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Deine Stimme ist ein mieser Verräter

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Privat und beruflich spielt beim ersten Eindruck neben der Optik, Mimik und Gestik, auch die Stimme eine tragende Rolle.

Die Laute aus dem Mund sagen mehr über uns aus, als uns in gewissen Situation lieb ist. Frauenstimmen haben sich durch die 'neue Rolle der Frau' in den letzten Jahrzehnten signifikant geändert. Personen mit tiefe und kräftige Stimmen wirken vertrauenswürdig, kompetent und strahlen Durchsetzungsvermögen aus. Lassen sich Stimmen bewusst trainieren um privat und beruflich anders wahrgenommen zu werden?

Die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher hat früh erkannt, dass die richtige Stimme die richtige Wirkung erzielt. Durch gezieltes Sprech- und Stimmtraining hat Thatcher ihre Stimme gesenkt um sich in der männerdominierten Politik besser durchzusetzen.

Wie die Stimme wirkt

Tiefe Stimmen wirken attraktiv und strahlen vor allem bei Männern Kompetenz und Erfolg aus. Diverse Studien haben sich mit der Wirkung der Stimme befasst und sogar festgestellt, dass Führungskräfte mit tieferen Stimmen durchschnittlich größere Unternehmen führen und mehr Geld verdienen. Eine Studie der Universität von Miami fand anhand eines Experiments mit Tonbandaufnahmen heraus, dass Sprecher mit tieferen Stimmen dominanter und vertrauenswürdiger wirken und daher für wichtige Positionen, wie zum Beispiel in der Politik, als geeigneter angesehen werden. Das Experiment zeigt, dass Menschen sich alleine durch den Klang der Stimme ein Bild von einer Person machen.

Der gesamte Körper beeinflusst den Klang der Stimme. Bauch, Brust, Lunge, Rachen, Zwerchfell, Nasenhöhle, etc. - alle leisten einen Beitrag um einen Ton zu produzieren. Der oberste Teil der Luftröhre ist der Kehlkopf, welcher aus Knorpel besteht. Durch ihn strömt die Luft, vorbei an zwei Stimmbändern. Sind die Stimmbänder entspannt, so fließt die Luft ungehindert durch die Luftröhre. Wenn wir sprechen, spannen sich die Stimmbänder an und verschließen die Luftröhre bis auf einen kleinen Spalt, die Stimmritze.  Die Luft zwängt sich an den Stimmbändern vorbei und bringt diese in Schwingung. Voilá – ein Ton entsteht.

Wie der Ton klingt, hängt von der Länge und Stärke der Stimmbänder ab. Männer haben meist längere Stimmbänder und daher eine tiefere Stimme als Frauen. Wenn sich die Stimmbänder im Teenageralter verändern und länger und stärker werden, dann ist bei Jungs vom Stimmbruch die Rede.

Frauen sprechen tiefer

Frauen mit hohen Stimmen wirken auf das andere Geschlecht attraktiver und im Kopfkino sieht man(n) automatisch eine zierliche Gestalt, was sogleich den Beschützerinstinkt hervorruft. Doch Forscher der Universität Leipzig haben herausgefunden, dass sich die weibliche Stimme in den letzten 100 Jahren signifikant verändert hat. Im Schnitt sprechen Frauen mit 165 Hertz und Männer mit 110 Hertz. Der Abstand zu den Männern hat sich damit laut dem Studienleiter Professor Fuchs, vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten halbiert. Biologische und hormonelle Veränderungen konnte das Team als Grund ausschließen.

Laut der Untersuchung ist vielmehr das 'neue' Rollenbild der Frau die Ursache für die Veränderung. Das weibliche Geschlecht ist heute selbstbewusster und beruflich erfolgreicher und dies wirkt sich auch auf die Stimme aus. So sind in Japan Frauenstimmen am höchsten, weil es dort als Schönheitsideal gilt. In Skandinavien, wo die Gleichberechtigung besonders fortgeschritten ist, sind die Frauenstimmen am tiefsten.

Wie uns die Stimme verrät

Extrovertierte Personen sprechen oft lauter und deutlicher als introvertierte Menschen. Nervosität, Anspannung, Freunde – Emotionen verändern unsere Stimme und machen uns für das Gegenüber zu einem offenen Buch. Sind wir traurig, wird die Stimme leiser und gedämpfter. Sind wir innerlich aufgewühlt, wird die Stimme automatisch höher und brüchiger.

Unsere Stimmlage verändert sich unbewusst. Je nachdem, mit wem wir gerade kommunizieren. So hebt sich unsere Stimme wenn wir mit dominanten Personen sprechen, wie zum Beispiel dem Chef oder einem Lehrer. Das kann ein Zeichen von Ergebenheit sein um dem Zuhörer zu zeigen, dass von einem selbst keine Gefahr ausgeht, erklärt Dr. Viktoria Mileva von der Universität in Stirling.

Mit der richtigen Stimme zum Erfolg

Privat und beruflich spielt beim ersten Eindruck neben der Optik, Mimik und Gestik, auch die Stimme eine tragende Rolle. Im Kopf des Gegenübers entsteht im Bruchteil einer Sekunde ein Gesamteindruck. Bei wichtigen Terminen wie Bewerbungsgesprächen, Gehaltsverhandlungen oder Kundengesprächen ist es daher von Vorteil, wenn man sich vorab der Wirkung der eigenen Stimme bewusst wird.

Jetzt wo man weiß, dass vor allem tiefere Stimmen gerne gehört werden und einen positiveren Eindruck hinterlassen ist es jedoch nicht empfehlenswert, die Stimme beim nächsten Gespräch übermäßig zu verstellen. Das strapaziert die Stimmbänder und kann auf Dauer nicht durchgehalten werden. Eine bewusst veränderte  Stimme wirkt schnell unnatürlich und unmelodisch und irritiert die Zuhörer.

  • Vor einem wichtigen Termin macht es Sinn, sich mit beiden Beinen auf den Boden zu stellen und ein paar Mal tief durchzuatmen. So lässt die Nervosität vor einer Präsentation oder einem Jobinterview nach und die Stimmbänder entspannen sich. Unter Stress verkürzt sich die Atmung und die Stimme wird höher.
  • Der Körper hat eine große Wirkung auf die Stimme. Bei Verkrampfungen, Verspannungen oder Verbiegungen und Verkrümmungen, reduziert sich auch die Wirkung der Stimme. 
  • Mimik und Gestik bewusst einsetzen, denn auch sie beeinflussen die Art und Weise wie wir sprechen.
  • Je sicherer man sich fühlt, desto entspannter ist der Körper und somit auch die Sprachmelodie. Bei Unsicherheit und Ungeduld neigen wir dazu, höher und schneller zu sprechen. 

Wie uns Margaret Thatcher und eine Vielzahl an Moderatoren und Schauspieler beweisen, ist es möglich die Stimme zu trainieren um eine andere Außenwirkung zu erzielen. Das setzt aber viel Übung voraus, denn die Stimme sollte nicht nur anders, sondern auch natürlich und sympathisch wirken. Sprachtrainer oder Kurse zur Stimmbildung können individuell an den stimmlichen Defiziten arbeiten und dabei helfen, sich privat uns beruflich in ein neues Licht zu rücken. So klappt es beim nächsten Verkaufs- oder Bewerbungsgespräch auch mit der Stimme!

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 19.10.2019 um 07:11 auf https://www.salzburg24.at/leben/karriere-erfolg-deine-stimme-ist-ein-mieser-verraeter-68982589

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