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"Ich war hysterisch"

Coronavirus killt die Sinne

Wenn Geruchs- und Geschmackssinn ausfallen

Ein Symptom der Covid-19-Erkrankung ist der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. Wir klären auf wie es dazu kommt, wie es einer Betroffenen erging und wie gefährlich diese Einschränkung sein kann.

Thalgau

Der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns gilt als häufiger Vorbote einer Corona-Erkrankung. In sehr vielen Fällen dauert der Sinnesverlust mehrere Wochen an. Somit deutlich länger als der durchschnittliche Krankheitsverlauf. Auf den ersten Blick kein lebensbedrohlicher Zustand. Jedoch kann der Verlust des Geruch- und Geschmackssinns tatsächlich gefährlich werden und die Betroffenen im Alltag plagen.

Salat versalzen

„Es war wirklich sehr heftig. In meinem Fall war es wohl das größte Übel an der Krankheit“, schildert Anita Ruchti im Gespräch mit SALZBURG24. Die Thalgauerin infizierte sich Anfang November mit dem Coronavirus und wurde auch erst durch den Ausfall ihrer Sinne darauf aufmerksam. „Abends habe ich einen Salat zubereitet, da hat sich mein Mann schon gewundert, warum er so versalzen war“, schildert Ruchti den Verlauf. „Am nächsten Morgen hat dann der Kaffee nach nichts mehr geschmeckt, mittags war dann alles komplett weg.“

 

„Ich war richtig hysterisch“

Aufgrund mangelnder Erfahrungen mit der neuartigen Erkrankung, sind Patienten oft verunsichert „Ich war richtig hysterisch, weil man ja nicht wusste, wie lange es anhalten würde“, erinnert sich die 53-Jährige. Schlussendlich dauerte es bei der Flachgauerin fünf Wochen bis sich ihr Geruchs- und Geschmackssinn vollständig rehabilitiert hat. Dafür habe Ruchti allerdings auch trainiert, in dem sie an scharfen Gewürzen gerochen hat.

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Probleme im Alltag

„So richtig eingeschränkt ist man dadurch natürlich nicht, aber es ist eine komische Situation“, so Ruchti. Das Unangenehmste daran wäre gewesen, dass sie ihr eigenes Essen nicht mehr geschmeckt hätte. „Ich habe zwar normal gekocht, aber nicht mehr so gern wie sonst. Abgeschmeckt hat dann alles mein Mann. Ich selbst habe die Lust am Kochen verloren.“

 

Man lernt Sinne zu schätzen

Bei der Thalgauerin meldete sich der Geruchs- vor dem Geschmackssinn wieder zurück, was laut Experten eher unüblich sei. „Die Freude war riesig. Da lernt man erst zu schätzen, was sonst so normal ist“, berichtet Ruchti. Seitdem habe sie noch mehr Freude, wenn sie an Früchten oder Gewürzen rieche. „In diesen Situationen freust du dich so richtig, dass alles wieder normal ist!“

 

Gefahr oft nicht bewusst

Den meisten ist gar nicht bewusst, dass unser Riechorgan 24 Stunden aktiv ist. Während sich etwa unsere Augen im Schlaf eine Pause gönnen, arbeitet die Nase durch. So lange wir atmen, riechen wir also auch. Eine Körperfunktion, die uns vor Gefahren schützen soll. So würden wir zum Beispiel auch im Schlaf Rauch wahrnehmen. „Das habe ich gar nicht gewusst, dass durch dieses Symptom auch Gefahr besteht“, sagt die Genesene.

Geruchssinn ist Überlebenswichtig

Diese potenzielle Gefahrenquelle bestätigt auch Professor Eugen Trinka, Vorstand der Neurologischen Abteilung der Salzburger Landeskliniken (SALK). „Generell ist der Geruchssinn in der Natur Überlebenswichtig, zum Beispiel beim Erkennen von giftigen oder verdorbenen Lebensmitteln“, erklärt Trinka im Gespräch mit SALZBURG24. Was das Training zum Wiedererlangen des Geruchssinns betrifft, hätte Ruchti alles richtig gemacht. Sie könne sich auch glücklich schätzen. „Die Dauer des Symptoms ist variabel. Ich kenne einen Fall, bei dem der Geruchssinn des Erkrankten erst nach zwei Monaten langsam wiedergekommen ist. Danach hat alles nach Fäkalien gerochen“, schildert der Experte einen besonderen Fall.

So killt Corona unsere Sinne

Der Geruchs- und Geschmacksverlust würde laut Trinka von Patienten relativ häufig beschrieben. „Das passiert natürlich auch bei einem Schnupfen, da allerdings durch die Schleimproduktion.“ Das Coronavirus arbeite anders. „Es dringt wie die Sars- und Mers-Viren über die Schleimhaut in die Nervenzellen und schädigt so direkt den Geruchsnerv“, erklärt der Neurologe. Bei der Regeneration könne es dann zu der beschriebenen unangenehmen Mischempfindung kommen. Man rieche nur „schlecht“.

Gehirn APA/dpa/Ingo Wagner

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Coronavirus schädigt vielseitig

Zudem beeinträchtigt das Coronavirus je nach Schwere des Verlaufs unter anderem die Lunge, sorgt für Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und erhöht durch schlechtere Blutgerinnung die Chance auf Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Daher fällt einem der Geruchs- und Geschmacksverlust eher auf, wenn man nicht so schwer erkrankt ist“, erläutert der 57-Jährige. Dazu kommen die kognitiven Einschränkungen nach durchlaufener Krankheit. „Aufmerksamkeitsdefizite, Beeinträchtigung der Konzentration und des Gedächtnis sind sehr häufig“, erläutert Trinka abschließend.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 19.06.2021 um 04:37 auf https://www.salzburg24.at/news/coronavirus-killt-die-sinne-99603715

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