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Mag ich, mag ich nicht

Was Bewertungen auf Social Media mit uns machen

Zwischen Zugehörigkeit und Individualität

Symb_Bewertung Symb_Like Symb_Dislike pixabay
In Form von Likes und Dislikes bewerten wir in den sozialen Medien Inhalte, Produkte oder Personen. (SYMBOLBILD)

Mit Bewertungen sind wir im Alltag ständig konfrontiert, vor allem auf Social Media. Aber was macht das mit uns? Und wieso setzen wir uns dem überhaupt aus?

Gefällt mir, gefällt mir nicht. Daumen hoch, Daumen runter. In den sozialen Medien wird bewertet, was das Zeug hält. Egal ob Restaurant, Autowerkstatt oder Mensch. Wieso sind diese Bewertungen so wichtig für uns?

 

Konsument vs. Person

Vicky König, Dozentin für Sozialpsychologie an der Uni Salzburg, erklärt im SALZBURG24-Interview, dass man hier differenzieren müsse: „Als Konsument verlasse ich mich auf Bewertungen, weil ich mich informieren will. Den Bewertungen wird also ein gewisser Wert zugesprochen, weil sie hilfreich sind.“

 

Positive Bewertungen bringen Sicherheit

Wenn wir aber selbst bewertet werden, sei das ein „zweischneidiges Schwert“. Einerseits würden wir Informationen aus der Umwelt heranziehen, um eigene Einstellungen und Verhalten zu überprüfen: „Verhalte ich mich richtig? Mögen mich die anderen?" Wird das eigene Verhalten bestätigt und von anderen positiv bewertet, bringe das Sicherheit.

"Emotionaler Puffer" nötig

Zugleich sei aber ein „emotionaler Puffer“ wichtig, damit wir auch mit negativem Feedback umgehen können, betont die Expertin. „Ich sollte Negatives nicht von vorne herein abblocken, aber mir die Dinge auch nicht zu sehr zu Herzen nehmen.“ Wer negative Rückmeldungen zu nah an sich heran lasse, laufe nämlich Gefahr, angstgetrieben zu handeln. Die zentrale Frage, die man aus wissenschaftlicher Perspektive stellen müsse, laute also: „Wie integriere ich Informationen von außen in mein Selbstbild und meinen Selbstwert?“

Wunsch nach Kontrolle 

Hierbei spiele das Bedürfnis nach Kontrolle eine zentrale Rolle, führt König aus. Im Falle eines Kontrollverlusts werde im Gehirn das Alarmsystem aktiviert: „Der Fokus verengt sich. Ich achte dann nicht mehr auf die positiven Dinge, sondern verstärkt auf das Negative.“ Gerade, wenn man schlechte Bewertungen nicht erwartet hat, fühle sich das mies an, weiß die Sozialpsychologin. Wir bräuchten also von vorne herein das Gefühl, die Situation kontrollieren zu können.

 

Gruppenzugehörigkeit als Motivation

Dass wir uns trotzdem Bewertungen aussetzen, führt König auf den Wunsch nach sozialer Eingebundenheit in eine Gruppe zurück: „Ich will zu anderen dazu gehören. Wenn sie sagen, was sie mögen, fällt es mir leichter, das herauszufinden.“ Jeder wolle ein attraktives und wertvolles Mitglied der Gruppe sein, zum Beispiel, weil sich die anderen gerne mit einem unterhalten.

Youtube stellt Dislike-Anzahl aus

Um zu verhindern, dass negatives Feedback in Mobbing ausartet, ist auf Youtube seit einiger Zeit die Zahl der „Mag ich nicht“-Klicks ausgestellt. Ob das tatsächlich hilft, sei schwer zu sagen. Gerade jene, die ohnehin sensibel sind, könnte die Maßnahme sogar noch mehr verunsichern, vermutet König. Eher müsse man sich die Frage stellen, weshalb die Plattform überhaupt so programmiert ist, dass ein Dislike gegeben werden kann: „Welche Information wird dadurch vermittelt?“

 

Aktive Entscheidung gegen Norm

Auch bei Instagram haben User die Möglichkeit, Likes und Kommentare zu deaktivieren. Wer sich dazu entscheidet, „handelt präventiv. Ich entziehe mich aktiv der Info, die ich haben könnte. Das ist ein spannender Entscheidungsprozess im Hirn. Denn ich verhalte mich nicht wie die Norm, sondern entscheide mich bewusst dagegen.“ Sich selbst damit auseinanderzusetzen, wieso man die Bewertungen ausstellt, könne sehr anstrengend sein. Nicht immer sei die Antwort bloß, dass man zu schwach sei. Ein Grund könnte auch sein, dass einem die Bewertungen einfach nicht gut tun. Dann müsse man abwägen: „Um mich aufzuwerten, muss ich die Zugehörigkeit abwerten.“

Psychische Gesundheit auf Social Media beachten

Grundsätzlich meint König aber: „Wir können nicht ohne Bewertungen. Richtig gefährlich wird es, wenn rein logisch und kognitiv gehandelt wird.“ Ein Lob einer Kollegin für mein Outfit sei auch eine Bewertung, werde aber ganz anders wahrgenommen und sei eben nicht in einer Zahl messbar. „Wenn wir glauben, unser Leben und Erleben durch Zahlen messbar zu machen, verlieren wir ein Stück unserer psychischen Gesundheit.“ Deshalb rät die Sozialpsychologin abschließend, neben dem realen Leben auch besonders auf Social Media achtsam zu sein.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 24.01.2022 um 07:03 auf https://www.salzburg24.at/leben/lifestyle/bewertungen-in-sozialen-medien-das-sind-die-auswirkungen-114395506

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