nach Hause geht um mit seinem Longboard ein paar Runden zu drehen. Das Unternehmen hat er vermutlich vom Vater übernommen, welcher für seinen Erfolg noch hart gearbeitet hat. Der Sohn wirft vermutlich das Geld aus dem Fenster und treibt durch undurchdachte Investitionen die Firma in den Ruin. Das Kopfkino ist perfekt und der CEO wurde in eine Schublade verfrachtet.

Wir sehen nur das, was wir durch unsere üblichen Denkmuster sehen möchten und führen uns damit oft in eine völlig falsche Richtung. Nur weil der CEO einen ungewohnt legeren Kleidungsstil bevorzugt heißt dies nicht, dass er nicht die Kompetenz hat ein Unternehmen aufzubauen und/oder zu leiten.

Jeder kann sich an einem Moment erinnern, an welchen der Halo-Effekt die Wahrnehmung verzerrt hat. Jetzt wo man weiß, dass der Halo-Effekt wirklich existiert, kann man sich der Irreführung bewusst werden, indem beim nächsten 'ersten Eindruck' mehrere Eigenschaften einer Person beurteilt werden bevor ein Gesamteindruck entsteht. Doch leider ist es in der Praxis leichter, Menschen in Schubladen zu packen und den Halo-Effekt wirken zu lassen.

Bei Vorstellungs- oder Verkaufsgesprächen kann der Halo-Effekt auch von Nutzen sein. Ist einem die Sympathie des Gegenübers sicher, dann erstrahlt meist die ganze Person in einem guten Licht. So können die Vorzüge der eigenen Person oder eines Produkts beziehungsweise einer Dienstleistung subtil herausgestrichen werden. Jedoch sollte man darauf achten, den Heiligenschein nicht zu offensichtlich über dem eigenen Haupt erstrahlen zu lassen oder gar in die Versuchung zu kommen beeindruckende Merkmale herauszustreichen, die nicht existieren.

5 Tipps um einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen

In der Psychologie geht man davon aus, dass Menschen ihre Meinung nach einem ersten Eindruck nicht revidieren. Auch wenn diese der beurteilten Person nicht gerecht wird, gibt es meist keine zweite Chance. Daher ist es wichtig, bei Terminen wie Bewerbungs- oder Verkaufsgesprächen, den ersten Moment bestmöglich für sich zu nutzen.

Das ein gepflegtes Erscheinungsbild und die Körpersprache beim ersten Aufeinandertreffen eine entscheidende Rolle spielen, ist spätestens seit der Erklärung des Halo-Effekts klar. Die Wahl der Kleidung ist ein wichtiges Instrument, genauso ein fester Händedruck und Blickkontakt. Über diese Dinge findet man im Internet eine Vielzahl an Informationen. Doch wie hinterlässt man abseits des Üblichen einen bleibenden positiven Eindruck und was sagt die Wissenschaft dazu?

  • Der Weg ist das Ziel

Bei Produkt- oder Unternehmenspräsentationen oder Vorstellungsgesprächen wird gerne von den großen Erfolgen gesprochen. Was jedoch wirklich interessiert, ist laut einer im Magazin Basic and Applied Social Psychology veröffentlichten Studie der Professorin Janina Steinmetz nicht das Ziel, sondern der Weg. Welche Steine wurden beim letzten Projekt überwunden? Welchen Herausforderungen hat man sich beim letzten Arbeitgeber gestellt? Welches harte Training hat man sich selbst auferlegt um am Ende die Marathonlauf zu schaffen?

Es macht einen großen Unterschied, ob man sich als erfolgreiches Wunderkind präsentiert oder als engagierter und hart arbeitender Querdenker, der für jedes Problem eine Lösung findet.

  • Gemeinsamkeiten finden und Vertrauen schaffen

Wer mit seinem gegenüber Gemeinsamkeiten findet hat gute Chancen, in Erinnerung zu bleiben und einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Wir fühlen uns zu Menschen hingezogen, die uns ähnlich sind.

  • Fokus auf das Gegenüber legen

Der Harvard Business Review schreibt, dass man beim ersten Aufeinandertreffen nicht prahlen, sondern eine Konversation starten soll, die in Erinnerung bleibt. ‚Zuhören statt reden‘ – so lautet die Devise. Dies trifft vor allem bei Kunden- und Verkaufsgesprächen zu. Wenn sich das Gegenüber wertgeschätzt fühlt und merkt, dass man sich für die Person und deren Bedürfnisse wirklich interessiert, dann wird das Gespräch mit positiven Gefühlen assoziiert. Das Gegenüber bleibt somit in guter Erinnerung.

  • Bleib du selbst

Während eines Treffens ist es wichtig, immer authentisch zu bleiben. Wer zu berechnend und falsch wirkt, hinterlässt beim Gesprächspartner kein vertrauenswürdiges Gefühl. Bei überraschenden Fragen nicht aus dem Konzept bringen lassen und sich falsche Antworten aus dem Hut zaubern. Ehrlich bleiben und versprechen, mit den gewünschten Antworten wieder auf den Gesprächspartner zurückzukommen.

  • Positive Einstellung

An der Universität Waterloo wurde DAS Rezept für einen guten ersten Eindruck gefunden. Es ist eigentlich ganz simpel und hat nur eine Zutat: Die richtige Einstellung. Wer mit dem Gedanken, von dem Gegenüber akzeptiert zu werden, in ein Gespräch startet,  hat bessere Chancen als jemand, der mit einer Abfuhr rechnet. Als Grund wird das eigene Verhalten durch die negative Einstellung zur Situation angeführt. Wer mit einer Absage rechnet, agiert distanzierter und kühler, während Personen die mit Akzeptanz rechnen, Wärme und Offenheit vermitteln.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 23.05.2019 um 08:36 auf https://www.salzburg24.at/leben/karriere-der-erste-eindruck-ich-weiss-nicht-warum-aber-ich-mag-dich-nicht-68979490

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