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Jeden Tag 30 neue Vermisste

So funktioniert die Suche nach Abgängigen

Mit Jänner 2020 waren 884 Menschen als vermisst gemeldet

85 Prozent der Vermisstenfälle wurden in den vergangenen vier Jahren nach einer Woche, 95 Prozent nach einem Monat, 97 Prozent nach sechs Monaten und 98 Prozent nach einem Jahr geklärt.

Mehr als 11.000 Menschen sind im vergangenen Jahr bei den heimischen Polizeidienststellen als vermisst gemeldet worden. Das sind durchschnittlich 30 Menschen pro Tag. Die weitaus meisten tauchten innerhalb kurzer Zeit wieder auf, und das unversehrt. Mehr als 98 Prozent dieser Fälle wurden geklärt, gab das Bundeskriminalamt (BK) am Mittwoch bekannt.

Mit Jänner 2020 waren 884 Menschen im "Elektronischen Kriminalpolizeilichen Informationssystem" (EKIS) als vermisst gemeldet, davon 498 Erwachsene und 386 Kinder. Gegenüber dem 1. Jänner 2019 waren es um 153 Menschen weniger. Eine Fahndung wird nur dann widerrufen, wenn der Vermisste wieder auftaucht, so das BK, in dem seit 2013 das Kompetenzzentrum für Abgängige Personen (KAP) angesiedelt ist.

Erfolgsquoten bei Vermisstenfällen

85 Prozent der Vermisstenfälle wurden in den vergangenen vier Jahren nach einer Woche, 95 Prozent nach einem Monat, 97 Prozent nach sechs Monaten und 98 Prozent nach einem Jahr geklärt. In 13 Fällen veröffentlichte das KAP im vergangenen Jahr eine Fahndung. Elf davon wurden bereits wieder widerrufen, weil die Gesuchten wieder gefunden wurden. In drei Fällen waren die Vermissten bereits tot.

Zwei Fälle blieben offen: Dabei handelt es sich um eine seit Februar 2019 abgängige Burgenländerin und ihren Sohn, für den sie nicht die Obsorge hat. Der Vater des Buben hat mittlerweile 5.000 Euro Belohnung für das Auffinden des Sohnes ausgesetzt.

Viele Minderjährige betroffen

Das KAP arbeitete im Vorjahr auch operativ an Fahndungen mit, unter anderem bei der Suche nach einem dementen Mann, der aus seiner Betreuungseinrichtung in Wien verschwunden war. Gemeinsam mit den zuständigen Polizeidienststellen in Österreich und der Slowakei wurde er in der Slowakei aufgefunden und nach Wien zurückgebracht.

Jedes Jahr betreffen mehr als drei Viertel aller Vermisstenanzeigen Minderjährige, die von ihren Betreuungseinrichtungen als vermisst gemeldet wurden, so das BK. Bei 7.000 Fällen handelte es sich um sogenannte Mehrfachabgängigkeiten, wenn eine Person bereits dreimal oder öfter vermisst war. 2016 wurde daher ein Konzept für zielgruppenorientierte Präventionsmaßnahmen in Betreuungseinrichtungen erstellt. Ziele des Projekts waren eine deutliche Senkung der Anzeigenzahl in den betroffenen Polizeiinspektionen sowie eine Verbesserung der Kommunikation zwischen den Sozialeinrichtungen und den örtlich zuständigen Polizeidienststellen.

Wie die Behörden bei Abgängigkeit handeln

Wird ein Mensch bei der Polizei als vermisst gemeldet, starten die Erhebungen. Besteht der Verdacht auf einen Suizid, eine Gewalttat oder einen Unfall, leiten die Ermittler eine Fahndung ein. Auch wenn der Abgängige aufgrund einer psychischen Behinderung hilflos ist oder das Leben anderer ernstlich gefährdet wird, wird rasch ermittelt. Wenn es sich um eine minderjährige Person handelt und ein Ersuchen eines obsorgeberechtigten Elternteils vorliegt, werden ebenso alle Fahndungsmaßnahmen eingeleitet. In den meisten Fällen klärt sich der Aufenthalt der Abgängigen innerhalb weniger Tage.

(Quelle: APA)

So funktioniert die Suche nach Vermissten

In Salzburg sind derzeit 94 Menschen vermisst gemeldet. APA/ELMAR GUBISCH / Archiv
In Salzburg sind derzeit 94 Menschen vermisst gemeldet.

Die mutmaßliche Entführung einer 88-Jährigen sorgte in Eisenstadt (Burgenland) für Aufsehen. Im Bundesland Salzburg gibt es laut Innenministerium derzeit 92 Vermisstenfälle. Wie die Behörden in diesen Fällen arbeiten und wie hoch die Aufklärungsrate ist – SALZBURG24 hat nachgefragt.

Das Verschwinden bzw. die mutmaßliche Entführung einer 88-jährigen Frau, die Unbekannte am Dienstagnachmittag auf offener Straße in Eisenstadt in ein Auto setzten und wegbrachten, hält im Burgenland weiterhin die Polizei auf Trab. Bezüglich des Ermittlungsstandes hält sich die Exekutive nach wie vor bedeckt. Die Rede ist bloß von "Erfolg versprechenden Ansätzen", die man nicht gefährden wolle.

Die Frau soll Dienstagnachmittag auf offener Straße in Eisenstadt in ein Auto gesetzt und weggebracht worden sein. Die Polizei hatte in diesem mutmaßlichen Entführungsfall alle Hände voll zu tun und leitete eine Großfahndung mit mehr als 100 Beamten ein. Am Mittwoch ist die Frau in Tirol wohlbehalten wieder aufgetaucht.

Wenn das eigene Kind, ein anderer Angehöriger oder Freund plötzlich verschwindet – diese Vorstellung mag man sich erst gar nicht ausmalen. Nach aktuellen Zahlen des BKA gelten seit den 1960er-Jahren insgesamt 1.037 Personen in Österreich als abgängig – 92 davon in Salzburg. Doch laut BKA-Pressesprecher Vincenz Kriegs-Au müsse diese Zahl differenziert betrachtet werden: Knapp die Hälfte dieser Fälle sind bis heute ungelöst. 97 Prozent der Fälle klären sich innerhalb des ersten Monats wieder auf.

10.000 Vermisstenfälle pro Jahr

Jährlich werden rund 10.000 Vermisstenfälle gemeldet. "Das klingt viel, aber so gut wie alle werden wieder gefunden", so Kriegs-Au im Gespräch mit SALZBURG24. Oftmals seien es Kinder, die sich mit ihren Eltern gestritten haben und dann weggelaufen sind. Der wohl größte Teil sind jedoch Minderjährige, die wiederholt aus Heimen ausbüxen. "Grundsätzlich werden die meisten Abgängigen nach zwei bis drei Tagen und höchstens nach einem Monat wieder gefunden", erklärt Kriegs-Au. Etwa zehn Vermisstenfälle bleiben jährlich ungelöst und werden in einer bundesweiten Datenbank eingetragen.

 

So läuft eine Suche nach Vermissten ab

Doch wie läuft die Suche nach Vermissten in Österreich überhaupt ab? Ganz wichtig: Es gibt keine 24-Stunden-Frist, nachdem man eine Person erst als abgängig melden kann. "Ganz im Gegenteil", appelliert der BKA-Pressesprecher. "Je schneller wir Informationen bekommen, desto besser ist das." Abgängigkeitsanzeigen können bei jeder Polizeidirektion gestellt werden. Die Beamten legen dann abhängig ihrer Einschätzung der Gefährdungslage konkrete Fahndungsmaßnahmen ein: "Jeder Hinweis ist wichtig. Wenn zum Beispiel ein Wanderer am Berg vermisst wird, dann schicken wir schnellstmöglich Alpinpolizisten, Suchhunde und Hubschrauber los."

Kompetenzzentrum im BKA

Doch kein Vermisstenfall gleiche dem anderen, stellt Kriegs-Au klar. Weitere Schritte sind die Einbeziehung der Experten für Abgängige bei den jeweiligen Landeskriminalämtern. Schließlich fahndet das Bundeskriminalamt auch international mithilfe des 2013 geschaffenenKompetenzzentrums für abgängige Personen. Dort beschäftigt man sich mit der Erstellung von Lagebildern, der Vernetzung von Behörden im In- und Ausland, der Angehörigenbetreuung und Präventionsarbeit.

Handypeilung und Öffentlichkeitsfahndung

Diese Ermittlungsarbeiten finden für die Öffentlichkeit zumeist im Verborgenen statt – auch um die Opfer zu schützen. Als weitere Möglichkeiten bleiben der Exekutive eine Handypeilung und die Öffentlichkeitsfahndung. Diese bezeichnet BKA-Pressesprecher Kriegs-Au aber als "letzte aller Ressourcen, weil es ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte ist". In jedem Fall wird dafür eine explizite Anordnung der Staatsanwaltschaft benötigt. Angewendet werden diese Maßnahmen bei Gefahr im Verzug, insbesondere bei vermissten Kindern. Denn Minderjährige können im Gegensatz zu Erwachsenen nicht einfach hingehen, wohin sie wollen. Die Eltern haben das Sorge- bzw. Aufenthaltsbestimmungsrecht.

Sobald Kinder und Jugendliche ihren gewohnten Lebensbereich verlassen haben und niemand weiß, wo sie sind, gehen die Ermittler in der Regel automatisch von einer Gefahr für Leib und Leben aus. "Wenn der eigene Nachwuchs nicht von der Schule heimgekommen ist, wird alles daran gesetzt, nach dem Kind zu suchen – auch mithilfe anderer Blaulichtorganisationen", erklärt Kriegs-Au. Ermittler durchleuchten dann das nähere Umfeld der vermissten Person und suchen mögliche Rückzugsorte auf.

Gründe oftmals nicht nachzuvollziehen

Bei Abgängigen handelt es sich aber auch um Menschen, die auswandern und ihr altes Leben einfach hinter sich lassen wollen. Viele Gründe seien demnach nicht nachvollziehbar. "Es kommt immer stark auf den Fall und die jeweiligen Gegebenheiten an", weiß der BKA-Pressesprecher. Vermisste werden auch tot gefunden. Ein Großteil davon sind verunglückte Bergsteiger, Badende sowie ältere und verwirrte Menschen. Vereinzelt handele sich es auch um Suizid.

Aufgerufen am 10.05.2021 um 09:33 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/30-personen-taeglich-in-oesterreich-abgaengig-gemeldet-82364479

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