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Giftanschläge auf Kaiseradler werden häufiger

Desiree ist vermitlich vergiftet worden. APA/BIRDLIFE/MILANRAJIC
Desiree ist vermitlich vergiftet worden.

Die Vogelschutzorganisation BirdLife hat am Donnerstag vor den Folgen des Einsatzes verbotener Giftköder gewarnt: Jeder zweite mit einem Sender versehene Kaiseradler werde ein Opfer illegaler Verfolgung. Der jüngste Fall betreffe das im Juni 2017 im Nordburgenland besenderte Kaiseradler-Weibchen "Desiree", das am Sonntag tot in Serbien gefunden wurde. Auch hier wird Gift als Ursache vermutet.

BirdLife Österreich-Greifvogelexperte Matthias Schmidt hatte täglich die Telemetrie-Daten des Adlerweibchens überwacht. Am Sonntag sei "Desirees" Flugaktivität ganz plötzlich "auf Null" zurückgegangen. "Auch die Temperatur des Senders sank dramatisch", schilderte Schmidt. Serbische Kollegen des internationalen Projekts PannonEagle LIFE (dieses hat den länderübergreifenden Schutz des Kaiseradlers zum Ziel, Anm.), fanden schließlich den verendeten Greifvogel.

Kaiseradler möglicherweise Opfer von Gift

"Desiree lag relativ offen auf einem Acker in der Nähe der Stadt Apatin in Serbien. Die Füße waren verkrampft und Blut rann aus dem Schnabel", berichtete Milica Miskovic von Bird Protection Serbia. Die Todesursache werde derzeit noch untersucht, alles deute auf einen Giftanschlag hin.

Giftspürhunde suchen Tatort ab

Im Rahmen des Projekts PannonEagle LIFE untersuchen ungarische Vogelschützer mit den Giftspürhunden "Carlo" und "Falco" die Fundstelle in Serbien. Auch Drohnen werden eingesetzt. "Durch das Hinzuziehen der Hunde finden wir deutlich mehr vergiftete Tiere und Giftköder", so Gabor Deak von BirdLife Ungarn: "Dadurch können wir das Ausmaß eines Vergiftungsfalles besser dokumentieren und mehr Beweise sammeln".

Sieben Kaiseradler in Österreich vergiftet

BirdLife Österreich hat nach eigenen Angaben in den vergangenen sieben Jahren 20 Kaiseradler mit Sendern ausgestattet. Sieben von ihnen wurden Opfer illegaler Greifvogelverfolgung, so die nüchterne Bilanz der Vogelschutzorganisation. Von drei weiteren Tieren fehle jede Spur. Die illegale Verfolgung durch den Menschen sei für Kaiseradler in Mitteleuropa die "mit Abstand häufigste Todesursache".

"Desiree" gehörte zu besonders gefährdeter Art

"Desiree" war ein Östlicher Kaiseradler (Aquila heliaca) und gehörte damit zu einer weltweit bedrohte Art, die vor allem in den asiatischen Steppen verbreitet ist. Der Großteil der mitteleuropäischen Population brütet nach Angaben von BirdLife in Ungarn, in der Slowakei sowie in Österreich.

Großräumige Erkundungsflüge hatten "Desiree" ab September 2017 nach Ungarn, in die Slowakei und nach Tschechien geführt. Weitere Stationen waren Südungarn, Kroatien, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina, bevor das Adlerweibchen die Steiermark und Kärnten erkundete. In Summe habe "Desiree" bis zu ihrem Tod mehr als 4.200 Kilometer zurückgelegt, so Schmidt. Besonders wichtig für die Aufklärung derartiger Fälle sei die rasche Meldung eines Verdachts.

Meldestelle für tote Tiere

Wer tote Tiere, Fleischköder oder Ähnliches findet, kann dies über die "Birdcrime"-App sowie über die online-Meldeplattform bekanntgeben. Weitere Möglichkeiten bestehen per Mail sowie unter der Gift-Hotline: 0650/2734965.

(APA)

(Quelle: S24)

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