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Unterforderung im Berufsleben

Elektrischer Schlag statt Langeweile

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Warum ist mir so langweilig, so langweilig, so langweilig? Unterforderung am Arbeitsplatz kann ähnliche Folgen haben wie ein Burnout. Doch was tun, wenn es an Herausforderungen und Motivation am Arbeitsplatz mangelt?

Stress durch eine Überforderung im Beruf ist heute ein viel diskutiertes Thema. Doch was ist mit Stress durch dauerhafter Unterforderung? Langeweile im Job, durch fehlender intellektueller Herausforderungen zu wenig Verantwortung oder Sinnlosigkeit, führt zu sozialem Rückzug, Antriebslosigkeit und Demotivation. Was können Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegen die Langeweile im Job tun?

Seit Jahren ist die Rede von einem kollektiven Ausgebrannt sein am Arbeitsplatz – dem Burnout. Beruflicher und privater Stress wirken sich auf Körper und Geist aus und hinterlassen Spuren von Lustlosigkeit, Trägheit und dem Gefühl von Sinnlosigkeit. Obwohl nun einigen ein Lächeln über die Lippen kommen wird, sei gesagt, dass eine tagtägliche Unterforderung, im Job oder während der Ausbildung nicht zu unterschätzen. Die Symptome sind ähnlich jener des Burnouts – das Modewort hierfür ist Boreout.

Wie kommt es zu Langeweile am Arbeitsplatz?

Einige werden es sich nicht vorstellen können wie es ist, durch das Nichtstun gestresst zu sein. Sie würden sich ein paar Tage ohne lästige Telefonanrufe, nörgelnde Kunden, sinnloser Meetings, etc. freuen. Es ist jedoch klar zu differenzieren, ob die Langeweile zeitweise auftaucht oder den ganzen (Arbeits-)Tag bestimmt.

Vor allem Studenten, die neben dem Studium auf der Straße Umfragen durchgeführt oder Flyer verteilen oder Jugendliche, die einem eintönigen Sommerjob nachgehen wissen, dass Langeweile durchaus zum Aushalten ist, solange es sich dabei um keinen Dauerzustand handelt und absehbar ist. Wenn wir Langeweile und Unterforderung jedoch tagtäglich im Beruf oder während der Ausbildung begegnen, dann wird es kritisch.

Die Gründe für eine Unterforderung am Arbeitsplatz können entweder vom Unternehmen oder vom Mitarbeiter selbst ausgehen. So kann es durch Umstrukturierungen am Arbeitsplatz dazu kommen, dass Verantwortungen verschoben werden und ein Mitarbeiter plötzlich weniger zu tun hat. Ein älterer Mitarbeiter könnte sich in den letzten Jahren vor dem Ruhestand vor einem Stapel sinnloser Arbeiten finden, die ihn beschäftigen sollen.

Es können jedoch auch persönliche Gründe sein, warum man sich am Arbeitsplatz unterfordert fühlt. Nach einer Weiterbildung könnte es zu einer intellektuellen Unterforderung kommen. Menschen entwickeln sich ständig weiter, daher kann es sein, dass die Arbeit von einem Tag auf den anderen keine Herausforderung mehr darstellt und man sich nach mehr Abwechslung sehnt. Langeweile am Arbeitsplatz muss nicht unbedingt daher rühren, dass es nichts zu tun gibt, sondern unter anderem daher, dass man keinen Sinn in der Arbeit sieht, kein Ziel vor Augen hat oder durch geringe Wertschätzung der Arbeit keine Motivation zur Produktivität verspürt.

Elektroschock gegen Langeweile

Der Psychologe Timothy Wilson von der Universität Virginia hat anhand eines Experiments herausgefunden, dass Menschen lieber irgendetwas machen, bevor sie nichts tun. So setzte er Teilnehmer in einen leeren Raum, ohne Mobiltelefon, Papier oder eine andere Art der Ablenkung. Sie sollten sich maximal 15 Minuten mit sich selbst beschäftigen und nachdenken. Die Teilnehmer empfanden die Zeit alleine nach Ablauf der Zeit als sehr unangenehm. Wilson trieb das Experiment weiter und gab den Teilnehmern die Möglichkeit, sich in den 15 Minuten selbst einen Elektroschock zu verpassen. Vor der ‚Ruhezeit‘ wurden diese von allen Teilnehmenden getestet, die danach angaben, Geld zahlen zu würden um keinen Schock mehr zu erhalten. Nun wurden die 18 Männer und 24 Frauen mit dem Elektroschock und ihren Gedanken alleine gelassen. In dieser Zeit gaben sich 12 der 18 Männer und 6 der 24 Frauen selbst mindestens einen Elektroschock. Ist es wirklich so unerträglich für Menschen, einfach einmal nichts zu tun?

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Phasen der Langeweile können beflügeln und sich als fruchtbarer Boden herausstellen. In dieser ‚ruhigen’ Phase können neue Ideen entstehen. Man kann die Zeit nutzen um Dingen nachzugehen, für die sonst wenig Zeit bleibt. Stillstand ist also nicht unbedingt automatisch negativ.

Was passiert, wenn man im Job unterfordert ist?

Welche Auswirkungen ein sogenanntes Boreout haben kann, zeigt der Franzose Frederic Desnard. Der Top-Manager verklagte im Jahr 2016 seinen Arbeitgeber auf Schadenersatz mit der Begründung ‚Unterforderung am Arbeitsplatz‘. Aufgrund des Nichtstun hatte er mit Symptomen wie Depression, Kopfschmerzen und Magengeschwüren zu kämpfen und machte das Unternehmen auch für seine Epilepsieanfälle verantwortlich.

So weit sollte es natürlich nicht kommen, doch andauernde Langeweile im Job oder in der Ausbildung macht krank und ähnliche Symptome wie bei Burnout-Betroffenen machen sich bemerkbar. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsschwächen sind tägliche Begleiter.

Was kann man gegen Unterforderung am Arbeitsplatz tun?

Bevor man die Langeweile und die Symptome akzeptiert oder womöglich bereits die Stellenanzeigen nach einem neuen Job durchforstet macht es Sinn, Klarheit zu schaffen und die eigenen Optionen abzuwiegen.

  • Warum fühle ich mich gelangweilt? 

Zuerst ist klar zu unterscheiden, ob es sich bei der Langeweile um einen dauerhaften Zustand handelt oder ob es von Zeit zu Zeit zu Phasen der Unterforderung kommt.

Wie der Karriere-Coach Bernd Slaghuis rät, sollten sich Betroffene hier die Frage stellen, ob die Langeweile nicht auch etwas Gutes haben kann? Können Wege gefunden werden um diese Zeit sinnvoll zu nutzen? Langeweile macht kreativ, denn der Kopf ist frei und gibt Raum die Gedanken schweifen zu lassen und Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Die Phase kann dabei helfen neue Kraft zu tanken, Hobbys nachzugehen und auch wieder soziale Kontakte zu pflegen.

  • Was interessiert mich wirklich?

Die Zeit des Nichtstuns kann genutzt werden um über den eigenen Karriereweg nachzudenken und sich selbst Ziele zu setzen und Pläne zur Erreichung auszuarbeiten. Im Zuge dessen können Umschulungen oder Weiterbildungsprogramme dabei helfen neue Stärken zu entdecken und sich somit im Unternehmen neu zu positionieren. Durch die neuen Kompetenzen können nach Absprache mit den Vorgesetzten weitere Aufgaben und Verantwortungen übernommen werden oder man entscheidet sich dazu, diese zu nutzen um generell in einen neuen Job zu starten.

  • Gibt es im Unternehmen noch Möglichkeiten die ausgeschöpft werden können?

Wenn es sich um einen Dauerzustand handelt, dann sollte unbedingt das Gespräch mit dem Vorgesetzten gesucht werden. Bevor das Kündigungsschreiben aufgesetzt wird, Rücksprache mit dem Chef halten. Womöglich ist sich dieser der Unterforderung nicht bewusst und hat eine akzeptable Lösung für den aktuellen Zustand parat.

  • Welche Schritte führen mich aus der Langeweile?

Den Weg aus der Langeweile kann nur der Betroffene selbst gehen. Wer herausgefunden hat, welche Schritte getan werden müssen, muss nur noch aktiv werden und diese umsetzen. Egal ob es sich hierbei um Veränderungen der Fähigkeiten handelt, einen Jobwechsel oder ob der Betroffene die Phase nutzt um sich einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen, sei über Langeweile noch folgendes zu sagen:

Wer über Langeweile klagt, hat zu sich selbst nein gesagt. Erich Limpach

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 18.11.2019 um 03:20 auf https://www.salzburg24.at/leben/unterforderung-im-berufsleben-elektrischer-schlag-statt-langeweile-70306735

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