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Der lange Weg zum Song Contest als "große Chance"

Johann Sebastian Bass sehen sich im "Elektrokoko" Salzburg24
Johann Sebastian Bass sehen sich im "Elektrokoko"

Rockige Klänge, französisches Chanson, Urban Pop oder barocke Anleihen: Die Suche nach dem heimischen Kandidaten für den Eurovision Song Contest (ESC) ist in vollem Gange. Am Dienstag mussten sich die 16 zur Auswahl stehenden Acts bereits vor den Fernsehkameras beweisen. Die Aufzeichnung der ersten Vorausscheidungsshow im ORF-Zentrum wurde dabei durch die Bank als "große Chance" wahrgenommen.

"Es wäre ein Wahnsinn, Österreich beim Song Contest vertreten zu können", erklärte etwa die 18-jährige Sängerin Zoe, die sich von "der Vielfalt der Genres" angetan zeigte. Der Weg bis zum Finale am 23. Mai in der Wiener Stadthalle ist allerdings noch sehr lang: Die 16 Kandidaten der ersten Show (zu sehen am 20. Februar auf ORF eins) werden nämlich auf sechs reduziert, die in der Folge mit Coaches, Songwritern und Produzenten den Beitrag für Österreich auf die Beine stellen sollen. Und erst am 13. März wird die Frage "Wer singt für Österreich?" beantwortet werden.

Trotz des großen Publikums, dem man sich in der Vorauswahl präsentieren darf, war die Entscheidung für eine Teilnahme aber nicht für alle so selbstverständlich. "Diskussion ist milde ausgedrückt, es waren schon eher Streitereien", blickte Thorsten von Kommando Elefant zurück. Letztlich habe man das Abenteuer aber gewagt, "und wir sind jetzt sehr zufrieden". Die oberösterreichische Folkshilfe machte sich indes keinen Druck: "Sollten wir nicht weiterkommen, geht die Welt nicht unter", so Florian, der für Gesang und "Quetschn" zuständig zeichnet.

Vom frühen Nachmittag bis in den Abend hinein herrschte ein Kommen und Gehen im großen Aufnahmestudio des ORF: Während sich eine Band der verteilt im Publikum sitzenden Jury stellte, die die Auswahl der sechs potenziellen ESC-Starter trifft, sah sich der Rest den Journalisten gegenüber. "Man ist schon ein bisschen kribbelig", gestand Kathi Kallauch. "Es ist einfach so ein Gewusel und sehr aufregend." Und auch die Wiener Band Dawa artikulierte "eine Spur Lampenfieber", wobei es Sängerin Barbara vor allem um "Ehrlichkeit, Spaß und Freude" ging.

Dem Motto "Building Bridges" sah sich die Formation Tandem verpflichtet: "Beim Song Contest bringt jedes Land kulturell etwas mit. Bei uns umfasst das Kroatien, Burgenland und Wien", so Sängerin Kiki. "Man kann viel von anderen lernen und sollte über den Tellerrand schauen, was bei all dem Wahnsinn und Stress oft schwer fällt." Den "Zeitgeist" wollen hingegen wo/Men treffen, mit "handgemachter, österreichischer Popmusik". In der Vorausscheidung bediente man sich dabei dem Pharrell Williams Stück "Happy" - eine von insgesamt nur zwei Coverversionen. Mit deutschsprachigem Pop hoffte Songwriter Lemo bei der Jury zu punkten. "Das würde wohl ungefähr zum Song Contest passen", lachte er.

Dass es darüber recht unterschiedliche Ansichten gibt, zeigte sich in der Pause der Aufzeichnung, als die Coaches erste Bilanz zogen. "Nieten sind keine dabei", meinte Sascha Vollmer von The BossHoss einigermaßen diplomatisch. "Alle haben etwas, alle sind talentiert." Weniger zufrieden mit den ersten Darbietungen war Nazar, für den "90 Prozent megalangweilig" waren. Allerdings relativierte der Rapper sein Urteil am Ende des Tages. Für die Coaches sei wichtig, dass die Acts eine gewisse Basis mitbringen und sie den Künstlern mit ihrer Erfahrung zur Seite stehen können. "Und wir haben definitiv drei bis vier Leute dabei, die auf diesem Weg sind."

"Von 16 werden sechs weiterkommen, und das werden die Besten sein", pflichtete ihm Alec Völkel, zweite Hälfte der deutschen Band The BossHoss, bei. "In erster Linie muss man schauen: Wo bleiben wir hängen und haben diesen Aha-Moment? Wenn das jemand bei uns auslöst, dann vielleicht auch bei anderen." Sängerin Anna F. sprach davon, den Künstlern ein paar "moderne Elemente" in die Hand zu geben. Immerhin einige Acts verdienten von ihr die Bewertung "cool".

Das Urteil der Coaches stand bei der ersten ORF-Show aber ohnedies nicht im Vordergrund, sondern jenes der knapp 20-köpfigen Jury: Sie war es, die über Aufstieg oder Fall entschied. Die sechsköpfige Formation Mizgebonez wollte dabei mit "Action und guter Laune" überzeugen. Der Eurovision Song Contest (ESC) sei laut MC Dreista ein Bild dessen, "was Europa gerade musikalisch zu bieten hat".

Vielleicht ist hier ja ein "moderner Mix aus Black Music" gefragt, wie ihn die Royal Kombo versteht. "Wir sitzen voller Freude da und lassen das Ganze auf uns zukommen", so Vokalist Rekall. "Der Song Contest ist einfach eine große Nummer." Aber nicht nur der Event selbst sei eine Herausforderung, auch Vorgängerin Conchita Wurst habe "gscheid vorgelegt", wie es Dominic von den Rockern The Makemakes formulierte.

Etwas unentschlossen wirkten Renato Unterberg. "Wir schauen gerade, was der Song Contest für uns bedeutet", schmunzelte Leadsänger Renato. "Das weiß ich nach dem heutigen Tag." Aber Sprungbrett bleibt Sprungbrett, glaubt man zumindest Clara Blume: "Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder man bleibt im Underground und trägt auf ewig seine Instrumente selbst, oder man schafft den Sprung." Den Kopf trotz solcher Gedankenspiele frei halten wollte sich Sängerin Celina Ann: "Man blockiert sich nur selbst, wenn man viel weiter vorne ist, als in der Realität."

Das Spiel mit Wirklichkeit und (historischer) Fiktion liegt wiederum dem Trio Johann Sebastian Bass, das sich dem "Elektrokoko" widmet und dank seiner Perücken optischer Hingucker war. "Wahrlich sind wir die Paradiesvögel. Aber es sollte eigentlich die Qualität der musikalischen Darbietung im Vordergrund stehen", so Johann Martinus Bass. Was in einem neuen Umfeld aber nicht immer ganz einfach sein dürfte, wie The Su'sis meinten. Das Medium Fernsehen war für die drei jungen Frauen Neuland. "Da gibt es viele Eindrücke und Aspekte, die wir nicht kennen", erklärte Suzanne. "Einfach viele Fragezeichen, die ich gern beantwortet hätte."

So geht es wohl auch dem Publikum im "Jahr eins nach Conchita", wie es ORF-Redaktionsleiterin Stefanie Groiss ausdrückte. Denn immerhin dauert es noch mehr als zwei Monate, bis die sechs Kandidaten, die die erste Hürde geschafft haben, auch allgemein bekannt sind. Der ORF will mit der Vorausscheidung einen Überblick über die heimische Musikszene bieten. "Und die ist in erster Linie diverser und valider, als wohl vielen denken." Beim Scouting stand dementsprechend im Vordergrund, "keine Schere im Kopf zu haben".

Sind die sechs Namen einmal bekannt, darf das Fernsehpublikum diese Künstler in den weiteren Shows in ihrer Entwicklung begleiten und beim Erarbeiten von zwei potenziellen Song Contest-Stücken beobachten. Im Finale, das wie alle Shows von Mirjam Weichselbraun moderiert wird, werden schließlich sechs Songs von sechs Acts zur Auswahl stehen. Wie man die Reduktion in Ausgabe drei bewerkstelligen wird, darüber wurde noch nichts verraten. "Wir haben uns aber etwas sehr Charmantes überlegt", so Groiss. ESC-Fans dürfen dem 13. März also gespannt entgegenblicken.

Aufgerufen am 26.03.2019 um 11:09 auf https://www.salzburg24.at/leben/musik/der-lange-weg-zum-song-contest-als-grosse-chance-46127311

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