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Änderungen bei Quarantäne für kleine Kinder?

Empfehlung für Kindergärten, Volksschulen und Co

20200311_PD5082.HR.jpg APA/HANS PUNZ/Archiv
Derzeit ist das übliche Vorgehen an der Schule anders: Wird bei einem Kind eine Covid-19-Infektion festgestellt, wird es abgesondert. (SYMBOLBILD)

An Kindergärten, Volksschulen sowie den ersten Klassen AHS-Unterstufe und Mittelschule könnte es demnächst zu Änderungen bei Quarantänevorgaben kommen. Laut einer Empfehlung des Gesundheitsministeriums aus der Vorwoche können Kinder bis zu zehn Jahren bei einem bestätigten Covid-19-Fall bei einem Mitschüler in der Klasse bzw. in der Gruppe auch nur als "Kategorie II-Kontakt" eingestuft werden. Sie müssten dann nicht mehr automatisch in Quarantäne.

Derzeit ist das übliche Vorgehen an der Schule anders: Wird bei einem Kind eine Covid-19-Infektion festgestellt, wird es abgesondert. Sämtliche Mitschüler werden als "Kontaktpersonen der Kategorie I" ebenfalls für zehn Tage nach dem Letztkontakt mit dem infizierten Mitschüler in die Quarantäne geschickt.

Wann Kinder einen PCR-Test machen sollen

Laut den Ministeriums-Empfehlungen könnte das künftig anders gehandhabt werden. Abgesondert wird dann nur das betroffene Kind. "Angesichts des geringen Risikos einer Übertragung durch Kinder unter zehn Jahren kann der Klassen- oder Gruppenverband bzw. die Betreuungspersonen in Bildungseinrichtungen bis zur 5. Schulstufe jedoch lediglich als Kategorie II-Kontakt eingestuft werden", heißt es dort. Diese müssen nicht abgesondert werden.

Allerdings sollen diese Kinder einen PCR-Test absolvieren. Werden dabei mehr als zwei Kinder in einem Abstand von weniger als zehn Tagen in derselben Klasse bzw. Gruppe positiv getestet oder ist dies bei einer Lehrkraft bzw. Betreuungsperson der Fall, kann die Gesundheitsbehörde die ganze Klasse oder Gruppe bzw. Teile dann doch in Quarantäne schicken. Keine Änderung der Vorgangsweise soll es dagegen bei Kindern über zehn Jahren geben: Hier sollen weiter alle engen Kontakte nach Vorgabe der Gesundheitsbehörde abgesondert werden.

Bei Verdachtsfall nicht in Quarantäne

An den Wiener Schulen - wo die meisten Infektionen zu verzeichnen sind - sind diese Empfehlungen vorerst noch nicht in Geltung, hieß es aus der Bildungsdirektion. Derzeit werden hier also auch an Volksschulen noch alle Kinder bei einem positiven Covid-19-Test in einer Klasse abgesondert.

Schon jetzt im Regelfall nicht in Quarantäne geschickt werden dagegen Mitschüler eines Kindes oder Jugendlichen (unabhängig vom Alter), der vorerst lediglich als Verdachtsfall eingestuft wird. Hier wird nur darauf geachtet, dass die betreffende Klasse oder Gruppe nicht mit anderen vermischt wird - etwa im Turn-, Werk- oder Religionsunterricht.

Auch von einer anderen an vielen Schulen verbreiteten Maßnahme rät das Gesundheitsministerium ab - sogenannte Symptomuntersuchungen wie etwa das Fiebermessen bei Schülern. Dieses bringe relativ wenig, weil einerseits Fieber ein Symptom vieler Krankheiten ist und andererseits bei vielen Kinder selbst bei Covid-19-Infektion kaum oder gar keine Symptome auftreten. "Aus den genannten Gründen wird empfohlen von Routine-Symptomuntersuchungen an Bildungseinrichtungen abzusehen."

(Quelle: APA)

Welche Folgen Corona an Salzburgs Schulen hat

Zum Start der zweiten Schulwoche sind zwölf Klassen an sechs Salzburger Schulen corona-bedingt in "Teilquarantäne". Besteht deswegen Grund zur Unruhe? Wir haben bei der Bildungsdirektion und beim Elternverein nachgefragt.

Schon am zweiten Schultag nach den Sommerferien wurden die ersten vier positiven Covid-19-Fälle an Salzburger Schulen gemeldet. Nach fünf Tagen waren 13 Schülerinnen und Schüler sowie sechs Lehrkräfte infiziert. Am gestrigen Sonntag folgten weitere Fälle an Bildungseinrichtungen, weshalb eine "Verkehrsbeschränkung" angeordnet wurde. Das heißt, die Klassen bleiben für diese Woche geschlossen und Lehrkräfte sowie Schüler dürfen keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen oder Gemeinschaftseinrichtungen aufsuchen.

 

Besteht nun Grund zur Unruhe? "Nein", sagt Bildungsdirektor Rudolf Mair auf SALZBURG24-Nachfrage am Montag und beschwichtigt: "Bei rund 73.000 Schülerinnen und Schülern sowie 9.000 Lehrkräften muss das Verhältnis berücksichtigt werden", so Mair im Telefonat mit S24. "Das hat keinen großartigen Effekt auf das Schulsystem." Organisatorisch könnten die Schulen diese Herausforderungen bewältigen, heißt es. Alle aktuell betroffenen Bildungseinrichtungen sind in der Landeshauptstadt.

Elternverein übt Kritik

Sabine Gabath vom Landesverband der Elternvereine hat die große Sorge, dass "das Bildungsdefizit durch 'Teilquarantäne' und Schulschließungen nicht mehr aufzuholen ist. Das zieht sich durch das ganze Leben." Es gebe Eltern, die verzweifelt seien, weil sie entweder keine Urlaubstage mehr haben oder der Dienstgeber nicht fürs Homeschooling freistellt. "Sie fühlen sich im Stich gelassen und der Eindruck entsteht, dass die Probleme auf die Eltern abgewälzt werden", schildert Gabath gegenüber S24. Auch sei noch immer ungeklärt, was bei einer corona-bedingten Schulschließung passiert und welche Konsequenzen das für alle Beteiligten hätte.

Nach einem Gespräch zwischen Elternverein und Bildungsdirektion wurde heute der gemeinsame Konsens gefunden, Volksschulen offen zu halten, "da die ersten Schuljahre von immenser Wichtigkeit" seien. Ein neuerlicher Lockdown soll unbedingt vermieden werden.

Hygiene-Maßnahmen an Schulen

Man tue alles dafür, um den Schulbetrieb aufrechtzuhalten, betont Mair. Dafür wurden zuvor eigens Hygiene-Maßnahmen ergriffen, um das Ansteckungsrisiko in Schulen möglichst gering zu halten und eine Ausbreitung zu verhindern:

  • Regelmäßiges Händewaschen und das Desinfizieren der Hände
  • Abstand halten, unterstützt durch Markierungen in den Eingangsbereichen ebenso wie – wenn möglich – durch eine Verlagerung der Pausen in den Außenbereich der Schule; Pausen können schulautonom gestaffelt werden.
  • Atem- und Hustenhygiene einhalten
  • Regelmäßiges Lüften der Schulräume, auch während des Unterrichts

Was bei einem Corona-Fall passiert

Bei einem positiven Corona-Fall arbeiten die Schuldirektoren eine eigens dafür ausgearbeitete Checkliste der Gesundheitsbehörden ab. Diese regelt die dann zu ergreifenden Maßnahmen und übernimmt die Kommunikation mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern, den Eltern und dem Lehr- und Verwaltungspersonal.

An jeder Schule gebe es außerdem ein Notfallpaket, u.a. mit geeigneten Reservemasken. Ab sofort stehe auch in jeder Schule ein kontaktloses Fiebermessgerät zum Einsatz bereit. Bildungsdirektor Mair appelliert an die Eltern: "Kranke Kinder sollen unbedingt zu Hause bleiben und erst wieder genesen in die Schule zurückkehren." Es liege nicht an den Schulen, sondern an der gesamten Bevölkerung, sagt der Salzburger Bildungsdirektor mit Verweis auf den vor allem mit jungen Menschen gefüllten Rudolfskai am letzten Samstagabend. "Nur wenn alle gemeinsam sich an die Vorgaben halten, können wir weitreichende Folgen verhindern."

Homeschooling und Distance Learning

Mit Homeschooling habe man durch die Erfahrungen aus dem Lockdown im Frühjahr und mittlerweile angeschaffter notwendiger Software einen großen Schritt nach vorne gemacht. "In der Sekundarstufe 2 läuft das recht problemlos, die Durchführung des Lehrplans ist an allen Schulen in Salzburg garantiert", erklärt Mair. Neue Lehrkräfte einzustellen, um das bestehende Personal zu entlasten, sei jedoch aktuell kein Thema. Eher setze man auf die Möglichkeiten des Distance Learnings.

Mit dem neuen Schuljahr startete außerdem das Portal "Digitale Schule", zunächst für die Bundes- und ab Herbst 2021 auch für Pflichtschulen (v.a. Volks- und Mittelschulen). Auf der neuen Plattform sollen mit einem Login alle wichtigen Verwaltungs- und pädagogischen Anwendungen (digitale Notenverwaltung, Kommunikation, Klassenbuch, Lernplattformen etc.) zugänglich sein.

Es gebe zudem einen regelmäßigen Online-Austausch zwischen Direktoren, Lehrkräften und Elternvertretern, um auf aktuelle Ereignisse zu reagieren.

Aufgerufen am 10.04.2021 um 02:46 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/aenderungen-bei-quarantaene-an-volksschulen-empfohlen-93160519

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