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"Brauchen mehr Unterstützung von Stadt und Land"

Tierrettungs-Chef Oswin Mair im Sonntags-Talk

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Oswin Mair von der Österreichischen Tierrettung im Sonntags-Talk mit SALZBURG24.

Seit Anfang der 2000er-Jahre ist die Österreichische Tierrettung mit Sitz in Salzburg aktiv. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, verletzten oder hilflosen Vierbeinern zu helfen und sie zu versorgen. Das kostet Geld und hat den Verein 2015 in die Pleite getrieben. Wie geht es dem Verein heute, warum braucht Salzburg eine Hundenotschlafstelle und wo mangelt es an Unterstützung für die Tierretter? Wir haben mit dem Chef der Österreichischen Tierrettung, Oswin Mair, gesprochen.

Die Österreichische Tierrettung ist im ganzen Land aktiv und hat ihren Sitz in der Moosstraße in der Stadt Salzburg. Der Verein stützt sich auf rund 300 Ehrenamtliche in Österreich, elf davon in Salzburg, und zählt rund 1.800 Einsätze und 2.400 Beratungsgespräche pro Jahr.

SALZBURG24: Herr Mair, warum braucht es überhaupt eine Tierrettung?

OSWIN MAIR: Die Tierrettung braucht es, um Lebewesen, die keine Lobby haben, eine Stimme zu geben und ihnen zu helfen, wenn sie in Not oder schwierigen Situationen sind. Das ist unser Credo und das machen wir aus dem Herzen heraus.

Was genau bedeutet das?

Die Anforderungen an uns sind mannigfaltig. Zum Beispiel unterstützen wir die Behörden bei Delogierungen, wo Tiere involviert sind, Kontrollen von Nutztiertransporten und beim Fund von ausgesetzten Tieren. Zusätzlich werden wir bei verletzten oder verunfallten Tieren alarmiert, um sie zu versorgen oder artgerecht zum nächsten Tierarzt zu transportieren. Wir bieten außerdem Hilfe im Notfall und eine Hotline, die rund um die Uhr besetzt ist.

Das kostet alles Geld und 2015 war die Tierrettung pleite. Wie finanziert sich der Verein heute?

Ich bin seit fünf Jahren Chef der Tierrettung und habe den Verein übernommen, als wir tatsächlich zahlungsunfähig waren. Ich habe mich damals rasch mit allen Gläubigern in Verbindung gesetzt und versucht, den Schuldenberg zu reduzieren. Das ist gelungen. Heute sind wir eine Organisation, die schwarze Zahlen schreibt. Das ist der Verdienst von vielen ehrenamtlichen Helfern.

Finanziell stehen wir heute auf drei Füßen. Zum einen finanzieren wir uns über Fördermitglieder. Eine Mitgliedschaft bei uns kostet zwölf Euro im Monat. Dafür gewährleisten wir einen kostenlosen artgerechten Transport des kranken oder verletzten Tieres von A nach B im gesamten Land. Das zweite Standbein – und auf das bin ich sehr stolz – ist unser Kursangebot. Wir bieten vom einfachen Erste-Hilfe-Kurs für Tiere bis zu einer zweijährigen Ausbildung zum Tierretter oder Tierrettungssanitäter alles an. Last but not least finanzieren wir uns auch über Spenden, nur damit schaut es ehrlich gesagt nicht gut aus.

Und wie viel zahlen Nicht-Mitglieder, wenn sie die Hilfe der Tierrettung brauchen?

Grundsätzlich kann und soll uns jede und jeder anrufen, die oder der ein Tier in Notlage bei sich hat. Die Anrufe gehen über den zentralen Notruf, von dort aus wird der Einsatz verteilt. Der Mitarbeiter kommt und holt das kranke oder verletzte Tier dann ab und bringt es in eine Tierklinik. Für den Transport verrechnen wir pauschal 150 Euro, die Tierarztkosten sind natürlich extra zu bezahlen.

Wir haben aber auch immer wieder Anrufe von Menschen, deren Tier im Sterben liegt oder die Hilfestellungen am Telefon benötigen. Da geht das Wohl des Tieres immer vor und dann ist es natürlich nicht relevant, ob jemand Mitglied ist oder nicht.

Gibt es finanzielle Unterstützung vom Land Salzburg oder einzelnen Parteien?

Nein, es gibt weder Spenden von Parteien noch Fördergelder.

Und wer zahlt den Einsatz, wenn zum Beispiel ein herrenloser Hund auf der Landstraße oder in der Stadt Salzburg gefunden wird?

Im Prinzip ist es so: Wer anschafft, zahlt. Wenn die Polizei uns wegen eines Fundhundes auf der Landesstraße alarmiert, werden wir von der Landesregierung bezahlt. Auch hier verrechnen wir die Pauschale von 150 Euro.

In der Stadt Salzburg bekommen wir aber nichts. Denn in dem Gebiet ist offiziell die Feuerwehr zuständig. In der Praxis kommen dann aber wir meistens zum Einsatz. Da werden wir jedenfalls noch Gespräche führen müssen. Von der Stadt würden wir uns insgesamt ein bisschen mehr Unterstützung und eine bessere, strukturiertere Zusammenarbeit erwarten. Das ist noch eine unserer Baustellen, aber wir sind für jegliche Vorschläge seitens der Stadtregierung offen.  

Neben mehr Unterstützung seitens der Stadt Salzburg fordern Sie auch eine Hundenotschlafstelle für das Land Salzburg. Warum ist das so wichtig?

Was machen Polizei, Feuerwehr oder wir, wenn das Tierheim nicht mehr geöffnet hat und den Fundhund aufnehmen kann? Wenn das Tier verletzt ist, kann ich es in die nächste Tierklinik bringen, bei einem unverletzten Tier, das gefunden wird – und da handelt es sich einfach in der Regel um Hunde – haben wir keine Möglichkeiten, es unterzubringen. Das Problem ist speziell im Winter und in der Nacht akut. Aus diesem Grund würden wir gerne eine Hundenotschlafstelle in Salzburg einrichten. Da hätten sowohl wir, also auch die Einsatzorganisationen sowie Ämter und Behörden, rund um die Uhr Zugang. Wir wünschen uns eine kleine Dienststelle im Flachgau, für wenig Geld könnte man damit viel bewirken.

Wo kommen die Hunde jetzt hin?

Wir haben Ehrenamtliche, die den Hund dann eine Nacht zu sich nehmen. Aber das ist natürlich kein Dauerzustand. Denn ich sehe nicht ein, dass sich Private um Dinge kümmern, um die sich eigentlich das Land Salzburg kümmern sollte. Deswegen laufen hier auch Gespräche mit Landesrat Josef Schwaiger. Der Ausgang ist offen.

Nun noch zu einem aktuellen Thema: Die Gefahr für Tiere im Auto bei Hitze. Wann wird es für Hund oder Katze tatsächlich gefährlich?

Die Leute unterschätzen die Gefahr leider ganz oft. Denn bei einer Außentemperatur von nur 24 Grad haben wir im Auto bereits nach zehn Minuten 31 Grad. Schon diese Temperatur kann für ein Tier gefährlich sein. Nach einer halben Stunde sind es bereits 40 und nach einer Stunde 50 Grad. Das ist für Kinder und Tiere mit Fell lebensbedrohlich. Und das nur – ich wiederhole mich – bei einer Außentemperatur von 24 Grad.

Die Tiere sterben nicht, sie verrecken. Bei so einem Einsatz dabei zu sein, das wünsche ich wirklich keinem. Daher bitte ich jeden, der ein Tier bei Hitze in einem Auto entdeckt, sofort Polizei, Feuerwehr oder uns zu verständigen. Wenn sich das Tier nicht mehr bewegt, einen Gegenstand suchen und die Scheibe einschlagen. Das Tier muss so schnell wie möglich raus aus dem Backofen in den Schatten. Um den Kreislauf zu stärken hilft lauwarmes Zuckerwasser. Man braucht keine Angst zu haben, dass man dafür belangt wird. Denn unser Tierschutzgesetzt regelt, dass den Tieren geholfen werden muss, sonst ist das unterlassene Hilfeleistung.

Endlich hat der Sommer begonnen :-) Bitte lasst eure Tiere nicht im Auto.

Gepostet von Österreichische Tierrettung am Donnerstag, 6. Juni 2019

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage. Sie sind 64 Jahre alt und seit 14 Jahren bei der Österreichischen Tierrettung dabei. Wie lange wollen Sie das noch machen?

(lacht). Meinen 70. Geburtstag werde ich jedenfalls ohne Tierrettung feiern, das habe ich für mich beschlossen. Meine Nachfolge regelt sich langsam. Aber ob ich in zwei, drei oder fünf Jahren übergebe, das steht noch in den Sternen.

Herr Mair, vielen Dank für das Interview.

Sehr gerne.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 23.07.2019 um 07:00 auf https://www.salzburg24.at/leben/tiere/oesterreichische-tierrettung-oswin-mair-im-sonntags-talk-72898861

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