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Schüchternheit

Das Selbstbewusstsein von Kindern stärken

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Bei schüchternen Kindern ist die tatkräftige Unterstützung der Eltern gefragt. Mit kleinen Gesten kann das Selbstbewusstsein des Nachwuchses gestärkt und die Unsicherheit gemindert werden.

"Jetzt sei doch nicht so schüchtern" - Unsicherheit drückt sich bei Erwachsenen und Kindern dadurch aus, dass scheinbar bedrohliche Situationen bewusst vermieden werden. Schüchterne Personen würden gerne mehr aus sich herauskommen, doch sie fühlen sich gehemmt und meiden den Mittelpunkt. Nicht zu verwechseln ist Schüchternheit mit Introversion. Doch wie können Eltern ihre zurückhaltenden Kinder unterstützen und stärken?

Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. Marie von Ebner-Eschenbach (1911)

Während manche Kinder gerne auf Gleichaltrige zugehen und den Austausch suchen, ziehen sich unsichere Kinder zurück und beobachten den Spielplatz von der Ferne. Während die einen es bevorzugen alleine zu spielen, leiden die anderen still vor sich hin. Dies sind jedoch nicht gleich Anzeichen dafür, dass das Kind generell kein Interesse an sozialen Kontakten hat oder womöglich sogar keine Gefühle zeigen kann. Viele Gefühle spielen sich bei unsicheren Kindern im Inneren ab und werden nicht nach außen getragen. Eltern stellt dies vor große Herausforderungen, die durch Beobachten, richtiges Handeln und Verständnis gemeinsam gemeistert werden können.

'Introvertiert' heißt nicht gleich 'schüchtern'

Meist wird Schüchternheit, Depression und Introversion in einen Topf geschmissen. Wenn sich die eigenen Kinder am Spielplatz nicht so verhalten wie der Rest, dann muss etwas nicht stimmen. Introvertierte Kinder sind nicht immer schüchtern. Oftmals entscheiden sie sich bewusst dafür, Zeit alleine zu verbringen und sind damit auch nicht unglücklich. Introvertierte Personen haben eine rege Gedankenwelt und gelten als besonders konzentriert und wissensdurstig. Sie ziehen sich nicht aus Unsicherheit von den anderen Kindern zurück, sondern weil sie mit den vielen Eindrücken und dem Lärmpegel im Kindergarten oder in der Schule überfordert sind.

Auch wenn sich introvertierte sowie extrovertierte Eltern wünschen würden, den Kindern diese 'Eigenschaft' abzugewöhnen, sei gesagt, dass Offenheit keine Fähigkeit ist, die man erlernen kann. Introversion kann sich aber durchaus bessern und Personen können im Erwachsenenalter offener auf Menschen zugehen und sich mit einst befremdlichen Situationen besser arrangieren. Den Mittelpunkt überlassen sie dann aber doch den anderen. Der ständige Kontakt mit Menschen und Tage ohne Verschnaufpause führen dazu, dass introvertierte Personen jeden Alters nach einer Auszeit lechzen und sich zurückziehen.

Es ist daher wichtig, dass Eltern und Kinder die Charakterzüge beobachten und akzeptieren und nicht versuchen, einen introvertierten Menschen zu ändern. Wenn Kinder nicht lernen sich selbst zu akzeptieren und anzunehmen wie sie sind und von den Eltern das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie ihren Vorstellungen nicht gerecht werden, kratzt dies enorm am Selbstwertgefühl.

Eltern sollten eine angemessene Balance zwischen Aktivitäten und Ruhezeiten finden. Kinder sollten nicht gänzlich von ‚unangenehmen‘ Situationen ferngehalten werden, doch Eltern und der Nachwuchs sollten sich gemeinsam neuen Herausforderungen stellen. Eltern werden die Anzeichen der Kinder lesen lernen und wissen, wie im Ernstfall zu reagieren ist. Wichtig ist es, die Anzeichen ernst zu nehmen und darauf zu reagieren.

Warum ist mein Kind so zurückhaltend?

Jedes Kind und jeder Erwachsene ist einmal schüchtern. An dieser Aussage gibt es nichts zu rütteln. Es kommt der Moment, in welchem jeder einmal am liebsten Reißaus nehmen möchte. Ob es bei der ersten Verabredung ist oder bei einer Präsentation vor vielen Menschen. Es trifft bestimmt jeden ab und an.

Kinder die schüchtern sind, brauchen ganz einfach Zeit. Sie wollen mit den anderen Kindern im Sandkasten spielen, wissen aber nicht genau, wie sie das Eis am besten brechen sollen. Schüchterne Kinder und Erwachsene stehen nicht gerne im Mittelpunkt, sprechen wenig über sich selbst und verlaufen sich in dem Gedanken, was das Gegenüber wohl von der eigenen Person hält. Der große Unterschied zu introvertierten Menschen liegt also darin, dass schüchterne Personen gerne offener auf Menschen zugehen würden und sich ohne Schamgefühl und Nervosität mitteilen möchten.

Forscher haben herausgefunden, dass bei schüchternen Personen das Angstzentrum im Gehirn aktiver ist als bei offeneren Menschen. Sie befinden sich daher ständig in Alarmbereitschaft und rüsten sich vor scheinbar gefährliche Situationen. Dies bedeutet für zurückhaltende Personen auch großen Stress, denn sie erkennen Gefahren, wo eigentlich keine sind.

Schüchternheit ist zum Teil genetisch bedingt oder hängt mit einem frühkindlichen Trauma zusammen. Doch auch später haben Eltern einen großen Einfluss auf die Schüchternheit ihres Kindes. Was unsicheren Personen am häufigsten fehlt, ist Selbstsicherheit. Eltern sollen darum keinen Druck auf das schüchterne Kind ausüben, sondern es zum passenden Zeitpunkt loben und dem Nachwuchs gut zusprechen. Mit Aussagen wie Sei doch nicht so schüchtern!wird das Verhalten verstärkt statt gebessert. Zurückhaltende Kinder brauchen den Rückhalt der Eltern. Sie dürfen den schüchternen Nachwuchs immer wieder an Erfolgserlebnisse erinnern und kleine Fortschritte würdigen.

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Wie kann ich das Selbstvertrauen meines Kindes stärken?

  1. Im Mittelpunkt sollen immer die Stärken des Kindes stehen und nicht die Schwächen und Fehler. Vor dem zu Bett gehen können die Erfolge des Tages nochmals besprochen werden – egal wie klein sie auch scheinen.
  2. Schüchterne Kinder sollen in keinen Sportverein gedrängt werden, doch Bewegung stärkt das Selbstbewusstsein. Eltern können mit dem Kind besprechen, welche Sportart es gerne probieren möchte und ein paar Schnupperstunden arrangieren. Das gibt auch den Eltern die Option den Trainer/ die Trainerin und den Ablauf besser kennenzulernen.
  3. Schüchterne Kinder sollen niemals wegen ihrer ‚Schwäche‘ unter Druck gesetzt werden. Wenn das Kind sich in einer Situation unwohl fühlt oder Angst hat, dann sollen Eltern dies akzeptieren und den Nachwuchs nicht durch unpassende Aussagen wie Jetzt stell dich nicht so an noch mehr verunsichern.
  4. Niemals sollen zurückhaltende Kinder mit Geschwistern oder Gleichaltrige aus dem Kindergarten oder der Schule verglichen werden. Jedes Kind ist anders und jedes hat ein eigenes Tempo bei der Entwicklung.
  5. Das Selbstvertrauen des Kindes wird dadurch gestärkt, dass man es auf positive Entwicklungsschritte hinweist. Zum Beispiel vor einem Monat hättest du dich das noch nicht getraut und jetzt….
  6. Gemeinsames Lachen hilft dabei zu entspannen und eine Situation nicht mehr ganz so ‚gefährlich‘ wirken zu lassen.
  7. Unsere Kinder kopieren uns, da heißt, auch Eltern müssen ein starkes Selbstbewusstsein haben um jenes ihrer Kinder stärken zu können. 
(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 15.12.2019 um 04:00 auf https://www.salzburg24.at/leben/schuechternheit-selbstbewusstsein-von-kindern-staerken-64939687

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